Ein Kramerladen wird zum Feinkosttempel

Gerd Käfer (†82): Er fing ganz unten an

München - Vom Tellerwäscher zum Millionär. Diese abgedroschene Beschreibung für jemanden, der sich von ganz unten nach ganz oben gearbeitet hat, trifft es beim verstorbenen Gerd Käfer ziemlich genau.

Vor seinem fulminanten Aufstieg in den Gourmet-Olymp musste der Kultgastronom ordentlich Lehrgeld bezahlen.

Jetzt ziert ein Bild mit Trauerflor den Eingangsbereich des Geschäfts in Bogenhausen, um an Gerd Käfer zu erinnern.

In seinem jugendlichen Leichtsinn verschuldet sich Käfer und muss seinen ersten Laden verkaufen. Bei der singenden Wirtin „Gisela“ in der Occamstraße arbeitete er als Generaldirektor, Empfangschef, Koch und Spüler in Personalunion seine Schulden ab. „Das war die härteste Zeit meines Lebens, aber auch die beste Schule, die ich kriegen konnte“, sagte er einst – und er hatte recht. In den 50er- und 60er-Jahren traf sich bei Gisela alles, was Rang und Namen hatte: Franz Josef Strauß, Erich Kästner und Dieter Hildebrandt.

Prinzregentenstraße 73: Käfer zählt zu den schilderndsten Adressen, wenn es um Gaumenfreuden jeder Art geht.

Danach zieht Gerd Käfer im Kramerladen seiner Eltern – einem Kolonialwarengeschäft für Weine, Liköre und Flaschenbiere in der Prinzregentenstraße – mit seinem Bruder Helmut die Fäden. Aus dem Delikatessengeschäft machte er einen beliebten Gourmet-Treff. 1970 eröffneten die beiden Brüder die Käfer-Schänke in der Prinzregentenstraße. Den Grundstein für seinen legendären Party-Service legte Käfer 1959. Mit feierlichen Inszenierungen, aufwendigen Dekorationen und kreativen Speisen traf Gerd Käfer den Nerv der Zeit des Wirtschaftswunders. 1963 übernimmt er die Gastronomie im Bayerischen Nationaltheater, Cuvilliés-Theater, Herkulessaal der Residenz sowie im Prinzregenten- und Gärtnerplatztheater. Jeder wollte ein Fest von Käfer. Königin Elisabeth, Michail Gorbatschow, John F. Kennedy oder George Bush – er brachte alle an den Tisch.

1971 startete Käfer mit einer Almhütte mit 100 Sitzplätzen als Wiesn-Wirt. Heute beherbergt die Käfer-Schänke 3300 Gäste. Mitte der 80er-Jahre übergibt er das legendäre P1 an seinen ältesten Sohn Michael, das er zuvor für 400 000 D-Mark gekauft hatte. 1988 überträgt er auch das Unternehmen Feinkost Käfer an seinen Filius, es kommt zum Bruch der beiden (S. 2).

Zur Ruhe setzte sich der Party-Pionier aber nicht. Anfang der 90er-Jahre wird er Mitgesellschafter der Gastronomie im Kurhaus Wiesbaden. Mit dem Event-Turm erfüllt er sich 2008 in Kitzbühel einen Lebens-traum. Im Oktober 2009 stellte er im P1 sogar seine eigene Modekollektion vor.

Gegenüber der tz erinnern sich Kollegen und Freunde an den großen Gerd.

J. Heininger, A. Thieme 

Er war ein Visionär

Er war ein ganz toller Mann. Ein Pionier im Catering und ein Vorbild in jeder Form. Immer qualitätsbewusst. Er hat gelebt für die Gastlichkeit und Esskultur. Ich habe ihn 1989 auf der Wiesn kennengelernt. Für mich war er der Papst unter den Gastronomen. Wir haben gleich sehr gut gekonnt miteinander. Er war immer gut drauf, pfiffig, witzig und nie langweilig. Vor vier Wochen habe ich ihn zum letzten Mal gesehen. Er hat ein Fest für behinderte Sportler gegeben, ich habe das gesponsert – das war für mich selbstverständlich. Als Mensch war er ein Visionär und besonders amüsant. Es ist wirklich schad‘ um ihn.

Toni Roiderer, Wiesnswirteprecher und Wirt im Hackerzelt

Gerd war zauberhaft

Es ist ein ganz großes Stück München, das jetzt verloren geht.Für ihn war es ein wunderbares Glück, zu sehen, dass sein Sohn Michael jetzt alles in seinem Sinn übernimmt. Vor vier Wochen hat Gerd noch ein Catering gemacht. Da sagte er schon, dass es ihm nicht gut geht. Bis zum Schluss hat er seinen Job geliebt. Ich habe ihn seit den 1960er- Jahren gekannt. Ich erinnere mich noch, wie er einmal auf dem Land ein Essen gezaubert hat – aus dem Nichts. Er war unglaublich kreativ und hat das Kulinarische mit der Kultur verbunden. Zu besonderen Anlässen hat er mir zauberhafte, handgeschriebene Briefe geschrieben. Das hat mich berührt.

