Stadt ist ein Viren-Brennpunkt

"Die Grippe hat München fest im Griff"

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Fieber, Husten, Heiserkeit: Derzeit legt die H3N2-Influenza den Freistaat lahm.

München - 2709 Influenza-Fälle gibt es offiziell in Bayern - Dunkelziffer unbekannt. Und die Faschingstage dürften noch einmal für einen neuen Infektionsschub sorgen. Besonders München hat die Grippe fest im Griff.

Die Kurve zeigt steil nach oben. Tag für Tag werden neue Infektionen gemeldet, ganz Bayern scheint derzeit flach zu liegen. Die Grippe hat uns fest im Griff. 2709 Fälle wurden seit Jahresanfang den Gesundheitsbehörden im Freistaat gemeldet. Und die aktuellen Faschingsaktivitäten dürften noch einmal für einen neuen Infektionsschub sorgen.

Die Vorjahreszahlen dürfe man jedoch nicht für einen seriösen Vergleich heranziehen, betont das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Im Februar 2014 waren zum gleichen Zeitpunkt gerade mal 495 Fälle gemeldet – aber im vergangenen Winter fand die Influenza im Grunde überhaupt nicht statt. Die Kurve deckt sich dagegen fast identisch mit dem Verlauf im Winter 2012/13. Und 2010/11 gab es zum gleichen Zeitpunkt sogar deutlich mehr Fälle. „Es ist bis jetzt durchaus eine ganz normale Grippewelle“, heißt es beim LGL. Es bestehe kein Grund zur Besorgnis.

Patienten gehen lieber ins Krankenhaus - überfüllte Notaufnahmen

Dass die aktuelle Zahl der Erkrankungen als dramatisch wahrgenommen wird, hat mehrere Gründe. Das Influenza-Virus hat sich heuer sehr schnell verbreitet. Da es zudem den Trend gibt, eher ins Krankenhaus als zum Hausarzt zu gehen, kommt es in einigen Kliniken zu überlaufenen Notaufnahmen und Betten auf den Gängen. So schlugen beispielsweise die Krankenhäuser in Nürnberg, Fürth und Traunstein Alarm. „Die Notfall-Aufnahmen in den Krankenhäusern sind verstopft mit Patienten, die da eigentlich nicht hinmüssten“, sagt Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Bayerischen Kranken­hausgesellschaft. Dafür sei der ärztliche Bereitschaftsdienst zuständig.

Ein gebietsweise grassierender Norovirus sowie die generell angespannte Personalsituation in den Krankenhäusern der Großstädte verschärfen die Situation überdies – gerade hier gibt es nämlich die meisten Ansteckungen (siehe Kasten unten). „Wo viele Menschen zusammenkommen, ist auch das Infektionsrisiko größer“, so das LGL. Ob die Grippewelle schon ihren Höhepunkt erreicht hat, vermag man dort nicht zu sagen, „wir können nicht spekulieren“.

LGL empfiehlt auch jetzt: Möglichst gegen Grippe impfen lassen

Auffallend ist auch, dass es in diesem Winter auch viele Menschen erwischt, die sich impfen ließen. Das habe seinen Grund in einem sogenannten Gendrift, heißt es beim LGL. Der Erreger der aktuellen H3N2-Influenza, die derzeit in Europa dominiert, unterscheide sich von dem bisher bekannten H3N2-Erreger, so dass die Impfungen nicht die volle Wirkung zeigen. „Das gelingt mal besser, mal schlechter“, so das LGL.

Trotzdem empfiehlt das LGL, sich impfen zu lassen, „das bringt auch jetzt noch was“. Der Krankheitsverlauf sei leichter, was besonders für die Risikogruppen (alte Menschen, chronisch Kranke, Kleinkinder) wichtig sei. Elf Todesfälle seien bisher in diesem Winter zu beklagen. Wichtig sei zur Vorbeugung vor Infektionen Hygiene im Alltag (Hände waschen), Vermeidung von Kontakt mit Angesteckten sowie viel frische Luft.

München ist ein Grippe-Brennpunkt

München bleibt Brennpunkt der Influenza – die Fieberkurve steigt weiter! Allein in der vergangenen Woche meldeten die Ärzte und Kliniken 539 neue Infektionen aus den Virenlabors dieser Stadt. Dabei waren es in den sechs Wochen zuvor seit Jahresbeginn gerade einmal 850 insgesamt gewesen. Und das sind nur die bestätigten Fälle, im Normalfall wird kaum ein Arzt bei Fieber, Schmerzen und Husten einen Abstrich machen. Zum Vergleich zu den 1389 Grippe-Nachweisen heuer die Zahl aus dem – ausgesprochen milden – Vorjahr: Da gab es nur 165 Influenza-Fälle! „Ein steiler Anstieg“, sagt die Sprecherin des Gesundheitsreferats. „Die Grippe hat München fest im Griff.“ Zur Vorbeugung helfe vor allem gutes Händewaschen. Und wer sich krank fühle, soll sich nicht ins Büro schleppen und seine halbe Abteilung anstecken.

dac/vp

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