tz-Umfrage: Stärken und Schwächen der Stadt

Grantler oder Zufriedene? So stimmt Ihr Viertel ab

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Was ist eigentlich typisch München?

München - Wo leben die Zufriedenen? Wo die Grantler? Zum Abschluss unserer Serie schauen wir in die Stadtteile. Fast 2800 Menschen haben bei der tz-Umfrage mitgemacht.

Zusammen mit unseren renommierten Partnern der Markenberatung Biesalski & Company und der Kommunikationsagentur Serviceplan wollten wir wissen, wo die Stärken und Schwächen der Stadt liegen. In den Vierteln gehen die Antworten auseinander. Man sollte die Ergebnisse aber nicht auf die Goldwaage legen, weil sie für die Stadtteile nicht repräsentativ sein können. Interessant sind ihre Angaben trotzdem:

1. Altstadt-Lehel: Hier kommen und gehen die Nachbarn – es herrscht mit die höchste Umzugsrate. Folge: Im Herzen der Stadt gibt es das geringste Heimatgefühl. Nicht einmal die Unis können die Nachbarn begeistern.

2. Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt: Wohnungen für nicht so reiche Münchner? Nicht bei uns! Im Viertel werden die schlechtesten Noten für den Sozialwohnungsbau vergeben.

3. Maxvorstadt: Sie sind Kosmopoliten und kommen mit München klar: In der Maxvorstadt haben die meisten Nachbarn schon in anderen Städten gelebt. Sie finden, dass die Stadt ihren Preis wert ist.

4. Schwabing West: Klar: Am Olympiapark loben die Nachbarn die Grünflächen der Stadt – das Umland brauchen sie darum am seltensten.

5. Au-Haidhausen: In München kommt keine Langeweile auf? Da stimmen die Einwohner am seltensten zu.

6. Sendling: Nicht in Giesing, sondern in Sendling ist die Heimat der Löwen-Fans – zumindest sagen das die Teilnehmer unserer Umfrage. Die Nachbarn bewerten auch den Wirtschaftsstandort am stärksten.

7. Sendling-Westpark: Hier ist man am unzufriedensten mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis in den hiesigen Gaststätten.

9. Neuhausen-Nymphenburg: Mitten im dicht bebauten Wohnviertel fährt es sich am schlechtesten – mieseste Werte für den Autoverkehr.

10. Moosach: Viele, viele Traumnoten vergeben die Moosacher: Nahverkehr-Netz, Radlwege und sogar Autoverkehr – alles auf einmal! Unter den Mieten ächzen sie aber am lautesten.

11. Milbertshofen-Am Hart: Die freundlichen Sorgenkinder: Die Befragten sind den Touristen am entgegenkommendsten gestimmt – aber im industriellen Norden bewerten sie die Jobaussichten auch am negativsten.

13. Bogenhausen: Hier gibt’s kaum Spitzenwerte, aber die Einheimischen bewerten die Stadt insgesamt recht überdurchschnittlich – etwa in Sachen Sauberkeit, Umland und Heimatgefühl.

14. Berg am Laim: Überraschung! In Berg am Laim sind die Menschen mit am zufriedensten – zum Beispiel mit den Jobs, der Kultur und Freizeit, mit der Medizin. Die größte Zustimmung gibt’s hier auch für das Oktoberfest.

15. Trudering-Riem: Und hier an der Messe wollen die Löwen ihr neues Stadion (vielleicht) einmal bauen? Die Nachbarn sind dem TSV 1860 gegenüber mit am negativsten eingestellt. Kann sich ja noch ändern …

16. Ramersdorf-Perlach: Am Stadtrand ist der Verkehr ein Riesenthema: Die Einwohner sind am unzufriedensten mit den Radwegen und ärgern sich mit am meisten über Staus auf den Straßen – aber beim Nahverkehr sind sie vorn dabei.

18. Untergiesing-Harlaching: Kann das sein? Ausgerechnet rund um die Säbener Straße bewerten die Nachbarn den FC Bayern am schlechtesten? (Auch die Löwen schneiden nur durchschnittlich ab.) Muss ein Fehler sein …

19. Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln: Im südlichsten Bezirk der Stadt sind die Menschen noch am ehesten einverstanden mit den Preisen im Nahverkehr. Dafür stöhnen sie über die Unpünktlichkeit.

