Deutsche Konsulin berichtet in der tz

Gondel-Opfer: So tapfer ist seine Familie

Joachim V. starb am vergangenen Wochenende in Venedig.

Tübingen - Witwe Gundula V. , die beiden älteren Buben und die dreijährige verletzte Tochter sind ganz tapfer, berichtet Paola Nardini (53), die sich als Honorarkonsulin um die Hinterbliebenen des Gondel-Opfers von Venedig kümmert.

Der Ehemann ist tot, der Papa ist gestorben: Die Familie V. ist nach dem Gondel-Drama zurück in Deutschland – in Tübingen, wo der verstorbene Prof. Joachim V. an der Uni lehrte, bis er im vergangenen Jahr nach München gerufen wurde. Die Witwe Gundula V. , die beiden älteren Buben und die dreijährige verletzte Tochter sind ganz tapfer, berichtet Paola Nardini (53), die sich als Honorarkonsulin in Venedig um die Familie kümmert. Die Anwältin sagt der tz: „Das ist eine ganz starke Familie, und sie ist eine sehr starke Frau und Mutter.“

Die Konsulin hält den Kontakt, seit sie noch am Samstag nach dem Unglück in die Klinik in Padua geeilt war, wo die Tochter in der Plastischen Chirurgie operiert wurde. Am MIttwoch telefonierte sie zwei Mal mit der Witwe, um Formalitäten zu besprechen – Ermittlungen, Freigabe und Überführung der Leiche. „Sie ist mit diesen Tätigkeiten belastet“, sagt Nardini, die als Anwältin in Berlin und Venedig arbeitet.

Paola Nardini kümmert sich als Honorarkonsulin in Venedig um die Familie

Außerdem bricht der Unglücksfahrer des Vaporetto sein Schweigen: Emanuele Venerando hat der Witwe einen Brief geschrieben, den Konsulin Nardini weitergeleitet hat. Über den Inhalt dürfe sie nicht sprechen. Nur so viel: „Er fühlt mit der Familie.“ Der Fahrer war mit seinem Wasserbus gegen die Gondel geknallt, gegen ihn ermittelt der Staatsanwalt wegen fahrlässiger Tötung. Darüber hinaus machte der Beschuldigte erstmals auch gegenüber den Ermittlern Angaben zum Unfall, bei dem die Kinder die tödliche Verletzung ihres Vaters mitansehen mussten.

Über die drei Kleinen spricht die Konsulin voller Bewunderung. „Sie sind ganz außergewöhnliche Kinder – so brav und lieb!“ Die Mama habe ihnen die traurige Nachricht erst am Sonntag mitgeteilt, nachdem der Bruder des Toten und eine Freundin der Familie in Italien eingetroffen waren. „Sie muss jetzt stark sein und ihre Kinder schützen. Und genau das tut sie jetzt“, sagt die Konsulin. Die ganz Kleine habe wohl nicht viel von dem Unglück realisiert. Während der Älteste, gerade neun Jahre alt, den Unfall genau rekonstruieren könne. „Er weiß ganz genau, was passiert ist.“ Die Konsulin ist zuversichtlich, weil die Kinder so großartig seien: „Sie können auch der Mutter helfen.“

Gondolieri kommen zur Beerdigung

Ein Termin für die Beerdigung steht noch nicht fest, weil Staatsanwalt Roberto Terzo das Verfahren erweitert. Der Chef-Ermittler hat die Obduktion der Leiche verfügt. Rechtsmediziner sollen die Todesursache klären – ob Joachim Vogel wirklich am Aufprall des Vaporetto gestorben ist oder ob sich sein Zustand etwa durch die Herzmassage eines Ersthelfers verschlimmert hat (tz berichtete). Jetzt ermittelt der Staatsanwalt gegen zwei weitere Wasserbus-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung, weil sie den Unglückspiloten erst zu dem tödlichen Ausweichmanöver gezwungen haben könnten. Gegen Gondoliere Stefano Pizzaggia (26) gibt es keine Vorwürfe. Derzeit werden Dutzende Zeugen gehört und Videos ausgewertet. Zur Beerdigung möchten Venedigs Bürgermeister Giorgio Orsoni und eine Gondolieri-Delegation kommen.

David Costanzo

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