Ein Paar wollte nur durch den Tunnel abkürzen

MVG-Kunden gestehen: Darum sind wir schwarz gefahren

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Zwei Stunden dauerte die Kontrolle am Dienstag am Hauptbahnhof.

München - Seit Samstag kostet Schwarzfahren 60 Euro. Aber warum fahren MVG-Kunden wirklich ohne gültiges Ticket? Wir haben einige befragt, die erwischt wurden.

Seit 1. August gilt in allen Bussen, Zügen und Trambahnen des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes (MVV) das sogenannte erhöhte Beförderungsentgelt. Heißt: Schwarzfahren wird deutlich teurer. Statt 40 Euro muss der Fahrgast ohne gültiges Ticket nun 60 Euro blechen. Das kommt bei den Münchnern nicht immer gut an. Bei der zweistündigen Groß-Kontrolle am Hauptbahnhof sind gestern auch einige Schwarzfahrer aus dem Verkehr gezogen worden!

Im Jahr 2014 hatten rund drei Prozent aller kontrollierten Fahrgäste keinen gültigen Fahrschein. In den Jahren zuvor lag die Quote zwischen zwei und drei Prozent. MVG-Geschäftsführer Herbert König: „Wir reden hier von Einnahmeausfällen von mehr als 10 Millionen Euro pro Jahr. Geld, mit dem wir unser Leistungsangebot weiter ausbauen könnten.“ MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag bläst ins selbe Horn: „Die Erhöhung war seit angem überfällig. Schwarzfahren darf sich nicht rechnen.“

Deshalb stocken die Verkehrsbetriebe auch ihr Kontrollpersonal auf. „Wir werden deutlich mehr Personal einsetzen. Das wird spürbar sein“, betont MVG-Sprecher Matthias Korte. Genaue zahlen will die MVG aber nicht nennen. Korte: „Manche Leute warten nur darauf, dass sie sich etwas ausrechnen können.“ Auch in S-Bahnen wird in Zukunft verschärft kontrolliert. Nach Untersuchungen sind dort täglich bis zu 25 000 Menschen ohne gültigen Fahrschein unterwegs. Bernhard Weisser, Geschäftsleiter der S-Bahn München, stellt klar: „Fakt ist, dass die Zahl der Schwarzfahrer steigt, und das geht zulasten der ehrlichen Fahrgäste. Die Erhöhung auf 60 Euro unterstützt uns in unserem Anliegen, in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für ehrliches Fahren zu erhöhen.“ Dringenden Handlungsbedarf sah auch MVG-Chefkontrolleur Eduard Imblon: „40 Euro haben einfach immer weniger Leute abgeschreckt.“

Das sah am Dienstag am Hauptbahnhof ganz anders aus. Zur Mittagszeit wurden innerhalb von zwei Stunden rund 1700 Personen kontrolliert. Die Ausbeute der Kontrolleure: trotzdem ganz ordentlich. Lesen Sie hier, wie sich die ertappten Schwarzfahrer rechtfertigen!

Johannes Heininger, Manuel Bonke

Fahrpreise sind das Problem!

„Noch viel schlimmer als die Geldstrafe sind die eigentlichen Fahrpreise. Für fünf Stationen 55 Euro im Monat? Eine Frechheit! Da kann man die Leute verstehen, wenn sie schwarzfahren und dafür mal eine Strafe in Kauf nehmen. Ich habe meine personalisierte Monatskarte vergessen, muss sie jetzt innerhalb von zwei Wochen vorzeigen. Sonst werden 60 Euro fällig. Mein Freund hatte eine Karte dabei.“

Ladin Wuttke (18), Schülerin, und Edi Skrbo, Student (20), aus Bogenhausen

Sind nicht U-Bahn gefahren

„Meine Frau und ich sind doch nur als Touristen hier in München. Uns war es oben auf der Straße einfach zu heiß, also wollten wir die U-Bahn-Unterführungen nutzen, um zu unserem Hotel auf der anderen Straßenseite gelangen. Wir sind keine einzige Station mit der U-Bahn gefahren, sondern in gewisser Weise ja nur spazieren gegangen. Plötzlich müssen wir 60 Euro zahlen. Wir sprechen beide kein Deutsch und die Kontrolleure wollten uns auch nicht zuhören. Das war für uns eine sehr unangenehme Situation. Morgen fliegen wir wieder nach Russland, die Strafrechnung lassen wir in Deutschland.“ Viktor (67) und

