Mitarbeiter erinnern sich an G. K.

Gerd Käfer: Ein Chef, der zur Marke wurde

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Gerd Käfer starb im Alter von 82 Jahren.

München - Bei seinen Angestellten hieß er nur G. K. - sie trauern um ihren langjährigen Chef Gerd Käfer. Hier erzählen sie, was ihn ausmachte und wie er sich immer um sie kümmerte.

Gerd Käfer († 82) hatte eiserne Prinzipien, was das Dienen angeht. Ordnung, Präsentation der Auslagen, Qualität und Frische: Es musste von allem nur das Beste, Schönste und Perfekteste sein. Und nur wer bereit war, sich seine ehernen Gesetzen zu eigen zu machen, wurde glücklich unter ihm als Chef, der er bis 1995 war, bevor Michael Käfer (57) das Unternehmen vollständig übernommen hat. Weil „der Chef“ oder G.K., wie er respektvoll genannt wurde, aber auch ein Herz wie ein Bergwerk hatte, die Arbeit und die Kundschaft so abwechslungsreich, spannend und aufregend waren, sind viele Mitarbeiter im Stammhaus an der Prinzregentenstraße seit Jahrzehnten da. Sie trauern um G.K. Um eine Marke, die er selbst war und die er geschaffen hat: Käfer steht heute für alles, was fein ist. G.K.s ehemalige Angestellten erinnern sich, was den Seniorchef ausgemacht hat, nicht ohne auch den Erfolg von Michael zu würdigen, der seinem Vater in vielem ähnlich ist ...

Käs-Evi – eine Legende

„Was ich von Gerd Käfer gelernt habe, hätte ich von niemand anderem lernen können“, sagt die Käs-Evi, Evelyn Wagner (68), die seit 1967 im Feinkostladen ist und 16 Jahre allein an der Käsetheke war. „Gerd Käfer hat vor Ideen immer nur so gesprüht, und sein Bruder Helmut hat in Paris eingekauft und das Restaurant aufgebaut – so wurde Käfer groß.“ Der Dienst am Kunden, die Leute durch die Abteilungen zu führen und ihnen beim Einkauf zu assistieren, sie bis zur Kasse durchzubedienen, das gehörte genauso dazu wie Einsätze im Partycatering. Gerd Käfer sagte nur: „Evi, ich brauch dich da!“ Und Evi war da! Und eigentlich ist Evi inzwischen auch schon in Rente, aber wenn man sie braucht, ist sie immer noch da. Ausdrücklich will sie aber noch anfügen, dass auch der Michael Käfer seine Sache wunderbar macht und die Firma hervorragend führt. Aber mit Gerd sei halt eine Ära zu Ende gegangen.

Der Gast war immer der König

„Immer empfehlen, immer am Gast sein, immer verkaufen“ – so hat der Ober der Stammgäste, Reiner Fussi (59), Gerd Käfer immer noch im Ohr. Seit bald 40 Jahren. Exakt seit 1. Juli 1976 ist Fussi im Stammhaus als Kellner engagiert – von Gerd Käfer selbst. Und der Chef hat den Fussi auch nie mehr aus den Augen verloren: „Schau mal, Fussi, mach dies; schau, mach das. Mir fehlt was.“ Irgendwas war immer. So einfach war Käfer nicht zufrieden zu stellen. Aber weil auf Fussi besonderer Verlass war, hat ihn der Erfinder des Partycaterings auch immer zu den großen Festivitäten mitgenommen: 1983 nach Moskau, auch an die Côte d’Azur, eigentlich in die ganze Welt. „Wir sind auch im Hubschrauber zu F. K. Flick geflogen. Ich habe Gott und die Welt bedient. Und als wir noch Staatsempfänge gecatert haben, bin ich Prinz Charles und Lady Di mit den Getränken hinterher.“ Mit Gerd Käfer als Dirigent und Intendant im Nacken. Fussi war auch da, als sich Johannes Fürst von Thurn und Taxis und Gloria Gräfin von Schönburg-Glauchau zum ersten Tête-a-Tête auf Tisch 24 in der Käfer-Schänke trafen. Da bestellte die spätere Fürstin noch Orangensaft ...

