Wo Google Street View schwindelt

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Google Street View ist in München gestartet

München - Seit Donnerstag kann man durch München spazieren, ohne aus dem Haus zu gehen – virtuell. Und sich anschauen, wie Google Street View eine bekannte Münchner Straße verstümmelt:

Die Street-View-Panne in Bildern

Google verstümmelt bekannte Münchner Straße

Der umstrittene Dienst „Street View“ des Internetriesen Google bringt Panorama-Ansichten der meisten Straßen auf den Computer-Bildschirm. Allerdings sind die Bilder nicht aktuell. Und manchmal schwindeln sie.

Man zieht im Straßenkarten-Dienst Google Maps ein orangefarbenes Männchen auf die Karte, und schon ist man mittendrin: Die Karte verschwindet, und es erscheint das Bild jener Straßenflucht, in der man das Männlein abgesetzt hat. Mit Maus- und Tastaturbefehlen kann man nun den Blick nach links und rechts, oben und unten wenden, dem Straßenverlauf folgen oder abbiegen – überall hin, wo in den letzten zwei Jahren die Google-Kamerafahrzeuge unterwegs waren.

Abermillionen von Einzelbildern haben sie aufgenommen, die dann mit Spezialsoftware zu einem virtuellen Stadtbild zusammengesetzt wurden. Nicht immer gelang das fehlerfrei: Die Wirklichkeit ist halt arg kompliziert, und wenn man Bilder zusammensetzen muss, die aus unterschiedlichen Perspektiven fotografiert wurden, geht schon einmal etwas verloren. Wer per Street View den Viktualienmarkt besuchen will, passiert etwa ein Straßenschild, auf dem „Fenstraße“ zu lesen ist. Des Rätsels Lösung: Die „Frauenstraße“ am Viktualienmarkt ist beim Verschmelzen der Bilder selbst eingeschmolzen worden. Am nächsten Schild, immerhin, ist der Name wieder korrekt zu lesen.

Street-View-Bilder aus München

Streetview startet in München - die ersten Bilder

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat den US-Konzern denn auch eindringlich aufgerufen, die Datenschutzregeln einzuhalten. Anders als in anderen Ländern war Street View bereits im Vorfeld auf heftigen Widerstand von Politikern und Datenschützern gestoßen. Unter anderem hatte Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) den Dienst als Eingriff in die Privatsphäre kritisiert. Verleger Hubert Burda warf dem Internet-Riesen zudem vor, viel Geld mit Inhalten zu verdienen, die von anderen teuer erzeugt worden seien.

Doch unbestritten ist: Mit Google Street View lässt sich trefflich spielen. Die virtuelle Entdeckungsreise macht Spaß, und ohne Aufwand sind auch jene Ecken der Stadt erreicht, die man schon lange ansehen wollte, die aber fernab der täglichen Wege liegen. Ob man von der Barlachstraße aus den Grünstreifen des Petuelparks beäugt, unter dem die Blechlawine des Mittleren Rings verschwunden ist, ob man den Löwen vor der Residenz Grüß Gott sagt oder die Asamkirche an der Sendlinger Straße zumindest von außen bewundern will – mit ein paar Mausklicks ist alles getan. Eine schnelle Internetverbindung sollte man aber haben, sonst artet die virtuelle Stadtrundfahrt in ein Geduldsspiel aus.

Eines muss Street-View-Reisenden immer bewusst sein: Was sie sehen, ist bereits jetzt bis zu zwei Jahre alt. Und so blickt, wer auf der Leopoldstraße nach Norden navigiert, plötzlich auf eine Großbaustelle, die längst Geschichte ist: Heute steht hier der Busbahnhof Münchner Freiheit. Wer sein Haus nachträglich unkenntlich machen will, stellt den Antrag am bequemsten, indem er es in Street View sucht und in der linken unteren Bildecke den Link „Ein Problem melden“ anklickt.

Peter T. Schmidt

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