Gewofag: Noch ein Skandal!

Die Zentrale der Gewofag.

München - Am Donnerstag berichtete die tz über Schmiergelder bei der Wohnungsbaugesellschaft Gewofag. Jetzt gibt es schon den nächsten Skandal. In der Zentrale wurde ein Razzia durchgeführt.

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Schmiergeld bei der Stadt - die schlimmsten Fälle

Wie weit sind die Stadtverwaltung und ihre Tochterunternehmen von Korruption betroffen? Die tz berichtete am Donnerstag über mehrere Fälle der Bestechlichkeit städtischer Mitarbeiter, insbesondere über einen Fall bei der Wohnbautochter Gewofag, bei dem es um einen Schaden von 900 000 Euro geht. Zwei Mitarbeiter sollen sich bei der Vergabe von Bauaufträgen haben schmieren lassen. Doch es gibt mindestens einen weiteren Korruptionsfall bei der Gewofag, wie die Firma am Donnerstag zugab, zu deren Konzern auch die Wohnbaufirma Heimag gehört.

„Die Staatsanwaltschaft München I hat im Oktober 2010 Büroräume in der Gewofag-Hauptverwaltung und der Heimag-Hauptverwaltung durchsucht“, so Gewofag-Sprecherin Sabine Sommer. „Anlass war der Tatverdacht der Bestechung und Bestechlichkeit gegen zwei Gewofag-Mitarbeitende.“

Wie in dem anderen Falle auch, haben sich die beiden Beschuldigten den Ermittlungen zufolge bei der Vergabe von Bauaufträgen mittels überhöhter Rechnungen bestechen lassen. Sommer: „Die Verdachtsfälle liegen mehr als fünf Jahre zurück.“ Den betroffenen Mitarbeitern sei gekündigt worden, eine Schadenssumme könne man noch nicht beziffern.

Anlass der Durchsuchung sei eine Strafanzeige gewesen. Inwieweit das Strafverfahren abgeschlossen ist, vermag Sommer nicht zu sagen. Doch damit nicht genug.

Nach tz-Recherchen musste sich der Gewofag-Aufsichtsrat allein im vergangenen Jahr mehrfach mit Korruptionsvorwürfen beschäftigen. In einem Fall ging es sogar um eine Summe im sechsstelligen Bereich. In allen Verdachtsfällen hat die Gewofag die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Bislang landete aber noch kein Fall vor Gericht.

OB Christian Ude, gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Gewofag: „Es gibt im Zusammenhang der Korruptionsbekämpfung innerhalb der Stadt und ihrer Tochterunternehmen immer wieder anonyme oder auch namentliche Mitteilungen von Kollegen oder bei Aufträgen nicht zum Zuge gekommenen Geschäftsleuten. Wenn sie inhaltlich plausibel sind, gehen wir diesen Hinweisen natürlich nach.“

Im Falle der Gewofag seien die Anschuldigungen „zum Teil zutreffend, zum Teil ohne strafrechtliche Bedeutung“. Ude betont, dass die Gewofag mit allen Mitteln gegen korrupte Mitarbeiter vorgehe.

Der geheime Korruptionsbericht der Stadt, der der tz vorliegt, nannte bislang nur einem Fall der Korruption bei der Gewofag. Dass es jetzt noch einen weiteren gibt, lässt bei Freie-Wähler-Stadtrat Johann Altmann die Alarmglocken schrillen: „Da stellt sich die Frage, wie lückenlos der Korruptionsbericht ist.“ Gewofag-Sprecherin Sommer beteuert: „Wir haben beide Fälle der Anti-Korruptionsstelle gemeldet.“

J. Welte, D. Costanzo

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