Produktionsleiter von Giesinger Bräu:

"Das Bier in Deutschland ist zu billig"

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Produktionsleiter bei Giesinger Bräu: Stefan Rossmann

München - In einer Giesinger Garage fing 2006 alles an. Mittlerweile hat sich die Münchner Privatbrauerei Giesinger Bräu zu einer der beliebtesten Biermanufakturen der Stadt aufgeschwungen. Hier wird noch traditionell gebraut ohne industrielle Eingriffe.

Produktionsleiter Simon Rossmann erklärt in der tz, warum Wertschätzung so wichtig ist.

Herr Rossmann, haben wir in Sachen Bier immer noch die Nase vorn?

Simon Rossmann: Sagen wir so: Wir haben eine Menge Knowhow in Deutschland, aber auch in der Bierbranche geht’s mittlerweile vor allem um Masse und den günstigen Preis. Keine schöne Entwicklung, aber gerade weil das so ist, gibt es auch immer mehr Biertrinker, die auf Vielfalt und Qualität wertlegen und sich an kleine Privatbrauereien wenden.

Wodurch unterscheidet sich beispielsweise Giesinger Bräu von den großen Produzenten?

Rossmann: Die Kleinen können es sich noch erlauben, mit den richtigen Rohstoffen zu arbeiten. Da gibt’s drei vier Malzarten und verschiedene Hopfensorten im Bier. Das ist eine Produktionsweise die sich die großen Brauereien gar nicht erlauben können, bei dem Preiskampf. Die verwenden Hopfenextrakt, weil’s wirtschaftlicher ist und weil man bei diesen Mengen Hopfen gar nicht lagern könnte. Was auf der Strecke bleibt, ist die Vielfalt.

Allerdings muss man bei den Privatbrauereien für den Biergenuss auch tiefer in die Tasche greifen, oder?

Rossmann: Ja, ein Kasten Bier kostet bei uns 20 Euro. Aber die Leute, die bei uns einkaufen, haben eine große Wertschätzung für das Produkt.

Die man sich leisten können muss …

Rossmann: Eine Frage, die man sich bei vielen Lebensmitteln stellen muss. Wenn ich im Supermarkt ein Kilo Hackfleisch für drei Euro kaufe, muss ich mich auch fragen, wo das herkommt. Den Leuten, die Wert auf gutes Bier legen, geht es nicht so darum möglichst schnell fünf Halbe wegzuziehen. Die trinken lieber weniger, aber dafür wirklich gutes und geschmackvolles Bier.

Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?

Rossmann: Meiner Meinung nach ist das Bier in Deutschland zu billig. Ich würde mir wieder mehr Wertschätzung für dieses Genussmittel wünschen. Nicht umsonst sprechen wir bei unserem Handwerk von Braukunst. Und auf die sollten wir uns wieder mehr besinnen.

Das Interview führte Astrid Kistner

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