Gondel-Drama von Venedig

Kinder wollten ihren toten Vater nochmal sehen

Prof. Joachim Vogel starb wirklich an einem Schlag gegen den Oberkörper, ergab die Obduktion.dpa

München - Knapp über eine Woche nach dem Gondel-Drama von Venedig steht nun der Termin für die Beerdigung von Joachim V. fest. Außerdem haben die Kinder des Opfers darum gebeten, ihren toten Vater noch einmal sehen zu wollen.

Es ging alles so schnell: „Wir haben aus der Gondel geschrien, aber das Vaporetto hat uns gerammt und ist weitergefahren, als sei nichts gewesen“, rekonstruiert Gundula V. (42) erstmals selbst das Unglück auf dem Canal Grande in Venedig. Ihr Mann und Familienvater Joachim, ein Münchner Professor, sackt zusammen, kommt in die Klinik – und alles, was die Frau, die verletzte Tochter (3) und die Buben (7 und 9) danach erfahren, ist eine Todesnachricht. Dabei soll es nicht bleiben.

„Die Kinder haben sich gewünscht, ihren Vater noch einmal zu sehen“, sagt der Anwalt und Freund der Familie, Prof. Lorenzo Picotti, aus Verona der tz. Obwohl das in Italien nach einer Obduktion unüblich ist, wird ihr Wunsch erfüllt: Der Anwalt hat in Rom einen der wenigen Spezialisten gefunden, der den Leichnam wieder herrichtet. Das Honorar von 1800 Euro übernehmen die Gondolieri. Am Montag wollen die Behörden die Freigabe erteilen, danach kann die Familie die Leiche nach Deutschland überführen. Dann können sich die Kinder von ihrem Vater verabschieden. Am Freitag findet die Beerdigung in Tübingen statt – Delegationen von Gondolieri und der Stadt Venedig haben sich angekündigt.

Anwalt Picotti hat die Witwe über den angeblich positiven Kokain- und Haschisch-Test des Gondoliere Stefano Pizzaggia (25) informiert (tz berichtete). Sie habe sich dazu nicht geäußert. Auch zuvor habe dessen Verhalten keine Rolle in den Gesprächen gespielt. Stattdessen klagt Gundula V. in ihrer Rekonstruktion des Unglücks, die der Anwalt den Medien übermittelte, über den Wasserbus. Anwalt Picotti selbst sieht zumindest keine direkte Verbindung zu dem Unglück, weil die Gondel am Steg stand, als der Wasserbus sie rammte. Der Professor will aber die Ermittlungen abwarten.

Der Gondoliere-Anwalt weist die Vorwürfe vehement zurück. „Mein Mandant verneint, dass er unter Drogen stand“, sagt Pizzaggias Verteidiger Gabriele Annì der tz. Es müsse ein Fehler vorliegen, der Anwalt hat zwei Toxikologie-Professoren eingeschaltet. „Er hat das Vorsichtigste getan, das er hätte tun können“, sagt der Anwalt. Pizzaggia habe am Steg warten wollen, bis sich das Wasserbus-Chaos auflöst. Das könne die Witwe bestätigen. Eine Durchsuchung von Haus und Boot habe nichts ergeben. Der einzige Mensch, den Pizzaggia zuletzt gesehen habe, sei ein Psychiater.

David Costanzo

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