Frieden in der Stunde des Todes

Gerd Käfer: Aussprache mit Sohn am Sterbebett

München - Gerd Käfer ist im Alter von 82 einem schweren Krebsleiden erlegen. Am Sterbebett gab es eine Aussprache mit seinem Sohn Michael.

Nein, er ist nicht gern gegangen. Samstagfrüh um vier Uhr, wenn jede Party zu Ende geht und der neue Tag andämmert, der wieder jede Menge Freude hätte bringen können: Lachen und Lieben, Gaumen- und Sinnesfreuden, eben alles, was das Leben hergeben konnte. Gerd Käfer hat kaum je einen Genuss ausgelassen. Aber Samstagfrüh um Vier war seine Party des Lebens endgültig vorbei. Es war nichts mehr auszurichten gegen den Leberkrebs. Gerd Käfer musste sich fügen. Er wurde 82 Jahre alt.

26 Jahre ein Paar: Gerd Käfer und Uschi Ackermann.

Tagelang hatte der Gourmet-König schon keinen Bissen mehr runtergebracht, obwohl ihm sein Freund und Geschäftspartner Roland Kuffler jeden Tag das Beste an Tafelfreuden in die Bogenhausener Wohnung schicken ließ. Der Krebs war daran, den berühmtesten Tafeldecker der Nation und den Erfinder des Party-Caterings zu besiegen. Gerd Käfer kämpfte bis zum Schluss – ganz wach und mit seiner Frau Uschi Ackermann und seinem Sohn Michael an der Seite. Vier Wochen lang saßen sie an seinem Sterbebett und gaben ihm bis zum letzten Atemzug alle Wärme, nach der sich Gerd Käfer am Schluss so sehnte. Umschlungen und mit Küssen, Hand in Hand und Uschis Flehen hörend: „Gerd, komm, lass los!“

Michael Käfer.

Dass sein Sohn Michael (57) bis zum letzten Atemzug an seiner Seite war, hat Gerd Käfer am Ende noch einmal glücklich gemacht. Sie haben sich ausgesprochen. Alles, was über all die Jahrzehnte zwischen ihnen lag, ausgeräumt. Vater und Sohn haben sich noch einmal neu gefunden und wieder miteinander gelacht! „Wir waren uns nie so nah wie die letzten vier Wochen“, sagte Michael Käfer kurz nach dem Tod des Vaters der tz-Kolumnistin.

Da war die Scheidung von Michaels Mutter Hilde, die ihm als Kind zugesetzt hatte. Mit Inge kam dann eine neue Frau an Papas Seite, der ohnehin schon kaum Zeit hatte. Und da war ab 1988 die Geschäftsübernahme: Michael Käfer musste es anders machen als der Vater, schon aus wirtschaftlichen Gründen. Darüber gerieten die beiden in Streit. Aber all das ist jetzt ausgesprochen und für immer erledigt. „Das macht mich sehr froh“, sagt Michael Käfer. So hat er das Sterben seines Vaters mit der Versöhnung auch als etwas Schönes erlebt – und dass der Tod „etwas Großes“ ist.

In Sachen Fleiß, Disziplin und Leidenschaft für Perfektion lebt Gerd Käfer in seinem Sohn weiter. Und auch im hastigen Reden – die Käfers denken nämlich noch schneller als sie sprechen.

Gerd Käfer hat jetzt seine Ruhe gefunden. „Am Ende war es eine Erlösung“, sagt Witwe Uschi Ackermann, die in der Pflege von einem Palliativteam unterstützt wurde. Vor zehn Jahren hatten die beiden auf Sylt noch heimlich geheiratet. Kaum jemand wusste davon, 26 Jahre waren sie ein glückliches Paar. Gerd Käfer empfand seine Uschi immer als Lottogewinn – mit der ganzen Kraft, die sie so hat, auch jetzt. Und mit all der Lebensfreude, die beide einte – und großer, großer Dankbarkeit für dieses Leben. Gerd Käfer wollte darum am Ende keine Tränen – deshalb weint Uschi nicht.

Ihrer beider Glück währte am längsten in Gerd Käfers Leben – viermal war er verheiratet. Er hat auch einen unehelichen Sohn, Christian Käfer (Jahrgang 1980), er ist Marketingdirektor bei der Kosmetikfirma Artdeco. Ihn brachte Uschi Ackermann mit seinem Vater wieder zusammen. Bis zum Alter von 14 Jahren gab es kaum Kontakt zu seinem Vater.

