Ärger um Großmarkt-Pläne

Aufstand der Markthändler

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Was wird mit der Großmarkthalle passieren?

München - Im Bauch der Stadt rumpelt es gewaltig. Wie geht es mit der Großmarkthalle weiter? Die Händler wollen den Neubau nicht zahlen und empören sich über die Zukunftsstudie, die der Stadtrat am Donnerstag berät.

Und sie stehen nicht allein da: Die Stadtverwaltung hat den Bericht der Beratungsgesellschaft bewertet und kommt zu vernichtenden Ergebnissen. Und dafür hat die Stadt zwei Jahre gewartet und einen siebenstelligen Betrag investiert!

Günther Warchola, Präsident des Bayerischen Fruchtimport und -großhandels, zur tz: „So eine Halle brauchen wir nicht.“ Die Berater von DU Diederichs empfehlen einen Bau mit 72 000 Quadratmetern – das entspricht zehn Fußballfeldern. Dabei bräuchten die Händler nicht einmal die Hälfte, wie sie in einer eigenen Studie schon vor vier Jahren feststellten. „Die ist völlig ignoriert worden.“

Zunächst sind 195 Millionen Euro veranschlagt, die Händler sollen sie mit der Miete zahlen. Der Quadratmeter-Preis müsste von 12,50 Euro auf 30 Euro explodieren. Selbst wenn die Stadt alle freien Grundstücke für 100 Millionen Euro versilbert, blieben 17 Euro kalt. „Das können wir uns nicht leisten“, sagt Warchola. Die Stadt habe den Gewinn der Großmarkthalle nie zurückgestellt – Warchola spricht von 170 Millionen Euro. „Die sind im Stadtsäckel verschwunden. Jetzt sollen wir Händler einen Neubau finanzieren, den wir schon längst bezahlt haben!“

Die Stadt kommt unterm Strich zum gleichen Ergebnis. Vor allem das Baureferat zerpflückt das Gutachten – Wirrwarr, große Lücken, zu niedrige Kosten, unrealistischer Zeitplan. „Die Themen Nachhaltigkeit, Nutzerbedarf, Investitionsbedarf etc. sind hinsichtlich ihrer Qualität nicht abschließend abgestimmt und behandelt“, schreiben die Bau-Experten.

Stadtkämmerer Ernst Wolowicz (SPD) taxiert die Kosten gar auf bis zu 225 Millionen. Außerdem sei der 100-Mio.-Zuschuss aus dem Grundstücksverkauf unrealistisch. Auch das Wirtschaftsreferat hält die Berechnungen für „nicht belastbar“. Und Stadtbaurätin Elisabeth Merk sieht Probleme mit Denkmalschutz und Städtebau.

Nach tz-Informationen wurden für das Gutachten 1,2 Millionen Euro hingeblättert! Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD) verteidigt es einerseits: „Das Projekt befindet sich derzeit noch in der frühen Phase der sogenannten Projektentwicklung.“ Genaue Berechnungen könnten erst später vorgelegt werden. Andererseits will er sich möglichst schnell grünes Licht für die Planung einer kleinen Großmarkthalle östlich der Thalkirchner Straße geben lassen. Für diesen ersten Bauabschnitt will er die Konzeption „vertieft hinterfragen“, Daten neu erheben und das Gutachten überarbeiten…

SPD-Fraktionschef Alexander Reissl hatte schon angekündigt, kleiner bauen zu wollen. Genau wie CSU-Stadtrat Georg Schlagbauer: „Es scheint, als hätten wir zwei Jahre vergeudet. Alles zurück auf Los.“ Dabei drängt die Zeit: Die alte Großmarkthalle bröckelt vor sich hin.

David Costanzo

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