Gewaltporno-Drehs mitten in Schwabing

München - Sein Beruf: Porno-Produzent. Reinhold B. (64) alias John Thompson sagt das mit Stolz, auch wenn er dafür jetzt auf der Anklagebank sitzen muss .

Was in seinen Studios an der Leopoldstraße mitten in Schwabing gedreht wurde, befindet sich nämlich weit jenseits der „normalen“ Pornografie: Die Filme stellen extrem brutale Vergewaltigungen dar! Frauen werden darin misshandelt und erniedrigt.

Auf seiner Internet-Seite wirbt „John Thompson“ ständig junge Frauen an: „Wenn du das Casting bestehst, fängst du mit 25 Euro pro Stunde an. Viele unserer Models verdienen 1000 Euro am Tag .“ Was Frauen für diese Gage über sich ergehen ließen, liest sich in der Anklageschrift wie ein Horror-Drehbuch: Gefesselte Frauen werden von mehreren Männern gleichzeitig vergewaltigt, sie werden geschlagen und bespuckt, sie werden mit Gegenständen und heißem Kerzenwachs traktiert, sie werden erniedrigt und buchstäblich durch den Dreck gezogen. Alle widerlichen Details werden in Großaufnahme gezeigt.

Die Pornofilme, so die Anklage, lasse die „Verherrlichung und Verharmlosung der Gewalt erkennen“. Aber gerade darauf stehen viele Kunden und zahlen viel dafür. Herstellung, Vertrieb und Vorführung solcher Gewaltdarstellungen sind aber verboten. Paragraph 184a Strafgesetzbuch droht dafür bis zu drei Jahre Gefängnis an. „Die Vorwürfe sind zu pauschal“, wendet B.s Verteidiger Alexander Eckstein ein. Das Leiden der Filmdarstellerinnen sei eine „schauspielerische Darstellung“. Und der Angeklagte betont, die Damen hätten freiwillig mitgemacht. „Davon gehen wir aus“, so die Staatsanwältin. „Sonst würden hier weit schwerwiegendere Straftaten im Raum stehen.“

Den Internet-Vertrieb der Filme könne man ihm nicht zur Last legen, betont der Angeklagte. Seine in Österreich ansässige Firma „Raybach“ hatte zweitweise den Reibach gemacht, doch diese existiere nicht mehr. B.: „Das Material läuft jetzt über eine Firma in Panama.“ Darauf habe er jedoch keinen Einfluss. Richter Andreas Forstner gibt sich damit nicht zufrieden: „So geht es nicht!“ Der Prozess wird am 3. September fortgesetzt. B.: „Ich will im rechtlichen Rahmen weiter produzieren.“

Eberhard Unfried

Auch interessant

Meistgelesen

Ist sie Ihnen aufgefallen? Seit Sonntag gibt es eine akustische Neuerung in U-Bahnen und Trams 
Ist sie Ihnen aufgefallen? Seit Sonntag gibt es eine akustische Neuerung in U-Bahnen und Trams 
Münchner lockt mit lebenslanger Döner-Flatrate - wenn Sie ihm diesen kleinen Gefallen tun
Münchner lockt mit lebenslanger Döner-Flatrate - wenn Sie ihm diesen kleinen Gefallen tun

Kommentare