„Es ist eine schwere Zeit“

So geht es den Opfern nach dem Amoklauf in Grafing Bahnhof

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Zeitungsausträger Johannes B. ist gelähmt.

Die Bluttat von Grafing schockte damals den ganzen Ort. Über ein Jahr danach mussten sich die Opfer und die Witwe des Verstorbenen die Tat nochmal anhören.

München - Diese drei Männer hat der Messerstecher schwer verletzt. Zeitungsausträger Johannes B. (59) ist durch die Stiche bis heute gelähmt. Nur mithilfe eines Rollators konnte er zum Gericht kommen, wo er als Nebenkläger auftritt. „Mein Leben war von heute auf morgen nicht mehr dasselbe. Ich bin froh, dass ich noch lebe.“

Einige Nerven im Rücken wurden bei der Attacke durchtrennt, sein rechtes Bein kann B. kaum noch bewegen. Er sagt: „Ich komme nur noch mit Gehstützen voran.“ Nächstes Jahr geht er in Rente. „Viel bleibt mir nicht fürs Alter bei dem Verdienst, den ich vorher hatte.“

„Ich fragte, ob er Hilfe braucht“

Speditionskaufmann Jens O. (44) hatte Frühdienst, mit dem Rad fuhr er zum Bahnhof. Dort traf er gegen 4.40 Uhr auf den Täter. „Er saß mitten auf einer Verkehrsinsel. Ich dachte, er kommt vom Volksfest und ist betrunken. Ich fragte, ob er Hilfe braucht.“

Da sei Paul H. urplötzlich hochgeschnellt, habe das Messer gezückt und zugestochen. „Ich hatte sofort Schmerzen.“ Jens O. rannte zur S-Bahn, doch der Killer hinterher. „Ich habe mich mit meiner Tasche gewehrt. Das hat mir das Leben gerettet.“

Auch auf Jens O. ging der Messerstecher los.

Kraftfahrer Manfred M. (56) sah zuerst nur zwei Füße – und spürte dann einen Stich. „Ich hab dann nur noch das Taxi gesehen und bin dorthin gerannt.“ Der Fahrer fuhr ihn sofort ins Ebersberger Krankenhaus.

So geht es der Witwe

Ganz in Schwarz und mit dunkler Sonnenbrille sitzt Simona W. im Gerichtssaal. Weil Paul H. auf ihren Mann Siegfried eingestochen hat, wurde sie zur Witwe. „Wie soll man so etwas verkraften?“, sagt sie. „Ich versuche es eben, so gut es geht.“

Im Gerichtssaal traf Simona W. auf den Mörder ihres Mannes.

Dann stockt ihre Stimme. Der Schmerz des Verlustes plagt Simona W. Ihr Sohn macht gerade Abitur. „Es ist eine schwere Zeit. Wir versuchen stark zu bleiben“, sagt sie. Im Gerichtssaal musste sie mit anhören, wie Paul H. den Mord schilderte:

„Ich dachte, ich muss alle töten. Den Mann hatte ich am Bahnsteig gesehen, dort habe ich schon auf ihn eingestochen und ihn am Hals geschnitten. Genau dort wollte ich ihn treffen. Danach habe ich ihn die Brust gestochen.“

„Habe in sein Herz gestochen. Neun Mal“

In der Bahn ging es weiter. „Ich hatte ihn aufgefordert, sich hinzulegen. Das hat er gemacht. Ich stand seitlich von ihm, habe mich heruntergebeugt und in sein Herz gestochen. Neun Mal.“

Danach wollte Paul H. seinem Opfer sogar noch den Kopf abtrennen. „Ich dachte, ich muss das machen, um zu konvertieren. Das kannte ich aus Videos. Aber ich hatte dann keine Kraft mehr.“

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