500 Fakten: Der große München-Vergleich

Stadtviertelcheck: Wo werden die meisten Kinder geboren?

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Der große Stadtviertelcheck.

Wo leben wir eigentlich? Was wissen wir über unsere Stadt und im Speziellen über unsere Stadtviertel? Und werden solche Teile Münchens, die vielleicht mit Vorurteilen belastet sind, ihrem Ruf auch gerecht? Die tz hat sich mit Hilfe von klaren Zahlen & Fakten auf die Suche nach Antworten begeben.

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München - So stellt sich heraus, dass beispielsweise die Maxvorstadt im Herzen unserer Stadt besonders beliebt bei jungen Münchnern ist, in der Au und in Haidhausen die meisten Kinder geboren werden oder in Schwabing-West in Bezug auf die Stadtteilgröße die meisten Münchner leben. Aber auch Kuriositäten kamen ans Tageslicht. Wussten Sie beispielsweise, wie viele Ärzte es durchschnittlich in Ihrem Stadtviertel gibt oder wie hoch die Unterschiede bei der Lebenserwartung sind? Heute nehmen wir die Stadt ganz genau unter die Lupe – alle Viertel in Zahlen und Fakten.  

▶Altstadt - Lehel

Das Ärzteparadies: Auf 44 Einwohner kommt im Schnitt ein praktizierender Arzt aller Fachrichtungen (ausgenommen Zahnärzte). Zum Vergleich: Schwabing-West verzeichnet mit 422 Einwohnern pro Arzt einen soliden Mittelwert. Ähnlich elitär ist im Lehel die Verteilung bei den Zahnärzten mit einem Wert von 81 pro Einwohner. Interessant: Hier warten Frauen am längsten auf Nachwuchs – 33,1 Jahre ist der Durchschnitt bei der Geburt des ersten Kindes.

▶Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt

Hier wohnen die umzugsfreudigsten Münchner – im Schnitt leben die Menschen nur 8,2 Jahre an ihrer aktuellen Adresse. Zudem ist das Stadtviertel bei älteren Münchnern eher nicht so beliebt. Nur 10,9 Prozent der Einwohner sind im Rentenalter, der Altersdurchschnitt liegt bei 38,8 Jahren (stadtweit: 41,2 Jahre). Und noch ein Wert überrascht: Die Lebenserwartung ist hier so gering wie nirgendwo sonst in München – 73,95 Jahre für Männer (stadtweit: 80,15), 79,26 Jahre für Frauen (84,41).

▶Maxvorstadt

Hier sind die Münchner, gerade auch aufgrund der Nähe zur Universität, am jüngsten – 38,3 Jahre im Schnitt. Außerdem ist die Maxvorstadt bei Familien am unbeliebtesten. 68,8 Prozent aller Wohnungen sind Einpersonenhaushalte und nur jeder zehnte Haushalt hat mindestens ein Kind unter 18 Jahren.

„Ich kann alles zu Fuß erreichen – das liebe ich an der Maxvorstadt. Alles ist vor der Tür: Supermärkte, niedliche Cafés, Grünflächen wie der Alte Nordfriedhof sowie Spielplätze, die meine kleine Tochter bald unsicher machen wird. Hierher wollen sicher viele Menschen ziehen, was auch die Parkplatzproblematik erklärt. Da kann man schon auch mal länger suchen. Mir macht das nichts, ich gehe ohnehin lieber zu Fuß, wenn es möglich ist.“

Stefanie Schwarz (26), Gestalterin für visuelles Marketing mit ihrer Tochter Amelie (8 Monate) aus der Maxvorstadt

▶Schwabing-West

Hier geht es am dichtesten zu. Pro Quadratkilometer (4,36 km2 Gesamtgröße des Viertels) leben 15 706 Münchner (stadtweit: 4897 pro km2). Nirgendwo sonst wohnt man bei uns so gedrängt wie rund um den Olympiapark. Und auch Schwabing-West ist bei Familien eher unbeliebt. Lediglich 13,9 Prozent der 69 550 dort lebenden Münchner haben wenigstens ein Kind unter 18 Jahren.

