Bayerischer Humorist hat am liebsten seine Ruhe

„I mog ned“: Interview-Versuche mit Gerhard Polt, der 75 wird

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Gerhard Polt zu Hause am Schliersee in seiner Küche. An diesem Sonntag wird er 75.

Gerhard Polt feiert an diesem Sonntag seinen 75. Geburtstag. Zwei unserer Redakteure wollten mit dem Humoristen jeweils ein Interview führen. Was dabei herausgekommen ist, lesen Sie hier.

München - Gerhard Polt mog ned. Am liebsten hat der größte bayerische Humorist ohnehin seine Ruhe, und wenn’s um seinen 75. Geburtstag am Sonntag geht, dann sowieso. Was man zumindest einem der beiden Interviews auf dieser Seite auch ansieht. Die TV-Serie „Fast wia im richtigen Leben“ und der Kinofilm „Kehraus“ sind, pardon, bayerische Leitkultur. Aber am stärksten ist seine Kunst auf der Bühne. Die feinste Naturgewalt, seit es Männer auf den Brettern gibt. Jede Nuance sitzt und kommt doch so daher, als ob’s nicht anders sein könnte. Zum 75. – hilft ja nix – feiern wir ihn. Ob er mog oder ned.

Interview, 1. Versuch!

Grüß Gott, Herr Polt, hier spricht Matthias Bieber von der tz.

Gerhard Polt: (kleine Pause): Grüß Gott.

Herr Polt, darf ich Sie denn zu Ihrem bevorstehenden Geburtstag interviewen?

Polt: Naa, bittschön ned, i hob auch grad überhaupt keine Zeit.

Zehn Minuten?

Polt: Naa, und mein Geburtstag ist mir so was von wurscht. Mia können gern über alles Mögliche reden, aber ned über meinen Geburtstag.

Der Geburtstag wäre ja auch nur ein Anlass, wir können gerne über alles Mögliche reden.

Polt: Ja, scho, aber zurzeit is schlecht. I komm grad mit den Wellbrüdern aus Brüssel zurück, jetzt kimmt das Radio, und dann kimmt scho bald der nächste Auftritt. Des wird mia alles zvui. Sans ma ned bäs.

Schade. Bleibt’s bei der „Drei minus“, die Sie sich auf Ihrem Grabstein wünschen – das haben Sie am 70. gesagt?

Polt: Ich habe eigentlich genau gesagt: lieber Vier plus als Drei minus. Weil eine Vier plus etwas Positiveres hat, einen Aufwärtstrend.

Herr Polt, dann wünschen wir Ihnen trotzdem eine schöne Feier…

Polt: Mei, einen Kaffee wird’s scho geben.

Kabarettist Gerhard Polt wird 75 – und beschenkt sich selbst

Interview, 2. Versuch!

Servus, Herr Polt. Armin Geier hier.

Gerhard Polt: Grüß Gott, Herr Geier.

Sie mögen Ihren Geburtstag ned, oder?

Polt: Ach, so kann ma des ned sagen. Ich feier nur eigentlich seit 75 Jahren jeden Tag Geburtstag. Außerdem ist in vielen Gegenden Bayerns der Namenstag eh viel wichtiger (lacht und hustet dann heftig).

Oh je, des klingt nach an Fetzen-Katarrh…

Polt: Ja, ich lieg krank im Bett. Eine Bronchitis. Aber bis Sonntag werd ich schon wieder fit, hoff i.

Guad, dann geb ich Gas. Was wünscht man sich zum 75. Geburtstag als Polt – außer sei Ruah?

Polt: Du hast es gesagt. Nix. Nur Ruah. Was ja nicht mit Stillstand gleichzusetzen ist. Ruah kann auch sehr spannend sein. Griabigkeit ist da auch so ein Wort, das ich sehr mag. Ruhe und Griabigkeit kannst du auch mit Familie und Freunden haben.

Ein Freund der Pause. Ist die Pause der Sinn des Lebens?

Polt: Haha (lacht). Ich weiß ned, aber es klingt ned dumm. Die Pause spielt im Leben ja ein große Rolle. Auch in der Musik oder in der Sprache. Sie sorgt auch oft für Dramatik.

Als ich ein Schulkind war, war die Schulpause immer meine liebste Zeit am Tag. Weil da alle Spezln beieinander waren. 20 Minuten Leichtigkeit.

Polt: Stimmt. Da bist du frei. Wie in den Ferien auch. Und anders wie im Urlaub. Der hat was Juristisches – da musst du dich erholen, damit du wieder werkeln kannst. Druck!

Also machen Sie zum Geburtstag Pause?

Polt: Kann man somit so sagen.

Was ist an Gerhard Polt mit 75 anders als mit 35 Jahren?

Polt: Oh – da muss man andere fragen. Meine Frau, Freunde. Ich beschreib mi ned gern selber. Aber natürlich habe ich mich verändert. Stillstand wär auch da schrecklich. Ich muss da immer an den Salvador Dalí denken…

Warum an den?

Polt: Weil sich der doch als alter Mann einfrieren lassen wollt, damit er dann irgendwann in der fernen Zukunft weiterleben kann. Ein grauenhafter Gedanke. Stell dir vor, da kraxlt der Greis aus dem Kisterl – alles hat sich verändert, weiterentwickelt, nur er ist der Gleiche geblieben. Wer will denn des?

Ist es eigentlich sehr lästig, wenn man der Gerhard Polt ist? Weil dann jeder denkt, Sie müssen auf die dümmsten Fragen immer was Saugscheits sagen?

Polt: Haha (lacht – und muss dann wieder schrecklich husten). Naa, diesen Pointendruck habe ich nie gehabt. Ich bin ja keiner, der prominent ist, sondern nur jemand, der a bisserl bekannt ist. Was ein großer Unterschied ist. Wenn ich hier mit dir rede oder auch mit irgendwem im Wirtshaus, dann rede ich einfach, was mir einfällt und so, wie ich bin.

Was würden Sie noch gerne in Ihrem Leben lernen? Ab Sonntag, mit 75 Jahren?

Polt: Oh, da gibt’s ganz vui! Ich hätte gerne Neapolitanisch gelernt. Eine herrliche Sprache – aber dafür ist es zu spät.

Warum denn?

Polt: Weil ich da noch mindestens 20 Jahre mitten in Neapel leben müsste, und das geht sich von der Zeit einfach nimmer aus. Aber kochen will ich noch lernen.

Sie können doch kochen…

Polt: Schon, aber halt ned so mit allen Finessen. Des ist ja auch a echte Kunst. Aber dafür ist es noch ned zu spät (muss wieder schwer husten). Jetzt kriag i dann keine Luft mehr…

Des will i ned! Hör ma auf. Ich danke fürs Interview und wünsch gute Besserung.

Polt: Gern. Und wenn ich in München bin, treff ma uns auf eine Halbe.

Des mach ma. Servus. Und einen ruhigen Geburtstag.

Polt: Den werd i ham.

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