Georg Kronawitter

Der Alt-OB: Bewegender Brief an seine Freunde

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Kronawitter mit seiner Gattin Hildegard (68), die ihm Kraft gibt.

München - Alt-OB Georg Kronawitter verschickte zum Weihnachtsfest seinen Freunden und Bekannten eine bewegende Nachricht. Auch die tz war unter den Adressaten.

Es ist ein bewegender Brief, der wie ein Abschied klingt: "Meine Erkrankung lässt es nicht mehr zu, dass wir uns persönlich begegnen können. Deshalb grüße ich Sie zum Weihnachtsfest sehr herzlich und wünsche Ihnen für das Jahr 2016 alles Gute, vor allem stabile Gesundheit."

Die Worte – sie stammen von Alt-Oberbürgermeister Georg Kronawitter (87). Per Post schickte der beliebte Politiker seinen vielen Freunden und Bekannten die persönliche Nachricht, inklusive eines selbstverfassten Gedichtbandes. Auch die tz war unter den Adressaten. Jetzt machen sich viele Sorgen um den ehemaligen SPD-Politiker. Wie schlimm steht es um ihn?

Die tz erreichte den 87-Jährigen am Montag zu Hause. "Mir geht es nicht so gut", gibt der Alt-OB (von 1972 bis 1978 und von 1984 bis 1993 im Amt) offen zu. "Meine Parkinson-Erkrankung macht mir schwer zu schaffen." Das heimtückische Leiden führt bekannterweise zu schweren Zuckungen im Körper (siehe Stichwort). Zudem fällt vielen Betroffenen das Sprechen sehr schwer. "Bei jedem verläuft Parkinson ja irgendwie anders. Auch ich habe bessere und schlechtere Tage." Aber noch hat Kronawitter seinen Lebensmut nicht verloren. " Ich lese jeden Tag die Zeitungen, auch Ihre. Dann diskutiere ich mit Freunden über die derzeitige Politik", erzählt er. "Da kann ich nicht anders. Einmal Politiker, immer Politiker." 

Kronawitter hadert nicht mit seinem Schicksal. "Ich bin 87 Jahre alt – dieses Leiden ist nun mal mein Schicksal. Damit muss ich jetzt leben. Auch, wenn es schwer ist." Wie er auf die Idee kam, seinem Weihnachtsgruß noch einen Band mit selbstgeschriebenen Jugendgedichten beizufügen? "Das ist einfach ein ganz persönlicher Gruß." Als 20-Jähriger hatte er die Werke verfasst – damals an der Lehrerbildungsanstalt in Pasing. "Ich habe sie beim Sortieren meiner Akten wiedergefunden und zu einem Büchlein binden lassen. Da sie aber privat sind, bitte ich darum, keine davon zu veröffentlichen." Schade! Denn die Gedichte sind schön. Kronawitter schreibt über Trauer, Stille, Liebe. Die Zeilen eines sensiblen Mannes – ohne jeden Pathos. Ab 1972, seiner ersten Amtszeit, wurde Kronawitter als großer Polit-Kämpfer bekannt. Immer stark. Nein, aufgeben wird er auch jetzt nicht – im Kampf gegen Parkinson. Wir wünschen ihm alle Kraft der Welt!

Die Schüttelkrankheit

Es war im Jahre 1817, als der Arzt James Parkinson bei einem Patienten zum ersten Mal "die Schüttelkrankheit" genauer beschrieb. Derzeit kämpfen rund 350 000 Menschen in Deutschland mit der unheilbaren Nervenkrankheit Parkinson – unter ihnen auch Prominente wie der Schauspieler Ottfried Fischer (61) oder der Kabarettist Fredl Fesl (68). Bei den Erkrankten sterben die Nervenzellen im Körper ab, die das Hormon Dopamin herstellen. Dieses braucht der Mensch aber, um Steuerungsabläufe im Körper zu regulieren. Es kommt daher zu Zuckungen und Muskelversteifungen.

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