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Schwer erkrankt und von Behörde gefeuert: Münchnerin kämpft gegen Kündigung

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Von: Andreas Thieme

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Dorthea J. (43) klagte erfolgreich gegen ihre Kündigung
Dorthea J. (43) klagte erfolgreich gegen ihre Kündigung. © SIGI JANTZ

Weil Dorothea J. nach 13 Jahren von ihrem Arbeitgeber gekündigt worden war, zog die MS-kranke Frau in München vor Gericht.

München – Schwer erkrankt und dann gefeuert: Unter dieser Überschrift hatte unsere Redaktion über Dorothea J. (43) berichtet. Die Münchnerin leidet seit 15 Jahren an Multipler Sklerose und kämpft sich durch den Alltag. Doch ihr Arbeitgeber hatte ihr gekündigt. Dabei war Dorothea J. schon seit 2009 beim Bezirk Oberbayern angestellt.

Münchnerin kämpft vor Gericht gegen Kündigung: „Ich bin gesund genug dafür“

Gegen ihre ordentliche, krankheitsbedingte Kündigung hatte Dorothea J. geklagt – mit Erfolg. Laut Arbeitsgericht ist „das Arbeitsverhältnis der Parteien nicht durch die Kündigung vom 03.02.2022 aufgelöst“. Der Streitwert des Falles: insgesamt 13.743 Euro. Seit 7. Januar 2020 war Dorothea J. krankgeschrieben gewesen. Sie sagt: „Ohne Rollator kann ich keine 50 Meter mehr gehen.“

Zu stark ist ihre Beeinträchtigung durch ihre Krankheit, für die J. auch einen Schwerbehindertenausweis hat. Nichtsdestotrotz möchte sie wieder arbeiten und sagt: „Ich bin gesund genug dafür.“ Tätig war sie vor der Krankschreibung zuletzt als Sekretärin und in der Personalabteilung.

Frau erkrankt schwer an Multipler Sklerose – Bezirk Oberbayern kündigt ihr

Der Bezirk Oberbayern sah das anders: Der Fall von Dorothea J. sei „ohne erkennbare Tendenz zur Genesung/Stabilisierung“, zudem bestehe eine „Unmöglichkeit“, J. „einen leidensgerechten Arbeitsplatz anzubieten“. Auch nach Prozess am Arbeitsgericht sieht die Behörde nun „keine Verpflichtung dazu, die Beklagte weiterzubeschäftigen“, sagt Sprecherin Constanze Mauermayer. Nun geht es wohl um eine angemessene Abfindung.

Doch es geht auch um eine angemessenen Umgang. „Ich fühle mich diskriminiert aufgrund meiner Behinderung“, sagt Dorothea J. Dass sie die Kündigung niemals akzeptieren würde, sei „sehr klar“ gewesen. Denn auch ihre Anwältin Tamara Henle sagt: „Das Vorgehen einschließlich der Kündigung des Arbeitgebers“ sei „rechtlich höchst bedenklich und ethisch sehr fragwürdig“.

Dorothea J. hat inzwischen eine Umschulung zur Kauffrau im Gesundheitswesen gemacht und sagt: „In diesem Arbeitsfeld sehe ich auch meine Zukunft.“

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