Ordnung ist alles!

Nochvor zwei Wochen begrüßte Ergün Akca (43) seinen allerersten Chef im Feinkostladen – als sich Gerd Käfer ein Eis geholt hat und es vor der Tür auf der Bank verspeiste. Es ging ihm nicht gut, aber für Ergün Akca hatte er immer ein liebes Wort. „Er hat mich 1992 angestellt – erst für die Spülküche, nach fünf Jahren durfte ich dann vorne im Laden sein und sorge seither dort für Sauberkeit und Ordnung und helfe der Kundschaft. Von Gerd ­Käfer habe ich gelernt, was wahre Ordnung ist – er hat alles gesehen! Ich habe leider nur zwei Augen, der Senior­chef hatte vier! Und er hatte ein großes Herz! Es ist traurig, dass er gestorben ist, aber diesen Weg müssen wir alle einmal gehen und daran hat er uns jetzt erinnert.“

Geht nicht, gibt’s nicht!

Am 5. Juli 1971 war Jochen Schmidts (69) erster Arbeitstag inder Käfer-Schänke als Kellner – G.K. hatte das Bewerbungsgespräch geführt. „Er war so lebendig, so temperamentvoll – ich habe mich sehr gefreut ...“ Die ersten Gäste, die Schmidt bedienen durfte: Berühmtheiten wie Liz Taylor und ­Richard Burton. Nur einen Monat später die Allerschlimmsten: die Geiselnehmer des Raubüberfalls gleich gegenüber – auf die Filiale der Deutschen Bank am 4. August 1971. Der erste deutsche Banküberfall mit Geiselnahme überhaupt. Natürlich wurden auf Geheiß von Gerd Käfer auch die Polizisten verköstigt, Schmidt war Bote. Dass die Nacht blutig endete, und Schmidts VW-Käfer Einschusslöcher davontrug – alles nur noch Geschichte. Doch dass jetzt auch sein Ex-Chef nur noch ­Erinnerung sein kann, das schmerzt Jochen Schmidt. Nächste Woche, wenn er 70 wird, wird Gerd Käfer beerdigt. Unter seiner Ägide durfte er Karriere machen – vom Kellner zum Oberkellner und Geschäftsführer. Jetzt ist er Ruheständler, hilft aber immer noch gern im Restaurant und nimmt Reservierungen entgegen. „Gerd Käfer war ein ­Visionär. Geht nicht, gab’s nicht. Dienen war sein Leben. Und so geht auch jetzt die Arbeit für uns weiter.“

Der Schmankerlbote bis zuletzt

Sein ganzes Arbeitsleben hat Siegfried Ludwig Gläser (58) im Feinkostgeschäft verbracht. Der stellvertretende Ladenleiter war 15, als ihn Gerd Käfer als Lehrling eingestellt hat. Und G. K. war 39. Jetzt, mit 82, ist er gestorben, und Gläser hatte die ehrenvolle Aufgabe, dem Seniorchef in seinen letzten Wochen seine Lieblingsschmankerl von der Prinzregentenstraße in die Wohnung in der Möhlstraße hinüberzubringen: kleine Schnitzerl, Gelbwurst, Rhabarbertarte, Croissants, Rosinenschnecken. Aus jeder Abteilung hat er seinem früheren Chef etwas mitgebracht – die Verkäufer wussten ja, was G. K. besonders mochte. Und auch wenn der berühmte Tafeldecker zum Schluss nichts mehr runtergebracht hat – wenigstens probiert hat er alles. Nur am Samstag hat Gläser nichts mehr bringen dürfen, der Chef war gegangen. Für immer. „Wir haben ja gewusst, dass es zu Ende geht, aber dann ist es doch ein Schock. Und ohne ihn wären wir ja alle nicht hier“, sagt Gläser, der nichts über den Senior kommen lässt: „Er war ein gerechter Chef, manchmal ein bisserl laut und ungeduldig, aber für mich wie ein Vater.“ Jetzt ist Gläser der Ansprechpartner für die Kunden. „Viele können’s gar nicht fassen, das Gerd Käfer tot ist!“

Ulrike Schmidt

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