Münchner Friedhöfe: Immer mehr Gräber bleiben leer

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Bald eine Seltenheit? Ein Grabstein auf dem Waldfriedhof. Prognosen zufolge werden dort 2025 24 000 Gräber unbelegt sein – ähnliches droht allen Friedhöfen.

München - Auf den Münchner Friedhöfen herrscht Totenstille – immer mehr Gräber bleiben leer. Peter Kotzbauer, Leiter des Städtischen Bestattungsdienstes, schlägt Alarm:

„Die Schere zwischen den aufgegebenen und den neu erworbenen Gräbern wird bedenklich groß.“

Ein Bericht des Gesundheitsauschusses zeigt die Ausmaße: Demnach ist die Zahl der freien Gräber auf den 29 Münchner Friedhöfen in den vergangenen 19 Jahren um knapp 27 000 auf über 40 000 gestiegen. Die Auslastung ist um fast zehn Prozent gesunken, von 94,5 Prozent auf 85,9 Prozent. Ein Grund dafür ist die immer älter werdende Gesellschaft und die damit verbundenen sinkenden Sterbefallzahlen. „Dazu kommen viele weitere Gründe wie steigende Scheidungsraten oder die Tatsache, dass sich die jungen Angehörigen weniger an einen Ort binden wollen, um für die Arbeit flexibel zu bleiben.“ Auch die Zahl der Bestattungen im Ausland steige.

Oder sind viele junge Münchner einfach zu egoistisch? „Ich bemerke die Tendenz, dass immer weniger Angehörige zwischen 20 und 40 Jahren bereit sind, ein Grab zu pflegen. Das ist dramatisch: Erben können sie, aber Arbeit wollen sie nicht haben.“

Die Zahl der Feuerbestattung hat deutlich zugenommen: Lag der Anteil 1990 noch bei 37 Prozent, lag er 2009 bei 58 Prozent. Womöglich sind auch die Kosten ein Faktor: Ein Erdgrab in erster Reihe kostet 69 Euro pro Jahr bei zehnjähriger Pacht, ein Urnengrab in erster Reihe lediglich 49 Euro.

Und es wird noch gespenstischer werden auf Münchens Friedhöfen: Das Referat für Gesundheit und Umwelt prognostiziert für das Jahr 2025 insgesamt 76 500 freie Gräber. Die Stadt ist im Zugzwang, die finanziellen Verluste sind hoch. Sie muss die Friedhöfe attraktiver machen: Seit 2006 gibt es beispielsweise Urnenbeisetzung unter Bäumen, das verhindert auch das Abwandern in Friedwälder, wie es sie etwa in der Schweiz gibt. Am Waldfriedhof, Westfriedhof und dem Neuen Südfriedhof wurden und werden hunderte neue muslimische Grabplätze geschaffen. Und für den Herbst sind Urnengemeinschaftsanlagen geplant, in denen sich mehrere Familienmitglieder bestatten lassen können.

„Mir liegt am Herzen, dass das klassische Erdgrab nicht verloren geht“, sagt Kotzbauer. „Ich bemühe mich, die Angehörigen im persönlichen Gespräch zu überzeugen, dass die Kommunikation mit Verstorbenen und die Erinnerung an solch einem Ort einfacher sind – manchmal klappt das auch.“

mc./bw./nba.

Bestattungsarten

Jahr Sargbestattungen Urnenbestattungen davon anonym Anteil Sarg Anteil Urne Anteil anonym
1990 8.450 5.059 423 63% 37% 3,1%
1995 7.351 5.153 513 59% 41% 4,1%
2000 6.257 5.430 610 54% 44% 5,2 %
2001 6.018 5.661 721 52% 48% 6,2%
2002 5.924 5.603 647 51% 49% 5,6%
2003 5.815 6.298 1.032 48% 52% 8,5 %
2004 5.127 5.728 720 47% 53% 6,6%
2005 5.114 5.743 849 47% 53% 7,8%
2006 5.072 5.703 893 47% 53% 8,3%
2007 4.651 6.059 874 43% 57% 8,2%
2008 4.745 6.572 977 42% 58% 8,6%
2009 4.629 6.313 711 42% 58% 6,5%

Quelle: Referat für Gesundheit und Umwelt

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