Da Polt Gerhard im Interview

„Bairisch is Musi fia d Ohrwaschl!“

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Da Polt Gerhard im tz-Interview.

Bei da tz is Dog da Muttersprache: Do schaugd da Polt Gerhard in da d -Redaktion.

München - Er is da absolute Ur-Bayer: Da Polt Gerhard (77). Wer waarad geeigneter, heid unsa große Bairisch-Ausgab zum Dog da Muttersprache z präsentian? Koa Kabarettist is beliebta – und kaam oana is a so a pfundiga Sprachbeobachta und Chronist wia da Mo vom Schliersää. Und da Polt is ­ollawei neigierig: Bei seim Bsuach in unsra ­Redaktion woidd er oiss ganz genau sehng und erklärt ham, sogor unsan Mini-Zen-Garddn am ­Empfangstresn. Aa aufs Dooch vo unsam Pressehaus is er auffe­gstieng, weil er vo do aus de Berg oschaung woidd. Und er hod vui zum Vazäin ghabt – iwan Dialekt, den boarischn Charme und iwa d Hoamad.

Herr Polt, wos macht denn unsa bairische Sprache aus? Wos is so bsondas dro?

Da Polt Gerhard: I bin jetzt koa Sprachforscher, aber da gibts ganz schee vui. Ois ersts glaab i, sie is harmonisch und klingt angenehm fia d Ohrn. Sonor, da is nix Hochs und Schrills dabei.

So wia oft bei de Nord­deitschn?

Polt: Genau, wennsd im Bäckerloon stähst und es sogt oana beim Geh a lauds „Tschüüüüs“ – dann fahrt uns des langzogne „Ü“ doch durch Mark und Boa. Des meng mir Bayern gor ned. Mia verschlucka da lieba vui, damit unsa Sprach gmiatlich bleibt. Oda mia song glei gor nix Harts: I sog immer lieber „Minga“ als „München“.

Und so guit: Ma is glei durch den spezielln Ton dahoam?

Polt: Fia mi scho. Samma doch ehrlich: Mia Bayern hean ja unsa Sprach säiwa gern. Des hod nadiali zum oana mit ana Gruppenzugerhörigkeit zum doa, aba aa dodamid, dass mir in ara Art Chor sitzn – wo a jeda auf sein Einsatz wart.

A jeda gibt gern sein sprachlichn Senf dazua…

Polt: Stimmt, zum Beispui am Stammtisch. Da hod a jeda Bayer sei eigene Stimm, aba irgendwie hert se des ois ähnlich oo. Und des is so wichtig. Do kummt ja aa des Wort „Person“ her. Per sonare – aiso durch oan durch. Mir san olle quasi a Klangkörper.

Wo aber trotzdem as Individuelle a große Roin spuit…

Polt: Genau so is. Des is ja aa sowos Wunderbares am Bairischen. Des Erfinderische, der Wettkampf um de Wörta, dens oft gibt.

Hoaßt genau?

„‘Hundling‘: Des is aa so a Wort, des mir gfoid

Polt: Naja, im Bairischen konnst jemanden schlimm beleidigen und trotzdem a gewisse Höflichkeit beibhoitn. Mitm „Breznsoiza“ zum Beispui. Dadamit is gmoant, dass jemand a Volldepp is, und trotzdem klingts nett. Oder Doudschmatzer.

Ja, a wunderbara Titl fia jemand, der wahnnsinnig lästig is und olle nervt…

Polt: „Hundling“: Des is aa so a Wort, des mir gfoid. Da steckt sogar a wengerl Respekt fia de Person drin, obwohl der so Bezeichnete vielleicht sogor was ­Illegals aufm Kerbhoiz hod. Hund is dann übrigens de Steigerung.

Ma konn sogor vulgär beleidign – ohne ordinär zum wern. „Brunzkache“ foid ma da von Eahna ei. Oiso a Bezeichnung fiara oide, ungepflegte Frau – amoi fräindlich iwasetzt… I hob oiwei ­gmoand, Sie ham des Wort erfundn…

Polt: Naa, naa. Den Ausdruckhob i damois ois Kind auf da Strass aufgeschnappt – in unsera Blosn. Und mia gmerkt.

Sie san do in ara Bande gwesn?

Polt: Zu meina Zeit hod a jeder zu irgendoana Blosn ghert. Des war kurz nachm Kriag. Da ham uns mia Buam richtige Schlachtn untrananda gliefert. Da is aa amoi bassiert, dass da oane dem andern mit da Stoaschleida a Aug ausgschossn hod. Doda­geng san de heitign Kinda recht brav – de schaugn bloß staad auf eana Handy.

Des war domois oiso praktisch a Elite-Schui fia Beleidigunga…

Polt: Ja, so is gwesn. Do is vui hängabliem bei mir. I siehg mi ja ois Chronist, oiso ois Beobachta. I konn und wui ja bloß des vazäjn, wos i aa kenn. Von dera Zeit stammt aa das Wort „Brunzkache“ – und vui mehra. Aber do war ned oiss bloß vulgär. Die bairische Sprach is eigentli im Großn und Ganzn recht charmant. Letzting im Zug is ma des wieda aufgfoin.

„Der Imperativ des is nix fia uns Bayern“

Wos is denn do bassiad?

