Haidhausen und Westend: Der große Vergleich

Wie viel Miete zahlt ihr Nachbar?

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Die Geschwister Sattler wohnen in der Rosenheimer Str. und profitieren vom alten Mietvertrag.

München - Über Geld spricht man nicht und über die Miete in München schon gleich gar nicht! Die tz hat dieses Schweigen gebrochen und die Kaltmiete pro Quadratmeter von Nachbarn miteinander verglichen.

Die große Miet-Kluft: Wir waren in Haidhausen und im Westend – und stießen auf riesige Preisunterschiede auf kleinstem Raum! Denn obwohl München deutschlandweit die Stadt mit den höchsten Mietkosten ist (durchschnittlich 15 Euro pro Quadratmeter), gibt es immer wieder Ausnahmefälle. Egal ob Genossenschaftswohnung, alter Mietvertrag oder genügsame Vermieter – der Traum von der günstigen Wohnung wird manchmal immer noch wahr. Allerdings gehört auch viel Glück dazu. Denn laut Rudolf Stürzer vom Haus- und Grundbesitzerverein sind 80 Prozent der vermieteten Häuser und Wohnungen im Besitz von Privatleuten. Für Organisationen, die darum bemüht sind, preiswerten Wohnraum zu schaffen, bleiben also nur 20 Prozent der Wohnungen übrig.

Haidhausen

Unser Vertrag ist 18 Jahre alt

Das große Wohn-Glück von Anna und Gerhard Böhm und ihren zwei Kindern ist ein 18 Jahre alter Mietvertrag! Die vier leben auf fast 100 Quadratmetern in einer 3,5-Zimmer-Wohnung im Stadtteil Haidhausen. Die Kaltmiete beträgt 982 Euro. Um die zehn Euro zahlen sie somit für den Quadratmeter. Papa Gerhard verschlug es im Jahr 2007 nach München. Hier, in der Rosenheimer Straße, hatte er sein erstes WG-Zimmer. „Als sich die WG aufgelöst hat, habe ich die Wohnung zu den alten Konditionen mit meiner Frau übernommen“, erzählt der 33-jährige Einzelhandelskaufmann. Für diesen niedrigen Mietpreis nimmt Böhm auch gerne Renovierungsarbeiten selbst in die Hand – natürlich in Absprache mit dem Vermieter.

Weil es im Bad keine Heizung gab, hat der Familienvater beispielsweise einen beheizbaren Handtuchhalter installiert. Eine Mieterhöhung blieb in den vergangenen sieben Jahren deswegen trotzdem nicht aus. Für die Böhms war sie aber moderat. Trotzdem spielt die Familie mit dem Gedanken, irgendwann mal aufs Land zu ziehen: „Falls wir aus der Wohnung rausmüssten, wäre die Stadt mit ihren Mietpreisen nicht mehr finanzierbar.“

Großes Geschwister-Glück

Die Rechnung für Sebastian und Julia Sattler ist ganz einfach: Eine 90 Jahre alte Vermieterin, ein mehrere Jahrzehnte alter Mietvertrag und ein altes Haus ergibt einen billigen Mietpreis für die Geschwister! Im Februar dieses Jahres sind sie in ihre 3,5-Zimmer-Wohnung in der Rosenheimer Straße eingezogen. Für 80 Quadratmeter zahlen sie jetzt 850 Euro Kaltmiete – nicht ganz elf Euro pro Quadratmeter also. Im Nachhinein ein Glücksfall, dass Sebastian aus seiner alten Wohnung am Rosenheimer Platz raus musste. Dort zahlte er für 60 Quadratmeter 1200 Euro kalt. „Das Haus wurde renoviert, die Mietpreise erhöht. Der Klassiker“, erzählt er.

Also hat er sich auf Wohnungssuche begeben, insgesamt sechs Wohnungen besichtigt. Dass er so eine günstiges Objekt findet, hätte der Student nie gedacht. „Bekannte von uns haben hier gewohnt, mussten aber berufsbedingt ausziehen. Dann habe ich meine Schwester gepackt und wir sind eingezogen“, sagt der 25-Jährige. Ihre Vermieterin bekommen beide so gut wie nie zu Gesicht. Die Dame, der das ganze Haus gehört, wohnt nämlich im Allgäu. Ihr sei nur wichtig, dass sie die Miete rechtzeitig bekommt.

