Getäuscht, betrogen, abkassiert

München - So manche Kursrakete aus Börsenbriefen entpuppt sich in der Realität als Rohrkrepierer. Ein Wirtschaftskrimi wird wahrscheinlich demnächst vor dem Münchner Landgericht verhandelt

Die große Geldvermehrung praktisch im Schlaf – im Prinzip funktioniert die Sache ganz einfach: Man abonniere einen Börsenbrief seiner Wahl, kaufe die dort angepriesenen „Kursraketen“ und warte ganz entspannt ab, bis sich das eingesetzte Kapital verdoppelt hat. Mindestens.

Schade nur, dass die Sache in der Tat nur im Prinzip so einfach funktioniert. In der Realität entpuppt sich so manche Kursrakete als Rohrkrepierer; sei es, weil der Verfasser des (meist sündhaft teuren) Börsenbriefs schlicht keine Ahnung hatte, sei es, dass sogar kriminelle Energie dahinter steckte. Ein Wirtschaftskrimi letzteren Inhalts wird wahrscheinlich demnächst vor dem Münchner Landgericht verhandelt – die Staatsanwaltschaft München I hat jedenfalls jetzt Anklage gegen vier Männer erhoben, darunter drei frühere Funktionäre der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Die vierte Strafkammer des Gerichts entscheidet demnächst über die Eröffnung des Hauptverfahrens.

Laut Anklage sollen zwei der vier Beschuldigten in 14 Fällen Aktien zu niedrigen Preisen eingekauft haben. Anschließend habe das Duo in Börsenbriefen und einschlägiger Fachliteratur positive Nachrichten über diese Wertpapiere verbreitet, ohne in den Empfehlungen darauf hinzuweisen, dass man selbst in erheblichem Umfang in diese Aktien investiert war. Folge: Durch die Veröffentlichungen stiegen die Kurse vorübergehend erheblich; die Angeschuldigten konnten die Papiere mit satten Gewinnen wieder abstoßen. Nach Meinung der Staatsanwaltschaft kamen auf diese Tour „mindestens zehn Millionen Euro“ zusammen.

Im Zusammenhang mit dem Börsengang einer im Biotechbereich tätigen Gesellschaft sollen drei der vier Beschuldigten durch verbotenes Ausnutzen von Insiderinformationen erhebliche Gewinne erzielt haben. Wiederum in Börsenbriefen seien zum Teil falsche Informationen zu der Gesellschaft veröffentlicht worden, was den vermeintlichen Wert positiv beeinflusst habe. Die Beschuldigten hätten aber Kenntnisse von wertmindernden Tatsachen gehabt, was sie bei ihren Veröffentlichungen verschwiegen hätten. „Bevor diese Tatsachen öffentlich wurden und den Kurs sinken ließen“, so die Ermittler, „verkauften die Angeschuldigten unter Ausnutzung ihrer Insiderinformationen ihre Aktienpakete und erlösten hierdurch insgesamt fast 12,5 Millionen Euro“. Einer der Beiden soll in diesem Fall zwei Anleger auch bewusst getäuscht haben, weshalb er zusätzlich wegen Betrugs angeklagt worden ist.

Nach früheren Angaben eines SdK-Sprechers ging es schließlich auch um dubioses Geschäftsgebaren beim Bezahldienstleister Wirecard. Einer der früheren Funktionäre soll angebliche Bilanztricks bei Wirecard öffentlich angeprangert und zugleich auf den fallenden Kurs der Aktie spekuliert haben.

Die Ermittlungen, in deren Zuge bei einer Razzia vor knapp einem Jahr bundesweit und in Österreich 48 Büro- und Privaträume durchsucht worden waren, richten sich insgesamt gegen rund 30 Verdächtige.

mdu.

Rubriklistenbild: © dpa

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