Nach dem Tod des Vaters

Großfamilie haust zu siebt auf 51 m²

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Leben auf engstem Raum: Oma Karin (l.), die Töchter Sandra (r.) und Cornelia mit Mann Reimund und die Enkel Massimo, Gina-Maria (beide 2) sowie Juliano (6).

München - Seit zweieinhalb Jahren lebt die Familie Koch zu siebt in einer Münchner Obdachlosenunterkunft - zusammengepfercht auf 51 Quadratmetern! Der Tod des Vaters brachte den sozialen Abstieg.

Das Hochzeitsbild im vollgestellten Flur erinnert an glücklichere Tage: Walter Koch (56) hält seine Frau Karin (69) im Arm. Beide strahlen in die Kamera. Doch der Schuhmachermeister erkrankt an Diabetes und Leukä­mie – 2001 stirbt er. Als wäre der schmerzliche Verlust des Vaters nicht genug … „Ein Kompagnon hat unglaubliche Summen veruntreut, wir sitzen auf einem sechsstelligen Schuldenberg“, sagt Tochter Cornelia. Negativer Schufa-Eintrag, Gift bei der Wohnungssuche!

Kisten statt Regal: Auch, wenn sie sich noch so sehr lieben: Für immer kann die siebenköpfige Familie nicht so wohnen.

Und suchen müssen sie, denn Karin kann sich nach Walters Tod die gemeinsame Wohnung nicht mehr leisten, sucht eine kleine Bleibe. Als Tochter Sandra (30) und ihre drei Kinder in das Ein-Zimmer-Apartment mit einziehen, weil ihre Beziehung zerbricht, kündigt der Vermieter. Die Großfamilie hat keine Wahl: Sie muss ins Obdachlosenheim! Dort kommen zuletzt noch Karins Tochter Cornelia und deren Mann Reimund (51) dazu, um Sandra bei der Betreuung der Kinder und der diabeteskranken Mutter zu unterstützen.

Enge Zimmer: Die Kinder haben keinen Platz zum Spielen, die Erwachsenen keine Privatsphäre.

Seit zweieinhalb Jahren leben sie nun in dieser Konstellation gemeinsam in zwei Zimmern. Die Kinder haben kaum Platz zum Spielen. Neben dem Esstisch stehen die Gitterbettchen der Zwillinge, gegenüber ein Doppelbett, in dem Sandra mit Sohn Juliano schläft. Daneben die Schlafstätte der Oma, die auch als Wickelplatz dient.

Viel Geld, um eine Vier- oder Fünf-Zimmer-Wohnung in München zu finanzieren, hat die Familie nicht. Und die Vermieter würden ohnehin Familien mit wenig Kindern und höherem Einkommen bevorzugen, so die Erfahrung der Kochs.

Was also tun? Ist alles ausweglos? Hoffentlich nicht ganz! Die sieben setzen ihre Hoffnungen jetzt auf die immowelt.de-Initiative "Verändere Deine Stadt". Diese ­versteht sich als Vermittler. Auf einer Plattform im Internet können sich ­Menschen mit Herz und Platz melden. Wer ein Quartier für bedürftige Familien, Vereine oder soziale Projekte hat, kann sein Angebot hier kostenlos einstellen. Wer einen Raum braucht, kann dort sein Gesuch aufgeben. So finden Hilfesuchende und Unterstützer zusammen.

tz

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