1. tz
  2. München
  3. Stadt

Die große Demo für Dominik Brunner

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Dominik Brunner starb am Bahnhof in Solln. © dpa

München - Dominik Brunner zahlte mit seinem Leben, weil er sich schützend vor Kinder stellte. ­Dominik Brunner wurde zum Symbol für Zivilcourage. Einer, der nicht wegsieht.

Lesen Sie auch:

Gedenken an Dominik Brunner: Wir verschenken Herzen

Die ohnmächtige Trauer seiner Hinterbliebenen können wir nicht lindern. Aber wir können dafür sorgen, dass Brunners Tat weiterlebt und Früchte trägt. Aufstehen gegen Gewalt, sich gegenseitig schützen, eines Sinnes sein.

Trauerfeier für Dominik Brunner

Fotos

Dafür ist die Veranstaltung am Sonntag auf dem Odeonsplatz gedacht. „Nimm Dein Herz in die Hand“ ist eine Groß-Demo in Gedenken an Dominik Brunner (51). Ab 14 Uhr sprechen Ministerpräsident Horst Seehofer, OB Christian Ude und FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Die Sportfreunde Stiller treten auf, Schüler des Luitpold-Gymnasiums verteilen Herzen, und auch CityPartner München unterstützt den Appell der Dominik-Brunner-Stiftung. Kommen Sie zum Odeonsplatz! Zeigen Sie der Gewalt die Stirn – und beweisen Sie, dass München die Weltstadt mit Herz ist.

Mit Musik für mehr Courage

null
Peter Brugger (r.) tritt mit den Sportfreunden Stiller auf. © dpa

Peter Brugger von den Sportfreunden Stiller erinnert sich an die Ohnmacht, die er empfand, als er vom Schicksal Dominik Brunners erfuhr: „Wenn du in München lebst, glaubst da ja, dass solche Sachen ganz weit weg sind und höchstens in der Bronx passieren“, sagt er der tz. „Aber es war in Solln, mitten in unserem Leben.“ Dennoch bewahrt Brugger einen klaren Kopf: „Man darf nicht sagen, dass früher alles besser war, weil das einfach nicht stimmt. Aber: Es gibt heute bei vielen jungen Leuten eine Unsicherheit, eine Perspektivlosigkeit. Ich habe das Gefühl, dass ganz viele junge Menschen nicht mehr aufgehoben sind in ihrem Leben. Und dann äußert sich dieser Frust, diese Ziellosigkeit, vielleicht auch Angst, in einer total sinnlosen Aktion.“ Auf Zivilcourage darf man dennoch nie verzichten. Sehr beeindruckt hat ihn in diesem Zusammenhang die Streik-Aktionen der Studenten, die „auf eine sehr gute und sehr kreative Weise“ protestierten. „Sie tauschen sich miteinander aus. So etwas finde ich super.“

Verhalten ändern

Eine Demonstration für Zivilcourage – macht das überhaupt Sinn? Muss man nicht Zivilcourage ganz allein beweisen? Mit Bürgermut vor dem Königsthron? Heldenhaft gegen die dunklen Mächte dieser Welt? Allein gegen die Mafia?

null
OB Christian Ude hält eine Rede am Sonntag. © dpa

Keine Sorge: Heldentaten sind nicht gefordert. Und tollkühne Selbstgefährdung schon gar nicht. Es geht ,nur’ darum, dass wir unser Verhalten ändern, möglichst gemeinsam, wenn wir mitten in der Fußgängerzone oder vor einer Schule, an einem S-Bahnhof oder im U-Bahn-Zwischengeschoss Augenzeuge von Übergriffen werden. Das hat es zu oft gegeben, dass Kinder von Jugendlichen gepiesackt, Mädchen von jungen Männern belästigt, Dunkelhäutige von Cliquen angepöbelt, Senioren von jugendlichen Straftätern angegriffen werden – und keiner tut was.

Zivilcourage bedeutet in solchen Situationen, nicht weg-, sondern genau hinzuschauen (auch um später notfalls ein guter Zeuge zu sein). Nicht scheinheilig so tun, als ob man nichts bemerken würde, sondern andere Fahrgäste und Passanten ansprechen, um gemeinsam deutlich zu machen: Hier gibt es viele, die alles sehen und viele, die Übergriffe missbilligen.

Dominik Brunner tat noch mehr als hinschauen und missbilligen. Er griff ein und musste dieses solidarische Verhalten mit dem Leben bezahlen. Da fragen viele: Ist das nicht Beweis genug, dass man lieber wegschauen und nicht eingreifen soll? Diese Konsequenz wäre trostlos! Jeder kann Opfer eines Angriffs werden und jeder wünscht sich, dass sich alle Anwesenden solidarisch verhalten. Wir sollten gemeinsam demonstrieren, dass wir diese Lektion verstanden haben und diese Bereitschaft mitbringen. Das sind wir auch und gerade Dominik Brunner schuldig. Ich weiß, dass das auch seine Eltern und Freunde so sehen: Sein schrecklicher Tod muss uns zu richtigen Konsequenzen aufrütteln. Es geht um eine Änderung unseres Verhaltens – und das nimmt man sich besten gemeinsam vor. Am Sonntag zum Beispiel, bei der Demonstration auf dem Odeonsplatz.“

Zeichen setzen

null
Ministerpräsident Horst Seehofer spricht bei der Demo. © ap

Wir alle sind noch heute fassungslos über das brutale und abscheuliche Verbrechen in Solln. Dominik Brunner wollte junge Menschen vor Straftätern schützen und hat diese Zivilcourage mit seinem Leben bezahlt. Er hat das verteidigt, was uns allen wichtig ist. Er ist für das eingetreten, was unsere Gesellschaft ausmacht, was sie zur Gemeinschaft macht: Werte wie Hilfsbereitschaft, Solidarität, Menschlichkeit. Dominik Brunner hat sein Herz in die Hand genommen, als andere weggesehen haben. Wir verneigen uns vor Dominik Brunner und sprechen ihm unsere tiefste Anerkennung und unseren Respekt aus. Sein Verhalten ist Vorbild für eine menschliche Gesellschaft. Sein Tod ist Mahnung gegen Gleichgültigkeit, Brutalität und Gewalt.

null

Mit der Aktion Nimm Dein Herz in die Hand setzen wir ein klares Zeichen des Respekts, der Hochachtung und des Andenkens an Dominik Brunner. Gleichzeitig setzen wir ein Zeichen für bürgerschaftliches Engagement, Zivilcourage und gemeinsame Werte. Wir setzen ein Zeichen gegen Gleichgültigkeit, Desinteresse und Wegsehen. Denn wir alle stehen heute gemeinsam auf und gemeinsam ein: für Solidarität, für Hilfsbereitschaft, für Zivilcourage. Mein Dank gilt der Initiative Münchner Courage mit ihren Partnern und ganz persönlich Uli Hoeneß, dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Dominik-Brunner-Stiftung sowie Prof. Dr. med. Rüdiger Lange, der mit seinen Kollegen im Deutschen Herzzentrum München den Anstoß für diese Kundgebung gegeben hat.

Wir wollen alles daran setzen, dass sich Solln nicht mehr wiederholt. Was uns als Staat und als Gemeinschaft stark macht, sind Zusammenhalt, Solidarität und Zivilcourage. Das sind gelebte und lebendige Werte. Sie schützen den Einzelnen, wenn sich möglichst viele daran orientieren. Das ist die Botschaft, die wir an diesem vierten Adventssontag 2009 geben wollen.“

Auch interessant

Kommentare