Bernd Gans verlor seine Tochter 2009

Angehöriger: Man will den Lieben noch einmal nahe sein

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Bernd Gans verlor 2009 seine Tochter Ines.

München - Beim Absturz des Air-France-Fluges 447 über dem Atlantik verlor Bernd Gans aus Vaterstetten im Jahr 2009 seine Tochter Ines († 31). Ausgelöst wurde die Katastrophe damals durch vereiste Geschwindigkeitssensoren am Flieger. Die tz sprach mit Bernd Gans.

Update vom 27. März 2015: In ein Flugzeug zu steigen ist im Moment sicherlich für viele Menschen schwer - Fluggäste wie Piloten. Ein Pilot der Germanwings hat deswegen auf einem Flug von Hamburg nach Köln besonders einfühlend gezeigt, wie er auf diese Ängste reagiert. Verfolgen Sie die Entwicklungen in unserem Ticker.

Kommen mit der Nachricht vom Absturz am Dienstag wieder alle Erinnerungen hoch?

Bernd Gans: Ja, dem kann man sich nicht entziehen. Aber je mehr man sich auf das aktuelle Unglück einlässt, desto weniger denkt man an das eigene Erlebnis.

Die Informationspolitik von Germanwings scheint sehr gut zu laufen. Sie sind damals wesentlich schlechter informiert worden.

Gans: Ja, eindeutig. Man merkt jetzt auch im Hinblick auf die Behandlung der Hinterbliebenen am Flughafen, dass es da offensichtlich einen durchtrainierten Plan gegeben hat. Und das ist gut so. Da hat sich Wesentliches verbessert.

Ist Information im Moment der Katastrophe für die Angehörigen die wichtigste Hilfe?

Gans: Man braucht diese Gewissheit, dass es tatsächlich zutrifft: Man hat einen Verlust erlitten, der nicht mehr rückgängig zu machen ist. Manche Angehörige fahren jetzt in die Absturzregion in den französischen Alpen. Ich kann das gut verstehen. Man will demjenigen, den man verloren hat, zumindest noch einmal nahe sein. Dort oben in den Bergen ist es passiert. Dort haben sie ihre letzte Minute verbracht.

Bei Ihrer Tochter wurde der Flugschreiber erst nach zwei Jahren gefunden. Er wies technische Probleme in Kombination mit einem Pilotenfehler als Unfallursache aus. Hat Ihnen diese späte Gewissheit geholfen, den Verlust besser zu verarbeiten?

Gans: Ja. Ich glaube das ist in unserer Kultur angelegt. Wir sind täglich mit Technik konfrontiert, wir sind mit dem Tod konfrontiert. Ich denke, es ist eine normale Reaktion, dass man Klarheit haben will – soweit es eben möglich ist.

Interview: Sabine Schwinde

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