Polt: Oiso, du konnst den Mitfahrer im Abteil gengiwa von dir direkt frogn: ‚Wo fahren Sie denn hin?‘ Do host aba a große Schanss, dass der einfach sogt, des geht di an Scheiß oo.“ A Bayer macht des vui subtiler. Er frogt: ‚Und? Fahr ma furt?‘ Aa boor Minudn späda woaß er, wo da Fremde hifahrn wui. Das Befehlende, der Imperativ des is nix fia uns Bayern. Er wui redn, er wui se u vorbei und sinniad iwan Charme vo unsam Dialekt unddahoiddn, palavern. So mog i des.

Ja, er frogd liawa immer…

Polt: Genau. Du gähst ned zum Metzga und sogst: ‚Ein Pfund Hirnwurscht‘, sondern du frogst fast bittend: ‚Habts ihr vielleicht noch ein Pfund Hirnwurscht fiami?‘ Dann kummt ois Antwort „ja freilich“. Des Gengüba hod de Gelegenheit zum Reagiern. Wunderbar find i des. Drum mog i aa den bairischen Konjunktiv, den mir oft hernehma: „Griagat i no aa Bier?“ – so bstejn mir. Oder: ‚Habts ihr no aa Semme fia mi‘?. Do samma jetzt wieda bei dem Buidl vom Musik-Chor. Bei dem harmonischen Zsammaspui.

Im Bairisch is Musik drin, kannd ma song…

Polt: So iss – a Wechselbeziehung. Do gibts an gewissn Rhythmus, den du ois a Kind scho schbierst und schbuist. Ohne unsere Dialekte gaabats aa unsa wunderbare Voiksmusik ned. Do steckt der Takt vo unsra Sprach drin. Aa des Gmiatliche. De Italiener ham des aa. De ham ja aa a recht a musikalische Sprach – wobei dene eahna Voiksmusik desweng natürli theatralischer, und schneller is ois de unsere. Und i find zum Beispui, dass ma aa beim Mozart immer sein österreichischen Schmäh raushead – und des Wuide.

Wobei der Bayer im Gengsatz ja liawa äha weniger redt ois wia zvui…

Polt: Ned olle, aba de Meistn. Charme und Gmiatlichkeit schliassn se ja gegenseitig ned aus. Mia mengs ned, wenn oana monologisiert, oiso dauernd redt – und des ohne Punkt und Komma. Es konn durchaus vorkumma, dass oana äha 20 Minudn lang ganz staad am Tisch sitzt, bloß aufmerksam zuahead – um dann plötzlich mit am Satz, mit ana Beschreibung verbal perfekt zuazschlong.

Hmmm, interessant, dass Sie dees jetzt song…

Polt: Warum?

Weil i mim Hildebrandt Dieter vor umara 15 Johr amoi a Interview gfiad hob – und na howin gfrogd, wäichan Kollegn er mit auf ara einsame Insel nemma daad…

Polt: Und?

Er hod gsogd: „Gerhard Polt. Weil ich dann die ganze Zeit quatschen könnte, er würde nur aufmerksam zuhören – und dann auf einmal einen genialen Satz rausschiessen.“ Er hod Ihra Art meng, dees Urbayerische…

Polt: I hob den Dieter recht gschätzt. Er war wunderbar. Aba i hob ned gwusst, dass er des amoi gesagt hod. Des gfreit mi nadiali…

In Ihre Filme hamm Sie aa ollawei großn Wert aufn Dialekt glegt – as Bairische unverfälscht wiedazgem…

Polt: Ja, da gähts hoid um des Gfui, des Lokale detailliert zu beschreim. Des hod mit Authentizität zum doa. Mit mir. I muass mi ja mit da Örtlichkeit auskenna. I vasteh zum Beispui ned, dass mittlerweile so vui deitsche Krimis in Venedig oder in Skandinavien spuin. Des is unecht, find i.

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„S Theater – des is mei Wejt“

Apropos Ort und Auskenna: Sie woiddn ois Bua ja einglich Bootsvaleiha am Schliersee wern, haams ma amoi erzäid…

Polt: Richtig, weil des aa wos mit dera Gmiatlichkeit zum doa hod, dee uns aa sprachlich auszeichnet. Do sitzt du rum, liest dei Zeidung, wartst auf Kundn – und wenn wirklich oana kummt, sogst du nett aber bestimmt, dass du erst in oana Stund ofangst. A herrliche Vorstellung.

Wern Sie einglich no amoi an Film draahn? Zum Beispiel oan iwa an Bootsverleiher am scheena Schliersee?

Polt: Naa, i fui mi auf da ­Bühne wohl. Da stäht eben sehr de Sprach im Vordergrund. S Theater – des is mei Wejt. An Fuim oder wos fias Fernsehn, des mach i sicha nimma. Des is aus und vorbei.

Des is awa schood!

Polt: Mia san uns ja oft einig – aber des sieg i jetzad ganz andas.

Soima Middogspause macha?

Polt: Gern. Gehma wos essen. I hob an Hunga.

Und wos sois sei?

Polt: Weißwürst waarn doch bärig. Bassadn zum Thema und zum Dog.

Perfekt. Back mas…

Interview: Da Geier Armin 

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