2600 Unfälle mit dem Drahtesel

Große Radl-Kontrolle: Brennpunkte werden überwacht

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Radl-Kontrolle an der Ludwigsbrücke.

München - Die Münchner Polizei führt erneut flächendeckend Kontrollen durch, um an Brennpunkten in der Stadt die Fahrradfahrer zu sensibilisieren. Doch auch Fußgänger und Autofahrer stehen im Fokus.

Gscheid radln will gelernt sein! Nicht immer halten sich die Münchner an Verkehrsvorschriften. Auch deshalb kam es 2014 im Stadtgebiet zu rund 2600 Unfällen mit Radfahrern – neun Prozent mehr als noch im Vorjahr! 2300 Menschen wurden verletzt, vier kamen ums Leben. Die Polizei will dem entgegenwirken. Zum fünften Mal gibt’s flächendeckende Kontrollen an Brennpunkten. Das Motto: „Gscheid radln – aufeinander achten!“

In den nächsten zwei Wochen sind nicht nur Radler im Visier der Polizei, sondern auch Autofahrer und Fußgänger. Denn: „Aufeinander achten müssen alle Verkehrsteilnehmer“, sagt Polizist Stefan Moosbauer. „Bei unseren Kontrollen wollen wir nicht abkassieren. Vielmehr möchten wir alle, und speziell Radfahrer, über potenzielle Risiken aufklären.“ Und dabei verhält es sich wie so oft im Leben: „Der Ton macht die Musik. Mit dem richtigen Maß und Ziel sprechen wir die Leute an. Denn nur dann werden unsere Hinweise auch respektiert.“

Die häufigsten Vergehen: Missachtung von roten Ampeln und mangelhafte Sicherheitsausstattung am Radl. Aber auch „Geisterradler“, die entgegen der Fahrtrichtung strampeln, sind viele unterwegs. Die tz hörte sich bei den Radlern nach der Polizeikontrolle um:

"Hatte gerade Unfall"

"Dass die Polizei Verkehrsteilnehmer auf umsichtiges Verhalten hinweist, finde ich gut. In meinem Fall kommt das aber leider fünf Minuten zu spät. Ich hatte gerade einen Unfall. Deshalb zittere ich auch noch am ganzen Körper. Ein Autofahrer hat meinen Weg gekreuzt, dabei bin ich auf die Seite gefallen. Der Arm tut ein bisschen weh aber sonst geht’s mir gut. Ach ja: Die Polizei hat meine fehlende Beleuchtung beanstandet. Ich bin aber noch einmal mit einer mündlichen Verwarnung davongekommen."

Maike Friedrich (22), Studentin aus München

"Meide solche Wege"

"An gefährlichen Stellen wie hier an der Ludwigsbrücke müsste viel mehr kontrolliert werden. Das macht die Menschen aufmerksamer. Normalerweise meide ich die Hauptverkehrswege in der Stadt mit dem Fahrrad. Auch bei mir hatten die Polizisten etwas zu beanstanden. Einen Strahler habe ich nicht montiert. In der Nacht ist das natürlich ein Problem. Auf meinen schicken Gepäckträger bin ich besonders stolz. Den habe ich von hinten nach vorne geschraubt. Und der darf da auch bleiben."

Carolin Hartmann (30), Ärztin aus München

"Licht nicht montiert"

"Viele Radfahrer schimpfen über die rücksichtlosen Autofahrer und Fußgänger. Ganz ehrlich: Ich finde diejenigen Radler schlimmer, die zwei Mal im Jahr ihr Bike aus dem Keller holen und dann meinen, sie müssten auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen. Die Kampagne der Polizei halte ich für absolut gerechtfertigt und sinnvoll. Auch ich habe nicht alles richtig gemacht: Meine Lampe war im Rucksack statt auf dem Lenker. Und auch Reflektoren in den Speichen fehlen. Das wird nachgerüstet."

Norman Jerratsch (34), Koch aus München

Johannes Heininger

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