„Schwabing ist einfach mein Viertel. Ich kenne die Leute hier und liebe die Mentalität. Alle sind entspannt, cool drauf und individuell. Genau darum bin ich auch wieder hierher zurück gezogen. Zudem mag ich die Nähe zum Englischen Garten und das vielfältige Kleinkunst-Angebot. Auch sind an jeder Ecke nette Lokale zu finden und vor allem auch noch ein paar kleine Kneipen und richtige Boazn – dort herrscht einfach eine ganzbesondere Atmosphäre.“ Berry Wicked (39), Barkeeper aus Schwabing

▶Au - Haidhausen

Das Dorf in der Stadt, wie es von vielen Bewohnern liebevoll genannt wird. Gerade die Nähe zur Isar ist ein Argument für die Au und Haidhausen. Was auffällt: Vor allem bei Neu-Müttern ist das Viertel beliebt. 3,5 Prozent aller Einwohner ist dort unter drei Jahre alt. Das ist Münchner Rekord! Dementsprechend ist auch die Geburtenrate spitze: auf 1000 Einwohner kommen 13,7 Geburten pro Jahr. Der Münchner Schnitt liegt bei 11,4.

▶Sendling

Flaucher, Harras, Großmarkthalle. Sendling punktet mit Diversität. Hier ist aber auch die Arbeitslosenquote mit 4,2 Prozent über dem Durchschnitt (3,7 Prozent), kinderlose Familien sind vorherrschend. Nur 14,2 Prozent der Privathaushalte haben wenigstens ein Kind unter 18 Jahren. Der Anteil der Rentner ist mit 14,4 Prozent eher gering (stadtweit: 17,5).

▶Sendling-Westpark

Rund um den Westpark gibt es viel Platz. Auf insgesamt 59 481 Einwohner kommen auf den Quadratkilometer lediglich 7443 Sendlinger. Das ist kein Spitzenwert, aber dennoch recht solide. Einen hohen Anteil im Münchner Südwesten gibt es bei den Rentnern. Der liegt bei 18,4 Prozent und somit im oberen Mittelfeld.

▶Schwanthalerhöhe

Vergleicht man die Größe und die Einwohnerzahl der Schwanthalerhöhe rund um das Westend, fällt auf: Auch hier ist es ziemlich eng. 14 675 Münchner drängen sich auf einen Quadratkilometer. Mit 34,5 Prozent ist der Ausländeranteil hier überdurchschnittlich hoch (stadtweit: 27,2 Prozent). Interessant: Nur jeder Dritte in der Schwanthalerhöhe ist katholischen Glaubens.

▶Neuhausen-Nymphenburg

Rund um das Nymphenburger Schloss und den Schlossgarten regiert ganz klar der Durchschnitt. Sowohl die Anteile der Rentner (16,6 Prozent), der Altersschnitt (41,1 Jahre), als auch der Anteil der Ausländer (24,6 Prozent) zeigen keinerlei Ausreißer. Die Arbeitslosenquote liegt mit 3,1 Prozent etwas unter dem Münchner Mittelwert von 3,7 Prozent.

▶Moosach

Hier ist die Arbeitslosenquote mit 4,8 Prozent außerordentlich hoch. Ansonsten glänzt Moosach durchgehend mit soliden Werten. Auffälligkeiten: Fehlanzeige! Einzig der Anteil der ausländischen Haushalte ist mit 22,1 Prozent über dem Münchner Durchschnitt (20,9 Prozent).

▶Milbertshofen-Am Hart

Zwei Werte fallen auf: Der Anteil der Ausländer ist der absolute Spitzenwert in ganz München. 40,2 Prozent der Einwohner kommen nicht aus Deutschland. Auch die Arbeitslosenquote ist so hoch wie nirgendwo anders. 5,0 Prozent der insgesamt 76 454 Bewohner haben keinen Job. Mit 29,4 Jahren im Schnitt ist die Erstgeborenen-Quote hier am geringsten.

▶Schwabing-Freimann

Hoch oben im Nordosten der Stadt ist viel Platz. Die Einwohnerdichte liegt mit 2922 Münchner pro Quadratkilometer weit unter dem Durchschnitt. Ansonsten ist Schwabing-Freimann bei vielen Werten eher im Mittelfeld. Der Anteil an Ausländern liegt mit 29,4 Prozent ein wenig über dem Münchner Mittel. Auch aufgrund der Studentenstadt sinkt hier der Altersdurchschnitt auf 39,2 Prozent. Das ist kein Tiefstwert, allerdings deutlich unter dem Durchschnitt.

▶Bogenhausen

Sowohl der Altersdurchschnitt als auch der Rentneranteil liegt in Bogenhausen, mit seinen vielen Einfamilienhäusern, über dem Durchschnitt. 20,6 Prozent aller Einwohner haben das Rentenalter erreicht – 42,9 Jahre hat der Bogenhausener im Schnitt auf dem Buckel. Traditionell zählt dieses Viertel zu den sozial bessergestellten. Es ist also kein Wunder, dass hier die Arbeitslosenquote nur bei 2,8 Prozent liegt.

