Zwei neue Hallen möglich

Gibt's jetzt die doppelte Konzertsaal-Dröhnung?

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Am Ostbahnhof plant Pfanni-Erbe Werner Eckart ein neues Viertel, wo auch ein Konzertsaal entstehen könnte. Der favorisierte Ort für die Arbeitsgruppe.

München - Am Dienstag hat das bayerische Kabinett bekanntgegeben: Im Rennen für den neuen Konzertsaal der BR-Symphoniker sind noch das Werksviertel am Ostbahnhof und das Paketzentrum an der Arnulfstraße. Im Dezember soll eine Entscheidung fallen.

Und: In Aubing könnte ein weiterer (privater) Klang-Tempel entstehen. Was Initiator Thomas E. Bauer der tz sagt und alles Weitere zu den Projekten lesen Sie hier: Kriegt München die doppelte Dröhnung?

Eigentlich wollte die bayerische Staatsregierung ja am Dienstag bekanntgeben, wo der neue Konzertsaal gebaut werden soll. So weit sind wir noch nicht, aber nachdem wir schon ein Jahrzehnt warten, kommt es auf die angeblich knapp anderthalb Monate auch nicht mehr an: Gestern verkündete Staatskanzlei-Chef Marcel Huber (57, CSU), wie es weitergeht. „Wir wollen bis 2018 unumkehrbar einen neuen Konzertsaal für München auf den Weg bringen“, zitiert Huber Bayerns Kunstminister Ludwig Spaenle (54, CSU).

Hier das Paketzentrum der Post an der Friedenheimer Brücke.

Favorisiert für eine neue Heimstatt der BR-Symphoniker wird erwartungsgemäß das Werksviertel am Ostbahnhof, wo ein komplett neuer, kleiner Stadtteil entsteht. Hier, wo einst die Knödelfabrik stand. Wollen wir hoffen, dass etwaige Sänger hier nicht ins Knödeln verfallen. Auf Rang zwei folgt das Paketzentrum an der Friedenheimer Brücke. Vorteil wäre: Hier würde nicht geknödelt, sondern ginge die Post ab. Aber nur, wenn die Post bis dahin eine neue Heimat für ihre Pakete gefunden hat.

Das Werksviertel hat 81 von 100 Bewertungspunkten erhalten, die Paketposthalle 67. Bewertet wurden die zeitliche Verfügbarkeit der Fläche (30% der Gesamtgewichtung), die Standort-Identität (20%), die Kosten (20%), die Erreichbarkeit (10%), die Umsetzung des Raumprogramms (10%), die Außenwirkung (5%) und eine mögliche Standort-Konkurrenz (5%).

Spaenles Kunstministerium soll nun einen Lenkungsausschuss „Neuer Konzertsaal München“ starten, der die Steuerung übernimmt. Das Finanzministerium soll in Verhandlung mit den Grundstückseigentümern treten. Problem im Werksviertel: Pfanni-Erbe Werner Eckart will ja das gesamte Gelände zum Wohn- und Büroquartier mit Kultur und Hotel entwickeln. Der Freistaat könnte das Konzert-Areal wohl nicht kaufen, sondern nur pachten oder mieten. Anfang Dezember legt Spaenle das Ergebnis des Ausschusses vor.

In den Startlöchern

Thomas E. Bauer (45) wird nicht müde zu betonen, dass er niemanden einen Schuss vor den Bug geben will: „Ich freue mich, dass die BR-Symphoniker einen eigenen Saal bekommen. Unsere Pläne in Aubing sind keine Konkurrenz, im Gegenteil: Die Staatsregierung hat doch jetzt bessere Verhandlungsmöglichkeiten mit Herrn Eckart auf dem Pfanni-Gelände, wenn wir in Aubing bauen können.“ Sprich: In Aubing könnte schon 2019 ein komplett neuer Konzertsaal mit Nebensälen, Garderoben, Probenräumen, Gastronomie & Co. entstehen. Bis dahin steht nie und nimmer ein BR-Konzertsaal. Bauer: „Der Planungsprozess läuft volle Pulle, wir stehen in den Startlöchern. Wenn die Stadt will, können wir loslegen.“

Der Bariton Thomas E. Bauer hat mit seinem Architekten Peter Haimerl einen Plan: Er will ein Musikzentrum im Ex-Heizkraftwerk Aubing bauen. Das Gelände gehört den Allguth-Chefs Michael und Christian Amberger.

Die Kosten beziffert Bauer auf 70, 80 Millionen für die „Luxusvariante“. Die wird gebaut, falls die Münchner Philharmoniker hier spielen wollen, wenn die Philharmonie ab 2020 zur Sanierung geschlossen wird (man darf davon ausgehen, dass sie mindestens fünf Jahre dicht ist). Und die BR-Symphoniker? „Die Regierung hätte weniger Druck, um schnell entscheiden zu müssen und könnte sich die beste Alternative in Ruhe überlegen“, erläutert Bauer, der mit seinem Architekten Peter Haimerl im niederbayerischen Blaibach schon einen bewunderten Saal hingestellt hat.

Doch so oder so: Der Musik-Musentempel in Aubing soll kommen. Denn die Besitzer des Areals, Christian und Michael Amberger – Doppelspitze von Allguth – wollen ihn, um den Standort aufzuwerten. Bauer betont, dass das Aubinger Projekt komplett privatfinanziert wird und man den Saal – angedacht ist auch ein Raum für Kammermusik, den es in München noch nicht gibt – vermieten könne.

Und falls BR und Philis kein Interesse hätten? Dann gäbe es eine billigere Variante für etwa 40 Millionen Euro. „Hier werden auch Popkonzerte oder Musicals über die Bühne gehen. Es gibt so viele Möglichkeiten“, sagt Bauer. Aber er habe ein positives Gefühl, dass die Philharmoniker an Aubing interessiert sind.

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