Mehr als 70.000 Euro für 1100 Gäste

Hier veranstaltete die Gewofag ihre opulente Weihnachtsfeier

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Ort der Weihnachtsfeier: die "Alm" auf der Galopprenbahn in Riem.

München - Sehr opulent fiel heuer die Weihnachtsfeier der städtischen Wohngesellschaft Gewofag aus: Für 1100 Gäste gab das Tochter-Unternehmen der Stadt 74.174 Euro aus. Mehr als 300 Teilnehmer arbeiten gar nicht mehr bei der Gewofag. Oberbürgermeister Dieter Reiter ist fassungslos.

Die Gewofag will ein attraktiver Arbeitgeber sein. In einer Broschüre wirbt die Wohnungsgesellschaft mit zusätzlichen Angeboten um Azubis: Ausflüge, Azubitage, Wiesn-Besuche gehören dazu. Und eine große Weihnachtsfeier.

 Die wird für die städtische Tochter nun zum Problem. Denn sie fiel nach Recherchen des Münchner Merkur heuer ziemlich opulent aus. Man wählte die Alm auf der Galopprennbahn in Riem, 600 Quadratmeter groß. Das Essen kommt vom Feinkost-König Michael Käfer. 1100 Menschen nahmen teil, nicht nur die rund 800 Mitarbeiter, sondern auch noch mehr als 300 Ehemalige. Alle Gäste bekamen noch einen Kinogutschein geschenkt, was Mehrkosten von 15 000 Euro verursachte. 67,43 Euro pro Kopf hat die Feier gekostet – insgesamt macht das stolze 74 174 Euro.

Viel Geld für ein Unternehmen, das zu 100 Prozent der Stadt gehört – und damit auch mit Steuergeld finanziert ist. Wie außergewöhnlich der Umfang der Weihnachtsfeier ist, zeigt sich vor allem im Vergleich zu anderen städtischen Gesellschaften und der Stadt selbst. Denn dort sind Weihnachtsfeiern auf Stadt-Kosten grundsätzlich nicht möglich, wie die Sprecherin des städtischen Personalreferats auf Anfrage bestätigt. Weihnachtsfeiern von Behörden oder Abteilungen müssten grundsätzlich „aus der privaten Kasse der einzelnen Angestellten“ bezahlt werden, sagt Isolde Schwarz-Krieger. „Und wenn Sie einen netten Vorgesetzten haben, dann zahlt er.“ Aber auch mit seinem privaten Geld.

Bei den Städtischen Kliniken gibt es ebenfalls keine Weihnachtsfeier. Es kommt zwar vor, dass Chefärzte ihre Abteilung einladen – aber auch das geschieht auf private Kosten. Auch in anderen Städten hält man sich beim Thema Weihnachtsfeier zurück: So hält die städtische SAGA GWG in Hamburg ein „begrenztes Budget für individuelle Weihnachtsfeiern vor“, wie ein Sprecher sagt. Es gibt aber nicht die eine große Weihnachtsfeier wie bei der Gewofag.

Hinzu kommt, dass die Gewofag einen sozialen Auftrag hat: Sie soll Wohnraum vor allem für die Mieter schaffen, die nicht viel Geld haben und auf günstige Mieten angewiesen sind. „Wir übernehmen soziale Verantwortung“, heißt es auf der Website der Gesellschaft.

Da passt eine Weihnachtsfeier für mehr als 70 000 Euro nicht recht ins Bild. Entsprechend sauer ist Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Als er von der üppigen Weihnachtsfeier erfährt, von der er als Gewofag-Aufsichtsratschef gar nichts wusste, findet er deutliche Worte: „Unglaublich! Ich finde es äußerst bedauerlich, wie hier ausgerechnet in unserer Wohnungsbaugesellschaft mit öffentlichen Mitteln umgegangen wird“, so Reiter. Die Geschäftsführung habe hier jedes Fingerspitzengefühl vermissen lassen. „So etwas wird nicht mehr vorkommen, dafür werde ich sorgen!“, sagt Reiter. Die Gewofag zeigt sich zerknirscht. „Die neue Geschäftsleitung wird die Rahmenbedingungen einer Weihnachtsfeier auf den Prüfstand stellen“, kündigt ein Sprecher an. Die Chefs Sigismund Mühlbauer und Klaus-Michael Dengler, letzterer erst seit Juni auf dem Posten, hätten die Tradition der Feier einfach übernommen – „zumal die Veranstaltung auch bereits gebucht war“. Vor etwa einem Jahr sei die Entscheidung gefallen, die Alm auf der Galopprennbahn in Riem für die Weihnachtsfeier zu buchen. „Dieser lange Vorlauf ist aufgrund der Schwierigkeiten beim Buchen großer Räume notwendig“, so der Gewofag-Sprecher.

Jetzt hat die städtische Tochter erstmal ausgiebig Zeit, über den Rahmen für die nächste Weihnachtsfeier nachzudenken. Denn ganz so lange wird der Planungs-Vorlauf wohl nicht mehr sein.

Von Moritz Homann und Felix Müller

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