Nina Poliakov (67), Rentner aus Russland

Es war nur eine Station …

„Ich bin von der Theresienwiese eine Station bis zum Hauptbahnhof gefahren. Für diese kurze Strecke wollte ich mir keine Fahrkarte kaufen – hätte ich doch besser machen sollen. Generell finde ich es ja richtig, dass schärfer kontrolliert wird, und ich gestehe meinen Fehler auch ein. Zu mir waren die Kontrolleure auch nett. Aber neben mir haben sie einen Mann angeschrien, weil er kein Deutsch konnte. Er hat mir richtig leid getan. Für so etwas habe ich kein Verständnis.“

Elena Tarasova (27), Studentin aus München

Habe das Ticket weggeworfen

„Ich habe mir eine Einzelfahrkarte gekauft. Nachdem ich aus der U-Bahn ausgestiegen bin, habe ich sie aber weggworfen. Das habe ich den Herrschaften bei der Kontrolle auch versucht zu erklären. Sie meinten aber, ich sei selbst schuld und hätte meine Fahrtkarte eben aufheben müssen.“

Besart Berishan (19), Schüler aus München

Ich bin stocksauer!

Ich wurde behandelt wie ein Schwerverbrecher. Ich bin stocksauer! Ich hatte ein gültiges Ticket, habe es aber in den Papierkorb geworfen, als ich aus der U-Bahn ausgestiegen bin. 60 Euro sind völlig überzogen! In Holland kostet es weniger, und man hat auch Zeit, das Geld zu überweisen. Aber hier lief ohne Bargeld gar nichts. Das ist keine gute Werbung für eure Stadt.

Steve R. (35), Nahrungsforscher aus Amsterdam

Der Stress war’s

„Wenn ich im Stress bin, dann habe ich schnell mal meine Fahrkarte vergessen. Dann liegt sie eben in meiner anderen Tasche oder vielleicht auch im anderen Geldbeutel. Das war heute leider der Fall und wurde mir zum Verhängnis. Normal fahre ich nicht viel mit der U-Bahn. Die Erhöhung auf 60 Euro finde ich schon eine richtige Hausnummer. Von dem Geld wäre ich lieber zum Friseur gegangen oder hätte mir etwas anderes gegönnt. Am liebsten hätten die Kontrolleure gewollt, dass ich die Strafe gleich vor Ort bezahle. Aber ich habe mich dazu entschlossen, den Betrag in den nächsten Tage zu überweisen. Das haben die Herren dann auch akzeptiert.“

Alexandra Müller (44), Einzelhandelskauffrau aus München

Hab’s vergessen!

Ich habe ein Semester-Ticket, darf damit nach 18 Uhr fahren. Heute habe ich das total vergessen. Erst als ich in die U-Bahn gestiegen bin, fiel es mir wieder ein. Ich weiß, wie es in München läuft. Da bin ich schon selbst schuld. Aber da war es ja schon zu spät. Die 60 Euro finde ich in Ordnung, weniger schreckt einfach nicht genug ab.

Philipp P. (27), Student aus München

Schwarzfahren kein Kavaliersdelikt!

Am Montag musste sich eine junge Dame vor dem Amtsgericht verantworten. Der Vorwurf: Sie war dreimal in Folge ohne Fahrschein unterwegs. Für das „Erschleichen von Leistungen“ sieht §265 a des Strafgesetzbuches eine Geldstrafe, im äußersten Fall sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr vor. Die junge Frau war mit dem Bus unterwegs. Jeweiliger Fahrpreis: 2,70. Im Prozess ging es also um 8,40 Euro. Man fragt sich: „Ist das nicht übertrieben?“ „Nein“, sagt MVG-Pressesprecher Matthias Korte. „Wir stellen unsere Strafanträge grundsätzlich wegen des Tatbestands der Leistungserschleichung und wegen Betrugs, unabhängig von der Schadenshöhe.

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