▶Berg am Laim

Zwei Werte fallen auf: In Berg am Laim ist die Arbeitslosenquote erstaunlich hoch – 4,6 Prozent haben keinen Job. In einer Statistik allerdings ist dieses Stadtviertel ungeschlagen an der Spitze: Satte 76,5 Prozent der Grundschüler, also drei von vier Buben oder Mädchen sprechen als Familiensprache (vorrangig in der Familie gesprochene Sprache) kein Deutsch. Das Münchner Mittel: 42,9 Prozent.

▶Trudering - Riem

Hier kann man getrost alt werden. Warum? In Trudering und in Riem ist die Lebenserwartung sowohl für Männer (83,57 Jahre) als auch für Frauen (86,44 Jahre) am höchsten. Im Vergleich mit anderen Vierteln ist das enorm. Der Unterschied zur Ludwigsvorstadt und Isarvorstadt beträgt zehn bzw. sieben Jahre. Mit 25,9 Prozent lebt hier zudem jeder vierte Münchner unter 15 Jahren.

„Für unsere drei Kinder ist es hier in der Messestadt ein Traum. Es gibt zahlreiche Spiel- und Bolzplätze sowie Skaterparks. Im Sommer kühlen wir uns im Riemer See ab. Natürlich müssen wir uns mit den Messen arrangieren. Bei der Bauma im vergangenen Jahr beispielsweise war es unglaublich voll. Draußen einen Parkplatz finden – unmöglich! Schlimm finde ich es nicht, immerhin bekommen wir als Anwohner kostenlose Eintrittskarten für die großen Messen.“

Timo Graefe (25), Student aus der Messestadt Riem

▶Ramersdorf-Perlach

7,4 Prozent aller Münchner leben in Ramersdorf und Perlach – in keinem anderen Stadtteil wohnen so viele Menschen. Dennoch ist die Einwohnerdichte (5648/km2) gar nicht so hoch. Weniger schön: für knapp jedes fünfte Kind (18,9 Prozent) wird Sozialgeld ausbezahlt – nach Milbertshofen (20,4 Prozent) der zweithöchste Wert. Auch der Anteil der deutschen Grundschüler ist mit 77,5 Prozent hier auf dem tiefsten Münchner Niveau. Der Durchschnitt: 84,1 Prozent.

„Wir wohnen nun schon seit 45 und 50 Jahren in Neuperlach. Besonders schätzen wir die guten öffentlichen Anbindungen. Auch die Mieten sind für uns hier noch bezahlbar – jedenfalls im Vergleich zur Innenstadt. Natürlich hat sich das Viertel verändert. Alles ist anonymer als früher, auch fühlt man sich manchmal, als wäre man im Ausland und nicht in Deutschland. Aber das macht uns nichts, wir machen immer aus allem das Beste.“ Helga Thümling (71) und Jutta Uhlmann (74), Rentnerinnen aus Neuperlach

▶Untergiesing-Harlaching

Auffallend ist im Münchner Süden eine hohe Altersstruktur. Mit 42,7 Jahren ist Untergiesing und Harlaching deutlich über dem Durchschnitt. Allerdings sank der Wert seit der Jahrtausendwende auch um 1,1 Jahre. Dennoch ist mit 19,2 Prozent der Anteil der Rentner hoch, der Ausländeranteil mit 24,2 Prozent hingegen unterdurchschnittlich niedrig.

„Die Ursprünglichkeit – das ist es, was mir an Untergiesing am besten gefällt. Die Menschen hier sprechen sehr oft Bairisch. Geht man durch die Straßen, kann man den ursprünglichen Charme fühlen. Wohl deshalb zieht es auch immer mehr junge Leute hierher. Und trotzdem sieht man nicht nur Mütter mit ihren Kinderwagen herumfahren – eine gesunde Mischung, wie ich finde. Neben den herzlichen, urigen Leuten ist die Nähe zur Isar natürlich traumhaft. Da halte ich mich im Sommer sehr gerne auf.“

Thomas Hagge (40), Pilot aus Untergiesing

▶Obergiesing-Fasanengarten

Auch dieser Stadtteil ragt in keiner Statistik heraus. Der Anteil der ausländischen Haushalte ist mit 23,1 Prozent über dem Münchner Durchschnitt (20,9). Deshalb liegt auch hier der Anteil der Ausländer mit 30,9 Prozent über dem Münchner Mittelwert von 27,2 Prozent. Im Schnitt bekommen Frauen hier ihr Kind im Alter von 30,5 Jahren.