Frieden gestiftet hat Uschi Ackermann auch im Verhältnis von Gerd Käfer und seinem Bruder Helmut (79), die nach vielen Jahren Zerwürfnis schon vor über 15 Jahren Versöhnung gefeiert haben. Auch Helmut Käfer kam ans Sterbebett, um sich zu verabschieden.

Dass es in Gerd Käfers Leben immer wieder Zwietracht gab, liegt an seinem Perfektionismus, in seiner ungebremsten Kreativität und auch daran, dass er kaum einer Versuchung widerstehen konnte. Der Tafeldecker der Nation, der Partymacher des Jahrhunderts, liebte das Schöne, den Witz und immer das Beste, was Gott auf Erden erschaffen hat. In jeder Beziehung, in jeder Weise, an den schönsten Plätzen. Kitzbühel, Sylt, Wiesbaden und München hat er sich als Standorte auserkoren. In Kitzbühel war er bis zuletzt ein gefragter Gastgeber, wie es ihn wohl nie mehr geben wird.

Käfer dachte stets an alles – an die vollendete Überraschung. Vielleicht, weil er den Zirkus von Kindheit an im Herzen trug. Zirkus und Weihnachten – das waren seine Traumwelten, die nicht zuletzt auch immer Impuls für seine Arbeit waren: als Artistik auf Tellern und bis heute unerreicht in der fantasievollen Umsetzung und Planung.

Akribisch geplant hat er auch sein Vermächtnis. Möglichst gerecht soll es verteilt und keiner vergessen werden. Es ist alles aufgeschrieben. Lebensgefährtin Uschi Ackermann soll in der Bogenhausener Wohnung bleiben – und das Herzensdomizil Sylt weiterpflegen. Das Anwesen Kitzbühel als Event-Location soll verkauft werden. Es kann keiner so erhalten, wie es Gerd Käfer tat. Er hat es verfügt. Nichts soll dem Zufall überlassen sein – das war Gerd Käfers Maxime: bei jeder Party und im ganzen Leben.

Ja, dieser Partygott hätte dem Tod gern noch mehr Leben abgerungen, aber der Boandlkramer war weder mit Kerschgeist noch Schampus oder einem noch so kunstvoll arrangierten Teller zu überlisten. Bleibt zu hoffen, dass sich die Engeln im Himmel recht emsig zeigen. Denn eines konnte Gerd Käfer am wenigsten leiden: wenn die Service-Engel auf Erden nicht zuvorkommend genug umherflogen. Das machte ihn sogar bei seiner letzten großen Party vor vier Wochen noch richtig fuchtig, als das Schmuck- und Modelabel Aigner 50. Jubiläum feierte. Gerd, der vollendete Gastgeber! Danke für diese unvergessenen und perfekten Partynächte!

Ulrike Schmidt

Die Möpse haben geweint

Es waren in den letzten Wochen nicht nur Menschen an Gerd Käfers Seite, auch die Möpse Sir Henry und Julchen, die ihr Herrchen liebkost und auch noch oft zum Lachen gebracht haben. Am liebsten haben sie alle zusammen Karten gespielt, wobei vor allem die leckeren Snacks wichtig waren. Die Hunde waren auch bei Gerd Käfers letzten Atemzug dabei. Uschi Ackermann: „Sie haben geweint und sich verabschiedet, als er aus der Wohnung gebracht wurde. Sie hätten sonst ewig getrauert.“

Auch auf Sir Henrys Facebook-Seite verabschieden sich die Möpse: „Heute haben wir unser geliebtes Herrchen verloren. Julchen und ich können es noch nicht wirklich begreifen. Er hatte uns immer heimlich Leckerchen gegeben, und Frauchen hatte sich immer gewundert, wenn wir mehr gewogen hatten. Aber das war immer unser großes Geheimnis. Herrchen sagte immer: ,Mit dem Leben ist es wie in einem Theaterstück: Es kommt nicht darauf an, wie lange es dauert, sondern wie bunt es ist.‘ Wir werden Dich so sehr vermissen ...“

Rubriklistenbild: © Bodmer

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