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Münchner nach Umzug in neue Wohnung völlig perplex: „Strom kostet mehr als die Hälfte der Miete“

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Von: Nina Bautz

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Andre Borchert in seiner Münchner Wohnung.
Andre Borchert kann es nicht fassen: 240 Euro soll er für seine 45 Quadratmeter große Wohnung bezahlen. © Sigi Jantz

Inmitten der Energiekrise wird das Leben teurer, die Preise für Strom und Gas steigen. Wie sehr, das musste nun ein Münchner am eigenen Leibe erfahren.

München – Tatsächlich, da steht es schwarz auf weiß. André Borchert (45) muss mehrmals hinschauen, als er die Stromrechnung der Stadtwerke in den Händen hält. Seine kleine Gewofag-Wohnung in Giesing hat nur eineinhalb Zimmer, misst gerade einmal 45 Quaratmeter - und dafür soll er Abschlagzahlungen von unglaublichen 240 Euro pro Monat zahlen!

„Ich bin geschockt“, erzählt der arbeitssuchende Münchner, der zuletzt als IT-Manager gearbeitet hat, der tz. Er ist erst Mitte September eingezogen und hat einen Neuvertrag mit den Stadtwerken abgeschlossen. „Ich zahle nur knapp 400 Euro Miete. Das heißt, der Strom kostet mehr als die Hälfte der Miete. Das kann doch nicht sein. Wie kommt diese Summe zustande? Ist bei mir als Neukunden vielleicht schon eine Preis-Erhöhung drin, die den anderen Kunden noch droht?“

Strom-Schock in München: 240 Euro für 45 Quadratmeter

Die Stadtwerke erklären auf Anfrage, dass diese Rechnung ihre Richtigkeit habe. Da Herr Borchert einen Nachtspeicherofen hat und somit auch mit Strom heizt, sei der Betrag höher. Hinzu komme, dass in seinem Haus immer im März die Jahresabrechnung anstünde. „Das heißt, hier verteilt sich der Verbrauch nicht auf 12, sondern auf sechs Monate“, so Sprecher Michael Silva. Eine Vorweggnahme einer künftigen Preiserhöhung gäbe es bei den Stadtwerken nicht.

Aber wie sieht es aus, droht bald eine Erhöhung der Preise? Im November werde sie sicher nicht kommen, so Silva. „Wir müssen eine Erhöhung immer mindestens sechs Wochen vorher ankündigen.“ Also für Dezember oder Januar? „Es wird definitiv noch eine Steigerung geben.“ Einen konkreten Zeitpunkt könnten die SWM aber derzeit nicht nennen. Wegen der steigenden Energie-Preise hat sich eine Familie in Bayern nun selbst das Gas abgedreht.

Schockiert über Rechnung: Münchner kann Strom-Kosten nicht zahlen

André Borchert kann die SWM-Forderung gar nicht bezahlen, selbst wenn er wollte. „Ich habe keine finanziellen Rücklagen und derzeit auch kein Einkommen. Ich bekomme 449 Euro Arbeitslosengeld II. Das Höchste, was im Budget drin wäre, wären 60 Euro für den Strom.“ Er plant, einfach nur diese Summe zu überweisen und abzuwarten.

Die Stadtwerke rechnen damit, dass noch mehr solcher sozialen Härtefälle auf sie zukommen werden. Sie raten, sich an die Sozialbürgerhäuser zu wenden, um über Lösungsmöglichkeiten zu reden. „Und die Kunden, bei denen es finanziell eng wird, sollen auch uns umgehend kontaktieren.“ In bestimmten Fällen könne man über Ratenzahlungen oder ähnliche Lösungen nachdenken. Vielleicht gibt es auch für Andrè Borchert einen Ausweg… (nba)

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