Die Bude bricht auseinander

Für ihr zwölf Quadratmeter großes WG-Zimmer muss Alexandra von Reiswitz ganz tief in die Tasche greifen! 400 Euro Kaltmiete zahlt sie dafür. Rechnet man noch die kleine Küche und das Bad hinzu, muss sie pro Quadratmeter 20 Euro blechen. Seit sechs Jahren wohnt die angehende Erzieherin nun schon in der Weißenburger Straße. Anfangs kostete das Zimmer „nur“ 360 Euro. „Plötzlich haben die Vermieter 40 Euro mehr verlangt. Dabei wurde nichts erneuert, nur mit billigen Materialien nachgebessert. Die Bude bricht bald auseinander“, schimpft die 32-Jährige.

Warum sie sich keine neue Bleibe sucht? Für Alexandra von Reiswitz ist die Lage in Haidhausen einfach perfekt. Dafür nimmt sie den ganzen Ärger in Kauf: „Ich kann alle Strecken mit dem Fahrrad fahren. So spare ich mir viel Geld für öffentliche Verkehrsmittel oder ein Auto. Und ein WG-Zimmer ist immer noch die günstigste Lösung.“ Eines steht für sie fest: „Sobald ich mit meiner Ausbildung fertig bin, suche ich mir eine eigene Wohnung. Auch wenn der Wohnungsmarkt in München verrückt ist.“

Westend

Günstig im Alter wohnen

Einmal ums Eck, und schon wird’s im Westend deutlich billiger! Lothar Konietzka wohnt in der Barthstraße in einer Wohnung der Wohnungsgenossenschaft München-West. Für seine Zwei-Zimmer-Wohnung mit 50 Quadratmetern zahlt der 76-Jährige eine Nutzungsgebühr von 282 Euro. Hinzu kommen noch Kosten für verschiedene Modernisierungsmaßnahmen von 104 Euro. Pro Quadratmeter zahlt der Rentner also weniger als acht Euro – ein Super-Schnäppchen auf dem hart umkämpften Wohnungsmarkt.

Seit zehn Jahren fühlt sich der frühere Rundfunk-Journalist hier pudelwohl. Zuvor lebte er in Mietwohnungen von Privatpersonen. „Zweimal wurde mir wegen Eigenbedarfs gekündigt“, erinnert er sich. Umso glücklicher ist Lothar Konietzka jetzt in der Barthstraße. „Hier kann ich einfach gerecht und günstig im Alter wohnen.“

"Wir zahlen für das Ambiente"

„Mei, in München zahlt man halt nicht nur für die Wohnung, sondern auch für die Stadt und das Ambiente“, sagt Veronika Loepp (22). Sie wohnt zusammen mit ihrer WG-Partnerin Sina Mederer (22) auf weniger als 70 Quadratmetern in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Guldeinstraße. Pro Quadratmeter zahlen die Freundinnen knapp über 15 Euro. Beide sind hier erst diesen Monat eingezogen. Dementsprechend neu ist der Mietvertrag – und der Preis hoch.

Eigentlich wollten die jungen Frauen in die Maxvorstadt ziehen, aber als dann rasch die Zusage für ihre jetzige Wohnung kam, haben sie sofort zugeschlagen. „Uns war klar, dass es für zwei Studentinnen schwer wird, überhaupt eine Wohnung in München zu finden. Dafür müssen wir jetzt viel arbeiten …“

Bei einer Genossenschaft geht noch was

Die Suche nach einer günstigen Wohnung in München ist äußerst schwierig – aber nicht unmöglich! Vor allem die Mieten von Genossenschaftswohnungen sind erschwinglicher als auf dem freien Wohnungsmarkt. Der Mieter zahlt zuzüglich zur monatlichen Nutzungsgebühr einen sogenannten Genossenschaftsanteil, um bei der Genossenschaft aufgenommen zu werden. Beim Großteil der Münchner Wohnungsgenossenschaften herrscht aktuell ein Aufnahmestopp. Wer schon Mitglied ist, muss ebenfalls mit Wartezeiten von ein paar Monaten bis zu sieben (!) Jahren rechnen. „Sobald eine Wohnung frei wird, ist sie sofort wieder weg. So geht es in München allen Genossenschaften“, meint Robert Eberl von der Wohnungsgenossenschaft München-Pasing.

Ausnahmen gibt es aber bei der Münchner Postbaugenossenschaft. Jeden Monat bietet sie ein bis vier Objekte auf ihrer Homepage an. „Wer sich dafür interessiert, sollte am besten regelmäßig am Vormittag unseren Internet-Auftritt besuchen“, rät Mitarbeiterin Ilka Miklejewski. Die ersten 30 Interessenten haben Glück und werden zur Besichtigung eingeladen. Der Geschäftsanteil bei der Postbaugenossenschaft beträgt einmalig 630 Euro.

Manuel Bonke

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