Der große tz-Report

Wo die Pendler herkommen und wo es am meisten stockt

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München - Im großen Pendler-Report zeigt die tz, von wo die Büro-Münchner kommen, wo auf der Straße die größten Staufallen lauern und wo auf der Schiene die besten Bahnen fahren.

München hat 1,5 Millionen Einwohner – aber nur nachts. Tagsüber machen die Pendler München fast zur Zwei-Millionen-Stadt! Kein Wunder, dass die sich auch in die Quere kommen wie rechts auf dem Weg zum Mittleren Ring. Im großen Pendler-Report zeigt die tz, von wo die Büro-Münchner kommen, wo auf der Straße die größten Staufallen lauern und wo auf der Schiene die besten Bahnen fahren.

Die schlimmsten Staufallen der Stadt

Baustellen, Verkehrschaos, verstopfte Straßen: Der durchschnittliche Autopendler aus München und der Region steckte im vergangenen Jahr volle 76 Stunden im Stau! Das sind mehr als drei Tage und Nächte. Oder fast zwei Arbeitswochen mit Acht-Stunden-Tagen. Was steckt hinter den Zahlen aus dem neuen TomTom-Stauindex 2014? Was sind Münchens übelste Staufallen? Die tz dokumentiert das tägliche Chaos.

Der Blick auf die bundesweite Stau-Belastung zeigt: Die Bayern-Metropole liegt hinter Stuttgart, Hamburg, Köln und Berlin auf dem fünften Platz der deutschen Stau-Hitparade. Vergangenes Jahr war es noch Rang vier – aber das bedeutet keine Verbesserung, im Gegenteil: In München wuchs der Stau nur etwas weniger stark als etwa in Berlin. Was sich morgens und abends im Berufsverkehr auf dem 7836 Kilometer umfassenden Münchner Straßennetz abspielt, ist trotzdem heftig: Sprit- und Zeitverschwendung im ganz großen Stil, vom volkswirtschaftlichen Schaden und den strapazierten Nerven der Stausteher ganz zu schweigen.

Wo läuft der Verkehr ganz besonders zäh, wo bleiben die Autofahrer am regelmäßigsten und massivsten stecken? Navi-Hersteller TomTom hat die Spitzenreiter aus einem riesigen Datenberg herausgefiltert. Echte Überraschungen sind in der Liste nicht dabei. Drei der erstplatzierten Bau- und Staustellen machen Hoffnung auf eine künftig etwas flottere Autowelt an der Isar. Hier die Top-Staustellen:

Platz 1: Garmischer Straße. Das Ring-Stück zwischen Donnersbergerbrücke und Luise-Kiesselbach-Platz ist jeden Werktag gut für nervenzerfetzendes Stehen und Kriechen. Viel zu viele Autos, dazu die Tunnel-Baustellen, die Einfädler von der A96 und eine Reihe von Ampeln – fertig ist das Verkehrschaos.

Platz 2: Heckenstallerstraße. Im Bereich zwischen Brudermühltunnel und Luise-Kiesselbach-Platz gilt das Gleiche wie beim Stau-Spitzenreiter: Wer auf der Fahrt zur und von der Arbeit täglich zwei Mal durch diesen Flaschenhals muss, ist wirklich nicht zu beneiden. Aber: Ende Juli wird im Südwesten endlich der neue Tunnel eingeweiht.

Platz 3: Innsbrucker Ring. Ab der Einmündung der A8 bei Ramersdorf in den Mittleren Ring und in der Gegenrichtung ab dem Richard-Strauss-Tunnel kommt regelmäßig der Verkehr zum Erliegen. Abhilfe ist mittelfristig nicht in Sicht.

Platz 4: Sonnenstraße/Maximiliansplatz. Diese Strecke am Altstadtring ist im Berufsverkehr in beide Richtungen akut kollaps­gefährdet. Zudem werden zwischen Stachus und Lenbachplatz reihenweise Trams mit Vorrang durchs Autogetümmel geschleust. Grüne Welle? Fehlanzeige!