▶Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried- Solln

Willkommen im Rentnerparadies! Im größten Stadtviertelverbund Münchens ist der Altersdurchschnitt mit 43,3 Jahren so hoch wie nirgendwo sonst. Der Anteil der über 65-Jährigen erklimmt mit 21,8 Prozent zwar einen mit Hadern geteilten, aber dennoch absoluten Spitzenplatz. Jeder fünfte Bewohner ist im Rentenalter. Trotz der 96 457 Einwohner ist dieser Stadtteil aber keineswegs dicht besiedelt. Auf einem Quadratkilometer leben 5269 Münchner. Das ist leicht über dem Münchner Schnitt von 4897/km2. Mit der Balde-Höhe in Solln liegt hier zudem mit 579 Meter über Normalnull der höchste Punkt im ganzen Stadtgebiet.

▶Hadern

Der Rentneranteil ist auch hier am höchsten – ebenfalls 21,8 Prozent. 2015 sind in Hadern im Schnitt 8,1 pro 1000 Einwohner gestorben (stadtweit: 7,6). Der Anteil an ausländischen Haushalten liegt mit 18,3 Prozent unter dem Münchner Durchschnitt von 20,9 Prozent.

▶Pasing-Obermenzing

Pasing-Obermenzing punktet bei der Lebenserwartung. 82,03 Jahre für Männer und 86,28 für Frauen sind gute Werte. Ebenfalls ganz vorne steht das Viertel im Münchner Westen in zwei weiteren Statistiken: 88,4 Prozent aller Grundschüler haben hier die deutsche Staatsbürgerschaft (stadtweit: 84,1). Und auch die Anzahl der deutschen Haushalte liegt mit 74,2 Prozent ganz oben in der Rangliste – Münchner Durchschnitt sind 69,1 Prozent.

▶Aubing-Lochhausen- Langwied

Ganz im Westen, da hat man Platz. Nur 1282 Münchner leben hier auf einem Quadratkilometer – das ist der niedrigste Wert im ganzen Stadtgebiet. Vor allem Einfamilienhäuser prägen, weit entfernt vom Zentrum, das Bild. An den ruhigeren Stadtrand zieht es sowohl Familien als auch Rentner. 61 von 1000 Frauen zwischen 15 und 45 Jahren haben hier 2015 ein Kind bekommen (stadtweit: 51,4 von 1000 Frauen) und 21,6 Prozent aller Haushalte haben ein Kind unter 18 Jahren. Der Münchner Schnitt ist hier mit 16,8 Prozent weit darunter. Der Rentneranteil von 20,9 Prozent ist ebenfalls ein überdurchschnittlicher Wert – gleiches gilt für die Sterberate von 8,6 pro 1000 Einwohnern.

▶Allach-Untermenzing

Auch hier ist die Einwohnerdichte mit 2063 Münchnern pro Quadratkilometer äußerst gering. In Allach und Untermenzing leben zudem mit 21 Prozent die wenigsten Ausländer in ganz München. In einem weiteren Punkt ist der Stadtteil im Münchner Nordwesten ganz vorne. Hier wird am meisten Auto gefahren. Auf 1000 Einwohner kommen im Schnitt 450,7 zugelassene Fahrzeuge – absoluter Top-Wert für München (Schnitt: 333,5 Autos pro 1000 Einwohner).

▶Feldmoching-Hasenbergl

Die Arbeitslosigkeit ist hier auf einem hohen Wert von 4,7 Prozent. Dennoch: Seit 2005 ist dieser um mehr als die Hälfte gesunken. Kuriose Statistik: Feldmoching - Hasenbergl wird von Zahnärzten gemieden. Hier kommt auf 4102 Münchner nur ein Zahnarzt – das ist mit großem Abstand der erste Platz. Zum Vergleich: Zweiter in dieser Statistik ist Berg am Laim mit 1801 Einwohnern pro zugelassenem Zahnarzt.

▶Laim

Laim ist ein eher kinderärmeres Stadtviertel. Nur 13,6 Prozent aller Haushalte haben einen Buben oder ein Mädchen unter 18 Jahren. In einem Wert ist Laim aber spitze. 61,2 Prozent aller Einwohner arbeiten in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Hier regiert also der Mittelstand mit vielen Münchnern in einem Angestelltenverhältnis (stadtweit liegt der Wert bei 57,4 Prozent). Auch der Anteil der Rentner ist mit 19,7 Prozent überdurchschnittlich hoch.

Wie Münchner im vergangenen Jahr ihre Kinder am liebsten genannt haben, lesen Sie hier.

D. Laska und T. Buchka

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