Caroline Reiber, TV-Moderatorin

45 Jahre Freundschaft

Es ist unvorstellbar, dass er nicht mehr da ist. Die Nachricht von seinem Tod hat mich schwer erschüttert. Ich kannte keinen anderen Menschen, der mehr Einfallsreichtum versprühte. Er war ein Freund der Gesellschaft, der seine Gäste so bedient hat, wie man es nur mit seinen besten Freunden machen würde. Vor zehn Tagen habe ich ihn bei einer Veranstaltung getroffen. Ich habe ihn auf seine Krankheit angesprochen, aber die ließ er gar nicht richtig an sich ran – ein Kämpfertyp! Uns hat 45 Jahre lang eine Freundschaft verbunden. Zu seiner Beisetzung kann ich leider nicht kommen. Ich werde mich aber auf meine eigene Art von ihm verabschieden.

Günter Steinberg, Wirt im Hofbräuzelt

Er war ein Mentor

Als Präsident der Filser-Buam habe ich eine besondere Verbundenheit zu unserem Ehren-Filser. Ich bin sehr traurig. Vor zwei Monaten habe ich ihn das letzte Mal gesehen. Leider hat man ihm schon angemerkt, dass er nicht mehr gut beieinander war. Für mich war Gerd Käfer der Party-König. Mit viel Fleiß und Talent hat er sich einen Namen gemacht. München verliert einen der besten und herzlichsten Gastgeber. Er war für mich ein Mentor. Gerd Käfer hatte immer gute Ratschläge, scheute sich aber nicht, Kritik zu üben. Seine Ehrlichkeit habe ich geschätzt. Ich werde meinen Urlaub abbrechen und ihm auf seinem letzten Gang die Ehre erweisen.

Christian Schottenhamel, Wirt im Schottenhamelzelt

Er brannte für seinen Beruf

Ich wusste, dass er schwerstkrank ist. Trotzdem ist es eine sehr traurige Nachricht, denn wir waren gut befreundet. Er war immer gerne Gast bei uns. Heuer hatte er auch wieder zugesagt. Schade, dass es nicht mehr dazu kommt. Gerd war ein wunderbarer Mensch. Ich habe ihn ewige Zeiten gekannt, schon als junges Mädchen war ich bei ihm eingeladen. Er hat seine Gäste immer sehr umsorgt und einfach gebrannt für seinen Beruf. Er war immer unglaublich tapfer, selbst in seiner Krankheit. Sein Leben war immer bis zum Rand gefüllt, aber er hat es so gemocht. Es war einfach seine Leidenschaft.

Dr. Antje-Katrin Kühnemann, Ärztin und TV-Moderatorin

Hervorragender Fachmann

Er war der größte Fachmann, den ich gekannt habe. Sein Fachwissen hat mich immer begeistert. Alle Wirte haben den Gerd sehr geschätzt. Mich persönlich hat er immer unterstützt und mir oft geholfen. Er war einfach ein hervorragender Kollege. Schade, dass es ihn nicht mehr gibt. 40 Jahre lang habe ich ihn gekannt. Ein toller Mensch. So wie er war, hat man ihn gemocht. Auch privat waren wir oft in Kitzbühel beisammen, da hat der Gerd gerne gekocht. Aber auch sonst hat er mir immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden, ich kann nur in den höchsten Tönen über ihn sprechen. Ich bin bestürzt, dass jetzt alles doch so schnell ging. Mein Beileid!

Peter Pongratz, Wirt vom Winzerer Fähndl und am Nockherberg

Habe ihn bewundert

Seit 1962 kenne ich Gerd Käfer nun schon. Für seine Verdienste habe ich ihn bewundert. Er war ein stets fairer Geschäftspartner, großer Künstler und jemand, der immer die besten Ideen hatte. Mit seiner gastronomischen Strategie hat er den Leuten sehr viel Freude bereitet. Gerd Käfer hat die Party-Geschichte in Deutschland geprägt. In meinen Augen war er ein Pionier. Ich konnte von ihm nur lernen. Von seinem Tod habe ich durch mehrere E-Mails von Freunden und Bekannten erfahren. Dass er sogar seine Beerdigung bis ins kleinste Detail vorbereitet hat, entspricht seinem Wesen. Alles in seinem Leben hat er akribisch geplant und nichts dem Zufall überlassen.

Löwenbräu-Wirt Wiggerl Hagn

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Rubriklistenbild: © Heinz Gebhardt

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