Platz 5: Isarring. Ein mehr als 100 000-mal pro Tag befahrenes Nadelöhr, auf dem es vor allem in Richtung Norden wegen der Ampel an der Einmündung der Ifflandstraße fast ständig klemmt. Eine eigene Einfädelspur soll die Situation entschärfen. Die Baugenehmigung ist für Ende des Jahres geplant. Immerhin.

Woher die Pendler kommen

Die Grafik zeigt, woher die meisten Pendler kommen – je dunkler, desto mehr.

Das Statistische Amt der Stadt hat die Pendler zuletzt 2013 untersucht. Wichtigste Erkenntnis: Die Stadt wird nicht nur durch immer mehr Zuzüge enger, sondern auch durch immer mehr Pendler! Deren Zahl stieg von 2000 bis 2011 von 298.000 auf 325.000 – und das sind nur die sozialversicherungspflichtigen Jobs. Auch die Zahl der Pendler von München ins Umland kletterte von 106.000 auf 135.000. Die Grafik zeigt die Verflechtungen mit der Region – je dunkler, desto mehr Pendler. Die meisten kommen aus: 1. Stadt Dachau (7722), 2. Germering (7082), 3. Augsburg (6513), 4. Unterschleißheim (5073), 5. Olching (4775). Selbst die eineinhalb Stunden Fahrt aus Regensburg nehmen 1336 Leute täglich auf sich. Ins Umland pendeln die Münchner am häufigsten nach Unterföhring, Freising und Garching.

Die wichtigsten Navi-Erkenntnisse

Stadtstraße gegen Autobahn:Das Stau-Geschehen auf Autobahnen und Ringstraßen unterscheidet sich deutlich von dem auf Stadt- und Nebenstraßen: Generell geht es auf den Schnellstraßen deutlich besser voran, die durchschnittliche Verzögerung im Berufsverkehr liegt hier bei 20, in der Stadt bei 35 Prozent. Interessant ist die Verteilung auf die Wochentage: Morgens geht es montags und dienstags besonders eng zu, abends ist es mittwochs und donnerstags am schlimmsten. Der heißeste Stau-Tag war letztes Jahr der 6. November. Grund: ein Lokführer-Streik plus kräftiger Schneefall. Wie fundiert das Datenmaterial für den Münchner Index ist, zeigt diese Zahl: Die dafür ausgewerteten Fahrten führten über eine Strecke von 83.324.427 Kilometern.

Im Stau bleiben oder umfahren?Zu dieser Frage geben die Statistiker eine klare Antwort: Wer versucht, dem Stau davonzufahren, landet oft im noch größeren Kuddelmuddel. Solche Ausreißversuche führen schnell mal zu einer Verlängerung der Fahrzeit um mehr als die Hälfte. Denn die Verkehrsbelastung auf Land- und Bundesstraßen und auf städtischen Nebenstrecken ist deutlich höher als auf den großen Verkehrswegen. Wer sich trotzdem durchschlängeln will, landet häufig nur im nächsten Engpass, aus dem es dann wirklich kein Entrinnen mehr gibt.

München, Deutschland, Welt:In München lag der Stau-Index vergangenes Jahr bei 27, zuvor waren es noch 26 und 24 Prozent – der Stau wird also immer schlimmer. Der Index gibt an, um wie viel Prozent länger die Staufahrt im Vergleich zu fließendem Verkehr dauert. Enger als in München geht es bundesweit nur noch in Stuttgart und Hamburg (32 Prozent), Köln (29 Prozent) und Berlin (28 Prozent) zu. Weltweit führt Istanbul mit einem Stau-Level von 58 Prozent. Das bedeutet: Die tatsächliche Fahrzeit der Pendler ist um mehr als die Hälfte länger als bei fließendem Verkehr.

