Eisenmenger will seziert werden

Münchens berühmtester Gerichtsmediziner wird 70!

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Der Seziertisch war sein Arbeitsplatz: Gerichtsmediziner-Legende Wolfgang Eisenmenger.

München - Münchens berühmtester Gerichtsmediziner, Wolfgang Eisenmenger, wird 70! In seinem Testament hat er festlegen lassen, dass er eines Tages selbst auf dem Seziertisch landen möchte.

Das Skalpell vermisst Wolfgang Eisenmenger nicht. Mehr als 20.000 Tote lagen im Laufe seiner Karriere auf seinem Seziertisch im Münchner Institut für Rechtsmedizin. Unter ihnen waren Franz Josef Strauß, der Volksschauspieler Walter Sedlmayr, der Modezar Rudolph Moshammer, das entführte Mädchen Ursula Herrmann und der Nazi Rudolph Heß. „Es hat mich fasziniert. Aber so komisch das klingt: Ich habe festgestellt, dass es mir nicht fehlt“, sagt er nun.

„Wenn man so viele Schicksale und so viel Elend gesehen hat, ist man auch mal froh, wenn man dem nicht mehr ausgesetzt ist.“ Seit 2009 ist der renommierte Gerichtsmediziner im Ruhestand, am Dienstag wird er 70 Jahre alt.

Eisenmenger: Ich möchte nach meinem Tod seziert werden

An Arbeit fehlt es ihm aber nicht. „Ich habe ein eigenes Interesse, nicht einzurosten.“ An der LMU hat er weiter ein Büro. Seit 2010 leitet er die Ethikkommission der medizinischen Fakultät. Regelmäßig sitzt Eisenmenger auch im Gericht und erstattet mündliche Gutachten. Trotz seiner Ruhestands-Aufgaben verbringt Eisenmenger mehr Zeit mit seiner Frau, mit der er zwei erwachsene Töchter hat. Oder er geht seiner Sammler-Leidenschaft nach – alte Bücher.

Ans Aufhören denkt der Mediziner nicht. Aber klar ist schon jetzt: Irgendwann wird er selbst auf dem Edelstahltisch in den weiß gekachelten Kellerräumen der Rechtsmedizin liegen. In seinem Vermächtnis hat er festgelegt, dass er nach seinem Tod seziert werden möchte. „Ich finde, das gehört sich, wenn man jahrelang andere so untersucht, dass man sich diesem letzten Dienst auch stellt.“

tz

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