Zwei Wissenschaftler mit Lungenödem in Klinik / Kripo ermittelt

Giftgas-Unfall von Garching: So passierte das Unglück

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Bei diesem Versuchsaufbau trat das Gas aus: Das tödliche Phosgen wird heute unter anderem dafür benutzt, Kunststoffe herzustellen.

Der Giftgasunfall vom Freitagabend an der TU München in Garching hat schlimmere Folgen als bisher angenommen.

Wie die tz am Sonntag erfuhr, atmeten ein 62-jähriger Chemiker sowie eine Assistentin so viel von dem gefährlichen Gas Phosgen ein, dass sie nun mit einem Lungenödem auf der Intensivstation des Klinikums rechts der Isar liegen. „Der Zustand der zwei Patienten ist zwar stabil – aber nicht gut“, sagte der behandelnde Mediziner Professor Thomas Zilker. „Das Gas ist heimtückisch. Wir tun alles, um die Vergifteten wieder auf die Beine zu bringen.“

Der Gas-Alarm von Garching – nun fragen sich alle: Wie konnte es dazu kommen? Fest steht mittlerweile, dass der Wissenschaftler, eine Assistentin und eine Studentin in einem Labor einen Versuch durchführten. Das Gas Phosgen sollte mit einer anderen Substanz verbunden werden und zu einer chemischen Reaktion führen.

Um kurz vor 18 Uhr passiert es dann: Ein kleiner Schlauch löst sich an einer Apparatur, langsam verbreitet sich das Gas im Raum. Als die drei Wissenschaftler (die Studentin arbeitete etwas abseits) den typisch fauligen Geruch des Phosgens bemerken und ein Stechen im Hals spüren, brechen sie den Versuch ab. Fluchtartig verlassen sie den Raum. Sofort wird der Alarm ausgelöst.

„Der Leiter des Experiments ist ein sehr erfahrener Mann“, betont Tina Heun, Sprecherin der TU: „Er arbeitet schon seit Jahren mit diesem Gas, um bestimmte Stoffe herzustellen. Nie ist etwas passiert.“

Bis eben zum Freitag. Aus Sicherheitsgründen werden nach dem Alarm 40 Menschen, die sich im Gebäude befanden, in Kliniken gebracht (tz berichtete). Doch dort nimmt nicht jeder der Betroffenen die Situation so richtig ernst. „Ich stand auf einem Stuhl und warnte die Menschen, dass sie sich mit einem Spray behandeln lassen sollten, da das Gas oft erst nach mehreren Stunden seine Wirkung zeigt“, erzählt Professor Zilker. Das Gift wurde unter anderem im ersten Weltkrieg per Granaten verschossen und tötete 17 000 Menschen. Es hat die Eigenschaft, tief in die Lunge einzudringen und dort einen langsamen Zerstörungsprozess in Gang zu setzen. „Doch nicht alle wollten sich behandeln lassen.“ Sogar der Doktor und die Assistentin, die als einzige direkt in Kontakt mit der tödlichen Substanz kamen, beschließen am Samstag, die Klinik wieder zu verlassen. „Trotz der Warnungen.“

Es kommt, wie es kommen musste: Am späten Samstagnachmittag wird die Atemnot bei den zwei Patienten so schlimm, dass sie per Notarzt wieder ins Krankenhaus kommen. Lungenödem!

Inzwischen ermittelt auch die Kripo München, ob es zu dem Gas-Unfall durch menschliches Versagen kam oder ob ein technischer Defekt verantwortlich ist. Immerhin: Da sofort nach dem Alarm die Phosgen-Zufuhr gestoppt wurde, konnte die Feuerwehr schon am Freitagabend nur noch geringe Werte feststellen.

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Schon heute soll in dem Gebäude wieder der ganz normale Betrieb aufgenommen werden. Von der 38 weiteren Betroffenen scheint übrigens niemand schwerere Schäden durch das Gas erlitten zu haben. Tina Heun: „Wegen die Semesterferien waren auch wenige Leute anwesend.“

Quelle: tz

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