Echte Fahrten als Grundlage:So kommt der Stau-Index zustande: Navi- und Softwarehersteller TomTom stellt anhand der von seinen Kunden (mit deren Einverständnis) anonym übermittelten Fahrtdaten in Echtzeit fest, wie lange sie wann für welche Strecke brauchen. Als Normalzustand gilt die freie Fahrt in den Nebenzeiten, mit der im Berufsverkehr tatsächlich benötigten Zeit wird für alle deutschen Städte über 800.000 Einwohner der Stau-Index errechnet. Je größer der Stau, desto höher der Index-Wert.

Die Bayern-Bahnen in der Übersicht

Rang 2014 2013 Anbieter Strecke Punkte
1 1 Agilis-Nord u.a. Weiden – Bad Rodach 67,99
2 2 Berchtesgadener Land Bahn Berchtesgaden – Freilassing 57,37
3 3 Kissinger Stern u.a. Bad Kissingen – Schweinfurt 51,24
4 4 Agilis-Mitte u.a. Ulm – Landshut 44,65
5 5 Bayerische Regiobahn u.a. Augsburg – Ingolstadt 41,61
6 - Werdenfelsbahn u.a. München – Mittenwald 24,92
7 - Südostbayernbahn u.a. München – Simbach 22,14
8 8 Mainfrankenbahn u.a. Würzburg – Treuchtlingen 14,61
9 6 Mittelfrankenbahn u.a. Rothenburg – Neuhaus 10,47
10 - Main-Saale-Express u.a. Hof – Bamberg 9,26
11 7 Franken-Thüringen-Express u.a. Nürnberg – Jena 3,21
12 14 Fugger-Express München – Augsburg -10,73
13 - Meridian u.a. München – Rosenheim -12,11
14 - Der Weißenhorner Ulm – Weißenhorn -17,58
15 10 Alex-Nord u.a. München – Regensburg -19,59
16 9 Kneipp-Lechfeld-Bahn u.a. Augsburg – Landsberg -20,47
17 11 Alex-Süd u.a. München – Kempten -20,76
18 - Westfrankenbahn u.a. Crailsheim – Königshofen -24,60
19 - Regio-Nordostbayern u.a. Hof – Bamberg -27,71
20 13 Bayerische Oberlandbahn u.a. München – Holzkirchen -29,17
21 12 Donau-Isar-Express München – Passau -33,78
22 - Regio Oberbayern u.a. München – Ingolstadt -48,94
23 - Regio Allgäu-Schwaben u.a. Augsburg – Füssen -49,74
24 - Regio Franken u.a. Treuchtlingen – Würzburg -51,21
25 15 Kahlgrund Schöllkrippen – Hanau -91,89
26 - München-Nürnberg-Express München – Nürnberg -94,71

Die Tabelle der besten Bayern-Bahnen ist da! Aber was bedeuten die Punkte? So bewertet die Eisenbahngesellschaft einige Züge nach München:
Fugger-Express (Augsburg): Konnte 2014 den größten Qualitätssprung erreichen. Verbesserungspotenzial gibt es jedoch bei Sauberkeit und Funktionalität der Sanitäreinrichtungen, den Türen oder der Präsenz der Zugbegleiter an den Stationen.

Meridian (Rosenheim):  Als positiv wird die Sauberkeit im Zug (Ausnahme: Fenster) sowie die Klimatisierung beurteilt. Bei der Fahrgastinfo, der Funktionalität der Toiletten und der Durchführung von Kontrollen herrscht Verbesserungsbedarf.

Bayerische Oberlandbahn (Holzkirchen): Die Sauberkeit hat sich im Vergleich zum vorvergangenen Jahr deutlich verbessert. Handlungsbedarf besteht weiter bei der Fahrgastinfo, der Kundenorientierung bei Beschwerden sowie der Außenreinigung der Züge.

Donau-Isar-Express (Passau): Erfüllt die Vorgaben bei Sauberkeit sowie Ausstattung der Züge. Das gilt allerdings nicht für Funktionalität und Sauberkeit der ­sanitären Einrichtungen. Negativ zu Buche schlägt die Sauberkeit der Fahrzeuge von außen.

Rudolf Huber

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