So stilvoll war die Beerdigung

Gerd Käfer († 82): Das letzte Servus am Grab

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Die Filser Buam führten den Trauerzug zum Familiengrab an.
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Michael Käfer mit Ehefrau Clarissa.
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Sebastian Kuffler, Alexandra Schörghuber, Ernst Freiberger, Mathias Reinbold (verdeckt) und Robert Hübner
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Das Familiengrab.
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Schlagersänger ­Patrizius und Ehefrau Renate tragen sich ins Kondolenzbuch ein.
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Die Wirtskollegen Petra und Edi Reinbold.
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Original Richard Süßmeier.
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Thomas Käfer (li.) mit seinem Vater Helmut Käfer – der Bruder von Gerd.

München - Stilvoller hätte die letzte Szene für Gerd Käfer († 82) gar nicht sein können: Am Mittwochnachmittag ist der Gourmet-König beerdigt worden.

"So a schöne Leich!“ Die Schaulustigen am Ostfriedhof sprechen an diesem Mittwochnachmittag auf Bairisch aus, was die rund 300 Trauergäste empfinden: Stilvoller hätte die letzte Szene für Gerd Käfer († 82) gar nicht sein können – an diesem warmen Junitag. Als um zwanzig vor vier das Totenglöckchen läutet, führen die Filser den Trauerzug durch die Buchenallee an, deren frischgrünes Laub im Wind raschelt. Der letzte Weg von der Aussegnunghalle zum Familiengrab ist nicht lang; die letzte Ruhestätte liegt quasi an der „Maximilianstraße“ des Ostfriedhofs, wie es sich der Bayerische Tafeldecker von der Prinzregentenstraße ausgesucht hatte. Standesgemäß. Ein Münchner Charakterkopf, in dessen Dimensionen es sowieso kaum mehr welche gibt. Wirte-Napoleon Richard Süßmeier murmelte sogar: „So oan gibt’s in Hundert Joar nimmer, und selbst dann no net!“

Meint so ungefähr auch Alt-OB ­Christian Ude, nur ein bisserl ausgefeilter. Bei der Aussegnung verlas SPD-Politiker Hermann Memmel seinen Brief aus Mykonos: „Du bist so sehr zu einer Marke in München geworden, dass viele an Käfer denken, wenn von München die Rede ist, und an München, wenn Dein Name fällt.“

Hermann Memmel fügte selbst noch an: „Die Zeit ohne ihn wird ärmer und leerer sein. Wenn Gerd ein Ziel verfolgte, dann war er von ungeduldiger Leidenschaft und Hartnäckigkeit, da kam er dem von Thoma beschriebenen Bayer sehr nahe.“ Memmel erinnerte aber auch an das soziale Engagement Käfers, dass er nicht nur die Erfolgreichen bewirtete, sondern auch die Bedürftigen, die er zum Beispiel in die Staatsoper einlud. Ja, er hatte ein großes Herz.

Und so verabschiedete auch der Chor der Bayerischen Staatsoper unter der Leitung von Sören Eckhoff den Gourmet-König – mit großer und erhabener Musik: mit Kirchenwerken von Mozart und dem Va pensiero, das der Gefangenenchor in Verdis Nabucco singt: Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen ...

Vergangenheit loszulassen, einen neuen Weg anzufangen – dazu verpflichte so ein Tag, predigte denn auch Gerds Freund und Pfarrer Richard Weyrich aus Bad Gastein, bevor sich jeder mit einer orangefarbenen Rose am offenen Grab von Gerd verabschieden konnte. Allen voran Witwe Uschi Ackermann und sein Sohn Michael, die alles noch gar nicht richtig begreifen können. Überraschend kam der Tod seines Onkels für Neffe ­Thomas Käfer. „Wir hatten einen lockeren Kontakt. Aber jetzt bin ich froh, dass wir uns im Februar noch zufällig in Kitzbühel begegnet sind und zusammen einen wunderbaren Tag verbracht haben.“

Jeder hatte so seine Gedanken und seine Erinnerungen. Paulaner-Wirt Putzi Holenia zum Beispiel bedankte sich dafür, dass sein Freund immer loyal war, dass er ihm damals in der Emmeransmühle mit Rat und Tat zur Seite stand: „Dafür sag ich Danke!“

Das Familiengrab war, wie schon bei der Trauerfeier am Vortag in der Allerheiligen-Hofkirche, über und über mit Gerd Käfers Lieblingsrosen geschmückt. Dazu Kränze in allen Farben. Ein Farbdurcheinander war dem Gerd zwar lebenslang zuwider, aber darüber wird er dann schon großzügig hinweggeschaut haben – bei seiner letzten Feier, wo ihm sonst alle seine zuvor geäußerten Wünsche erfüllt wurden, wie der Auftritt des Gospelchors, der den Trauergästen ein bisschen zur Lebensfreude zurückgeholfen hat. Roberta Kelly forderte sogar zum Mitklatschen auf – „der Gerd wird nix dagegen haben“ –, doch das hat sich kaum jemand getraut – so viel Feststimmung am offenen Grab, obwohl Gerd an seine Auferstehung geglaubt hat. In seinen letzten Worten, die er auf Band gesprochen hatte, aber dann nicht mehr abgespielt haben wollte, sagte er: „Ein Käfer geht nicht so schnell. Ich lege mich nur einen Moment zur Ruhe. Ich komme wieder.“

Darauf würden alle hoffen!

Wie Schlagersänger ­Patrizius, dessen Hit Aber dich gibt’s nur einmal für mich (1965) ihn immer noch ernährt. Seine Frau Renate (geborene van Hees) ist mit Gerd Käfer im Haus Schumannstraße 1 aufgewachsen. „Wir haben uns nie aus den Augen verloren.“

Die Filser-Buam erwiesen Gerd Käfer mit einer Abordnung von zehn Mitgliedern die letzte Ehre. Er war der Einzige, der Filser-Bub und Ehrenfilser zugleich war, erzählte Präsident Christian Schotten­hamel, der Gerds Ehrlichkeit besonders schätzte. Für Juni hatte Gerd Käfer die Filser nach Kitzbühel eingeladen, wo er alle 49 bekochen wollte. „Leider ist es dazu nicht mehr gekommen.“

Weitere Gäste: Wein-Guru Hans-­Peter Frericks, Douglas-Vorstand Franz Hellwig und Gattin Helena, Unternehmer Peter Schmuck, TV-Produzent Ernst von Theumer mit Gattin Daniela, Bayerischer-Hof-Chefin Innegrit Volkhardt, Dr. Veit Rattenhuber. die Wiesn-Wirte ­Roland und Doris Kuffler, die Sopranistin Anna Maria Kaufmann, Schauspielerin Uschi Glas mit Dieter Hermann, Prof. Dr. Rainer Weissenbacher sowie Juwelier Maximilian Heiden.

Der engste Familien- und Freundeskreis tafelte anschließend noch in den Käferstuben: Hummer, angebratenes Tatar mit Kartoffelschnee und Kaviar und Sylter Rote Grütze.

Linda von Beck & Ulrike Schmidt

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