Brutal gefährlich

Glasfallen im Englischen Garten!

+
Brutal und gefährlich: Mit dem Hals voraus werden die Flaschen in den Boden gedreht und anschließend der Boden abgeschlagen

München - Scherben-Minen im Englischen Garten ! Zwischen Monopteros und Eisbach sind an mehreren Stellen Flaschen mit abgeschlagenem Boden vergraben worden.

tz-Leserin Barbara L. geht täglich auf dem Weg zur Arbeit an der Wiese zwischen Monopteros und Eisbach entlang und hat die Fallen entdeckt. „Das ist ja Wahnsinn! Ein Wunder, dass da noch kein Jogger, Kind oder Hund verletzt worden ist“, schimpft die Frau aufgebracht.

Bei Park-Chef Thomas Köster ist der aktuelle Fall nicht bekannt, eine Erklärung hat er aber trotzdem: „Viele Feiernde drehen die Flaschen mit dem Kopf voraus in die Erde. Sie benutzen es als Fußballtore oder als Zielscheibe, um mit anderen Flaschen darauf zu werfen.“ Große Handhabe hätten das städtische Aufsichtspersonal oder die Polizei nicht. An den ganz heißen Tagen sind bis zu 60.000 Menschen im Englischen Garten . „Wo fängst du da an und wo hörst du auf zu kontrollieren?“, fragt Köster.

Um dem Saustall Herr zu werden, den die Besucher hinterlassen, hat Köster sogar schon Mitarbeiter aus der Schreinerei oder Schlosserei hinzugezogen. „An einem Morgen sammeln wir bis zu 1,5 Tonnen Müll ein“, sagt er. „Allein 300 bis 500 Bierflaschen liegen auf den Wiesen rum.“ Köster will jetzt sogar die Brauereien bitten, dass sie leere Kästen zur Verfügung stellen.

Vor allem das Aufsammeln der Scherben und der Kronkorken wird für die Müllmänner zur Sisyphosarbeit. „Aber wir kennen das ja vom Flaucher: Wenn es ums Aufräumen und Dreck mit heimnehmen geht, ist es bei den Leuten nicht weit her“, bedauert Park-Chef Köster.

Die schönen Seiten des Parks der Münchner

Glas-Minen, Müllhalden, Drogen, Betrunkene: Trotz dieser Negativ-Erscheinungen ist der Englische Garten einer der schönsten und auch sichersten Fleckerl in unserer Stadt. „Er ist der Lieblingspark der Münchner und zu einem absoluten Intreff geworden“, sagt Anlagen-Chef Thomas Köster.

Die oben genannten Probleme seinen ein Phänomen, das es bei allen großen Menschenansammlungen gebe. Auf den 3,75 Quadratkilometern, die der nördliche und südliche Teil umfasst, tummeln sich an heißen Sommertagen bis zu 60 000 Menschen. „Wenn man das hochrechnet, passiert ja wirklich wenig“, sagt Köster. „Ich will nichts verharmlosen, aber Dinge wie das mit den abgeschlagenen Flaschen sind ja Gott sei Dank die Ausnahme.“

Auch wegen der vielen Mitarbeiter, die nach lauen Sommernächten morgens in Windeseile wieder für Ordnung sorgen, sei der Englische Garten – im Übrigen eine der größten städtischen Grünflächen der Welt – absolut gut in Schuss. „Es ist ein richtiger Volkspark, auf den wir stolz sein können“, meint Köster. Tatsächlich ist er fest in Münchner Hand: „Der Touristenanteil liegt dort bei nur 3 bis 5 Prozent“, erklärt Köster.

Dunkle Seiten: Bier-Schwarzhändler & Drogen

Seit 20 Jahren pflegt Thomas Köster jetzt schon den Englischen Garten. Neben vielem Schönen, das diese Anlage bietet (siehe links), beobachtet der Park-Chef die Entwicklung in vielen Bereichen jedoch mit Sorge.

„Es gibt viele Leute, die dort schwarz Bier verkaufen. Ohne Genehmigung, die Flasche für drei Euro!“, sagt Köster. Auch härtere Drogen als Alkohol seien laut Köster keine Seltenheit. „Wir wissen, dass dort vor allem sehr stark mit Crystal Meth gedealt wird.“ Die Modedroge, die aus osteuropäischen Ländern wie Tschechien oder Polen eingeschmuggelt wird, ist besonders gefährlich, weil sie sofort abhängig macht. Köster vermutet zudem, dass auch in den vielen Wasserpfeifen nicht immer nur reiner Tabak ist, sondern auch Marihuana.

Stefan Dorner

auch interessant

Meistgelesen

Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Zweite Stammstrecke: Wo es in sechs Wochen für wen eng wird
Zweite Stammstrecke: Wo es in sechs Wochen für wen eng wird
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?

Kommentare