Landgericht München

Gerichtspsychiater wegen Missbrauch angeklagt

München - Normalerweise begutachtet er Angeklagte, jetzt muss sich ein Gerichtspsychiater selbst wegen sexuellen Missbrauch verantworten. Sein Opfer soll eine Staatsanwältin sein.

"Drogen gegen Sex" - nach dieser Prämisse soll ein psychiatrischer Gerichtsgutachter gehandelt haben. Jetzt muss sich der 59-Jährige vor dem Münchner Landgericht wegen sexuellen Missbrauchs einer Staatsanwältin verantworten.

Die medikamentensüchtige Juristin soll dem Angeklagten Sex dafür geboten haben, dass er ihr ein Präparat mit dem abhängig machenden Medikament Benzodiazepin verschrieben und Blankorezepte überlassen hat.

Laut Anklage bot die Staatsanwältin ihre sexuellen Dienste nur wegen ihres Verlangens nach dem Präparat an. Die Staatsanwältin sei sich Bewusst gewesen,  dass ihr behandelnder Psychiater ihr nach stationärer Behandlung ihrer Sucht das Mittel nicht verschreiben würde. Der Angeklagte soll die Sex-Offerte mit den Worten kommentiert haben, er könne sich die Frau gut als seine „Domina“ vorstellen. Zu Treffen in ihrer Wohnung soll er Utensilien für Sado-Maso-Praktiken mitgebracht haben.

Angeklagter räumt Liebesbeziehung ein

Zum Prozessauftakt räumte der Angeklagte eine Liebesbeziehung zu der 15 Jahre jüngeren Staatsanwältin ein. Das habe aber nichts mit ihrer Medikamentenabhängigkeit zu tun. Bei Ausstellung des ersten Rezepts seien sie schon ein Paar gewesen. Auch habe er nur Neuroleptika - Mittel mit dämpfender Wirkung - verschrieben und nicht Benzodiazepin.

Der Fall kam ins Rollen, als auf dem Schreibtisch der Staatsanwältin zufällig ein gefälschtes Rezept gefunden wurde. Sie bekam eine Geldstrafe und ist beurlaubt, ein Disziplinarverfahren läuft. Der Prozess ist auf zwei Tage angesetzt.

dpa

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