60 Graffitikünstler machen Kunst

Donnerwetter, diese Donnersbergerbrücke!

+
Graffitikunst unter der Donnersberger Brücke

München - Zeit wird’s, dass die Donnersbergerbrücke aufgehübscht wird, und dafür sorgen derzeit Streetart-Künstler, die noch bis Mitte September die Pfeiler unter der Brücke südlich der Arnulfstraße besprühen.

Sie ist die meistbefahrene Brücke Europas und nicht gerade eine Schönheit – auch wenn der Blick von ihr Richtung Stadt atemberaubend ist. Doch Zeit wird’s, dass die Donnersbergerbrücke aufgehübscht wird, und dafür sorgen derzeit Streetart-Künstler, die noch bis Mitte September die Pfeiler unter der Brücke südlich der Arnulfstraße besprühen. Das Ergebnis ist bunt, schillernd und witzig. Wir sahen uns unter der Brücke um, sprachen mit den Machern – und stellten fest, dass die Künstler alle unentgeldlich für die Verschönerung unserer Stadt sorgen.

Erinnerung an die verstorbene Fotografin Tanja Mai

Der Clown auf dem großen Foto gleich links vorne bringt ganz gut auf den Punkt, wie man sich jetzt unter der Donnersbergerbrücke fühlen darf: ein wenig high. Auf jeden Fall inspiriert. „Ich wollte mit dem Clown einfach den Menschen Freude bringen, die hier im Stau stehen oder einen stressigen Alltag hinter sich haben“, sagt Graffiti-Künstler Carl Kenz, der aus Kaiserslautern angereist ist. Das Gros der Künstler, teilt uns Nadja Voß mit – sie hat das schrille rothaarige Mädel auf dem untersten Foto links geschaffen – kommt aus München. Die vorderen beiden Säulen gleich an der Arnulfstraße, erklärt sie, müssten freibleiben – hier sind Werbeplakate, zudem wäre die Absperrung und die Arbeit zu riskant gewesen: zu nah an der Straße und dem Radlweg.

Die Künstler arbeiten unentgeltlich. Umso nobler, da ein Haufen Arbeit dahintersteckt. „Pro Stunde erhält etwa ein Grafiker so um die hundert Euro, und die Arbeitszeit an einem Pfeiler von den Vorskizzen, die die Stadt sehen wollte, über die Grundierung und die Gestaltung dauert etwa drei bis fünf Tage“, sagt Stefan Penn von Writers Corner München (WCM), der die insgesamt drei „Bauabschnitte“ seit 2011 organisiert. Hinzu kommt Nerviges – so berichtet Penn, dass der Kaiserslauterner Kollege Lenz einen Tag damit beschäftigt war, dass die Polizei Autos abschleppte, die im Halteverbot vor seinem Pfeiler standen …

Das Baureferat unterstützt jeden der drei Bauabschnitte mit 5000 Euro. Los ging’s 2011 mit der Gestaltung der beiden Auffahrtsrampen, 2012 wurde mit den Wänden begonnen, die ans S-Bahngleis anschließen (hier wird immer noch gearbeitet wegen Verzögerungen bei den Bauarbeiten auf der Brücke), heuer sind die mächtigen, für alle sichtbaren Pfeiler unter der Brücke dran. Mitte September soll alles fertig sein.

Die Straßenstiftung der Stadtsparkasse München beteiligt sich mit 10 000 Euro. Beide Sponsoren sorgen fürs Material – von den Leitern bis zu den rund 15 000 Spraydosen, die das Projekt braucht.

Insgesamt 60 Künstler beteiligen sich am Kunstprojekt im öffentlichen Raum. Ob die Donnersbergerbrücke noch bunter wird, andere Pfeiler drankommen? Abwarten. Schön wär’s.

Dummer Schmierfink

Vor rund einem Monat hat ein Schmierfink einige der Graffiti-Kunstwerke verschandelt. Die Hälfte der Schäden ist mittlerweile ausgebessert, der Rest folgt baldigst – dafür müssen die Künstler nochmals Hand anlegen und die betroffenen Stellen übersprühen. Dennoch ist das Veranstaltungs-Team zufrieden: „Es ist der erste Vorfall in über zwei Jahren. Daran merkt man schon, dass die Kunstwerke in der Öffentlichkeit auf breite Akzeptanz stoßen und respektiert werden“, betonen Nadja Voß und Stefan Penn. Man hat bereits einen Verdacht, wer der Übeltäter sein könnte. Zudem, so Penn, wurden die Vorsichtsmaßnahmen verschärft.

Matthias Bieber

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Nach Stau auf der Stammstrecke - Lage normalisiert sich wieder
S-Bahn: Nach Stau auf der Stammstrecke - Lage normalisiert sich wieder
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Entmietung! Es ist derselbe Bauherr, der denkmalgeschütztes Haus abreißen ließ
Entmietung! Es ist derselbe Bauherr, der denkmalgeschütztes Haus abreißen ließ

Kommentare