20. Hadern: Entschuldigung, aber leben hier die Grantler der Stadt? Gleich in neun Kategorien geben die Bewohner die schlechtesten Zensuren – Touristen, Spießigkeit, Attraktivität, Oktoberfest …

21. Pasing-Obermenzing: Englischer Garten? Danke, aber wir haben den Schlosspark in Nymphenburg und die Würm!

22. Aubing-Lochhausen-Langwied: Sieben Minusnoten kassiert die Stadt am Stadtrand – zum Beispiel fühlen sich die Nachbarn nachts am unsichersten, halten die Stadt für am dreckigsten und den Nahverkehr für am löchrigsten.

24. Feldmoching-Hasenbergl: Da kann man sagen, was man will: In der Umfrage demonstrieren die Teilnehmer aus dem Viertel das stärkste Heimatgefühl!

25. Laim: Hier gibt’s viele mittlere Bewertungen – nur bei der Sicherheit sind die Laimer eher unten, aber beim Nahverkehr weit oben dabei.

"Der Reiz des Neuen"

Wo liegen die Stärken der Stadt? tz-Partner und Serviceplan-Boss Ronald Focken (52) bewertet die Ergebnisse.

Die größten Unterschiede haben wir zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen gefunden. Was zeigt das? 

Focken: Wenn man in einer Stadt aufgewachsen ist, nimmt man vieles als selbstverständlich wahr – Freizeitmöglichkeiten, FC Bayern in der Champions League, Sicherheit. Die Zugezogenen kennen die Unterschiede und wissen, was die Stadt alles zu bieten hat.

Stadt und Umland unterscheiden sich kaum in der Bewertung.

Focken: Viele, die nach draußen ziehen, haben vorher in der Stadt gelebt. Sie fühlen sich als Städter, wohnen aber im ländlichen Gebiet. Das gibt es fast in keinem Ballungsraum.

Das Umland bewertet nur den Nahverkehr schlechter – die S-Bahn!

Focken: Wenn wir aus der Stadt fahren, geht’s an den Starnberger See oder Ammersee. Da ist es schon etwas anderes, wenn man jeden Tag mit den Problemen der S-Bahn zu kämpfen hat.

Würde so eine Umfrage auch in anderen Städten so gut ausfallen?

Focken: Die Hamburger haben noch eine hohe Identifikation mit ihrer Stadt. Man bekommt die ja kaum in den Süden. Erst, wenn sie da sind, merken sie, dass es ganz toll ist. Da haben wir ein paar Beispiele in der Agentur. Es gibt sicher sonst kaum Ballungs­räume, die sich selbst so ein gutes Zeugnis ausstellen würden.

"Eine starke Marke"

82 Prozent vertrauen auf München: Da geht unserem Partner Alexander Biesalski (43) das Herz auf. Sonst bewertet er mit seiner Markenberatung Biesalski & Company Markenartikel.

Was zeigen die Ergebnisse?

Biesalski: München emotionalisiert! Wie wohl kaum eine andere deutsche Stadt ist München mit einem klaren, sympathischen und vertrauenerweckenden Vorstellungsbild in den Köpfen und Herzen verankert.

Warum sind diese Faktoren wichtig?

Biesalski: Sie beschreiben Markenstärke, die aus der Wahrnehmung und emotionaler Bindung entsteht. Starke Marken schaffen Begehrlichkeit.

Wie fällt der Vergleich mit echten Markenartikeln aus?

Biesalski: Im Fachjargon würden wir sagen: München ist eine Power Brand. Mit zum Teil bis zu 90 Prozent Zustimmung drücken die Münchner ihre hohe Verbundenheit aus. Kundenbefragungen bei starken Markenartikeln kommen nur auf 60 bis 70 Prozent.

Welchen Sinn ergibt es, eine Stadt mit einem Markenartikel zu vergleichen?

Biesalski: Sehr viel! Wie klassische Markenartikel versuchen Städte, durch ein positives Image wirtschaftlich erfolgreicher zu sein. Bezogen auf eine Stadt heißt das vereinfacht: zufriedene Anwohner, wiederkehrende Besucher und attraktive Unternehmen. Allen gemeinsam ist, dass sie die Einnahmen erhöhen. Der gute Name von München ist sehr viel wert!

David Costanzo

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