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Münchner Glockenstreit: Anwohner komplett genervt, Stadt schickt ihm Fachleute vorbei

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Von: Carmen Ick-Dietl

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Zu laut und zu oft? Anwohner Peter Friedrich ärgert sich über das Läuten der Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf.
Zu laut und zu oft? Anwohner Peter Friedrich ärgert sich über das Läuten der Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf. © Götzfried

In Ramersdorf dürfen die Glocken weiter läuten. Die Stadt untersuchte die Immissionsbelastung und stellte keine Überschreitung des Grenzwerts fest.

München – Das Uhrzeitläuten der Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf überschreitet tagsüber nicht die zulässigen Immissionsrichtwerte. Somit wird es keine Maßnahmen zur Schallreduzierung geben. Zu diesem Ergebnis kommen Messungen des städtischen Referats für Klima und Umweltschutz.

Zu lautes Glockenläuten in Ramersdorf? Beschwerde kam aus der Nachbarschaft

Ausgelöst wurden sie durch die Beschwerde eines Nachbarn bei der letztjährigen Ramersdorfer Bürgerversammlung über die Lärmbelastung der Anwohner durch übermäßiges und lautes Glockenläuten der Kirche. Zum Teil werde, nur von kleinen Pausen unterbrochen, bis zu 15 Minuten andauernd geläutet. Der Anwohner bezeichnete dies als gesundheitlich belastend und hatte angeregt, wenigstens beim Stundenschlag auf die große Glocke zu verzichten und nur die kleine Glocke zu verwenden.

Die Stadt kann nur auf den Betrieb der Turmuhr mit dem Stundenläuten Einfluss nehmen, denn nur dieses fällt unter den Immissionsschutz. Das Läuten der Kirchenglocken aus liturgischen Gründen ist Teil der Religionsausübung und damit von der Religionsfreiheit besonders geschützt und ausdrücklich von den Regeln zum Lärmschutz ausgenommen.

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Nachts schweigen die Glocken in Ramersdorf

Die Messungen des Umweltreferats in der Wohnung des Anliegers gegenüber der Kirche ergaben einen Wert von 46,7 Dezibel. Das entspricht einem auf mittlere Lautstärke eingestellten Radio und liegt deutlich unter dem tagsüber erlaubten Wert von 60 Dezibel im Mischgebiet. Nachts läge man darüber, doch da schweigen die Glocken.

Der Pfarrer hatte bereits nach der Bürgerversammlung verärgert auf die öffentlich vorgetragene Beschwerde reagiert, die jedoch von anderen Anwohnern bestätigt wurde. Auch in seiner Stellungnahme gegenüber der Stadt München pochte er darauf, dass das Glockenläuten Ausdruck der im Grundgesetz festgeschriebenen Ausübung der Religionsfreiheit sei. Zudem handle es sich bei der Kirche Maria Ramersdorf um ein besonders schützenswertes Kulturgut. Vor jeder vollen Stunde würden die Glocken auch nicht fünf, sondern längstens vier Minuten am Stück geläutet. Zudem habe man die Läutintensität im Laufe der Jahre bereits reduziert. So erfolge beispielsweise kein Wandlungsläuten mehr.

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