So funktioniert die Masche

GEZ-Betrug! Polizei warnt vor falschen Rechnungen

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Der Münchner Joachim Puttlitz fand eine gefälschte Rechnung in seinem Briefkästen. Zum Glück war er skeptisch und zahlte nicht.

München - Sie sehen aus wie echte Rechnungen für Rundfunkbeiträge. Aber die Schreiben, die vielen Münchnern in den vergangenen Tagen ins Haus flattern, sind fiese Fälschungen.

Die Adressaten sollen 53,94 Euro für den Empfang von ARD, ZDF und Deutschlandradio zahlen. Als Absender wird der Beitragsservice der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten genannt, der 2013 die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) ersetzte. Aber die Briefe kommen von Betrügern, die wahrscheinlich in Tschechien sitzen.

Bei der Münchner Polizei melden sich seit vergangener Woche immer mehr Menschen, die die Masche durchschaut haben. Viele andere könnten längst gezahlt haben, weil sie das Schreiben für echt hielten. Auch der Beitragsservice selbst warnt auf seiner Internetseite vor den gefälschten Rechnungen. „Bislang sind die Schreiben überwiegend in Bayern gemeldet worden“, heißt es dort.

Schon im vergangenen Herbst tauchten ähnliche Betrüger-Rechnungen in ganz Deutschland auf. Lesen Sie, wie die Masche genau funktioniert und wie Sie sich schützen können:

Sie bekamen Post von den Ganoven

Der Teufel steckt im Detail: Auf dem Überweisungsträger ist ein tschechisches Bankkonto angegeben. Erkennbar an den beiden Buchstaben CZ.

„Warum schicken mir die denn eine Rechnung? Normal wird mein Rundfunkbeitrag doch abgebucht“, wunderte sich Christa Urbanisch. In ihrem Briefkasten steckte vergangene Woche eines der gefälschten Schreiben. 53,94 Euro sollte sie für den Zeitraum vom 1. Juni bis 31. Dezember 2014 überweisen. Sie wollte die Sache gleich mit dem Beitragsservice klären, aber die Telefon-Hotline war überlastet.

Als die Nachbarin der 66-Jährigen dann erzählte, dass sie die selbe seltsame Rechnung bekommen hatte, wurde die Rentnerin stutzig. Und tatsächlich: Ein weiterer, diesmal erfolgreicher Anruf beim Beitragsservice ergab, dass es sich bei dem Brief um einen dreisten Betrugsversuch handelt.

„Ich wäre beinahe darauf hereingefallen“, erzählt Joachim Puttlitz (71). Auch er bekam vor einigen Tagen Post von den Betrügern. „Diese Rechnungen sind perfekt gemacht“, sagt der Rentner. Korrekte Anschrift, farbige Logos der Rundfunkanstalten ARD, ZDF und Deutschlandradio sowie ein Vordruck zur Überweisung. Auch die zweite Prüfung besteht die falsche Rechnung: Adresse, Telefonnummer und Webseite des Beitragsservice stimmen ebenfalls.

Nur wer den Überweisungsträger genau unter die Lupe nimmt, entdeckt den fiesen Trick. Denn die Kontonummer (IBAN) beginnt nicht mit DE für Deutschland, sondern CZ für Tschechien. Das Geld fließt auf ein Konto bei der GE Money Bank in Prag.

Puttlitz hatte Glück. Weil auch er dem Beitragsservice eine Einzugsermächtigung erteilt hatte, rief er dort an. „Es stellte sich heraus, dass die Beitragsnummer auf der Rechnung erfunden ist“, erzählt er. Christa Urbanisch hat das Schreiben in ihrer Münchner Wohnanlage ans schwarze Brett gehängt: „Man muss diesen Betrügern unbedingt das Handwerk legen.“

Das raten die Verbraucherschützer

Auch Christa Urbanisch bekam eine gefälschte Rechnung und überwies das Geld nicht.

Erst mal Ruhe bewahren! „Wer Zweifel hat, ob eine Rechnung vom Beitragsservice echt ist, sollte auf keinen Fall sofort zahlen“, rät Tatjana Halm, Juristin der Verbraucherzentrale Bayern. Am besten fragen Betroffene telefonisch beim Beitragsservice nach, ob die Rechnung echt ist. Auch ein schriftlicher Einspruch bei der angegebenen Adresse (ARD ZDF Deutschlandradio, Beitragsservice, 50656 Köln) ist möglich, um die Echtheit zu prüfen. Der Beitragsservice bittet auf seiner Internetseite ohnehin darum, ihm Betrugsversuche mit Rundfunkbeiträgen zu melden. Für Verbraucher, die bereits Geld auf das tschechische Konto überwiesen haben, stehen die Chancen leider schlecht. „Man sollte dennoch die eigene Bank informieren“, sagt Halm.

Beate Winterer

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