Städtisches Gut Karlshof

Ochsen für die Wiesn: Grüne kritisieren städtische Tierhaltung

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Das städtische Gut Karlshof: Hier kommen die Ochsen für die Ochsenbraterei her.

München - 550 Ochsen lässt die Stadt auf Gut Karlshof mästen. Viele werden während der Wiesn verspeist. Die Grünen kritisieren jetzt, wie die Rinder gehalten werden. Der Werkleiter der Stadtgüter kontert: "Kühe auf der Weide gibt's nur in der Werbung".

Zur Wiesn geht es jedem fünften Rind an den Kragen, die Tiere landen in der Ochsenbraterei in den Mägen von bayerischen, japanischen oder australischen Besuchern, die allesamt das zarte Fleisch schätzen. Außerhalb der Oktoberfestzeit werden die Ochsen über Vinzenzmurr vermarktet, es gibt auch einen kleinen Laden am Gut.

Die Tiere sollen auch ins Freie

Nach Ansicht der Fraktion Grüne/Rosa Liste sind die Lebensbedingungen der Ochsen verbesserungswürdig. Sie wollen, dass die Tiere dort nicht nur im Stall stehen, sondern auch im Freien laufen dürfen. Einen entsprechenden Antrag auf Prüfung eines „Weideangebots“ brachte die Fraktion gestern im Stadtrat ein. Herbert Danner (Grüne) nutzte die Gelegenheit zu einem Rundumschlag gegen die aus seiner Sicht „skandalöse Haltung von Tieren in unserem Land“. Bilder von Legebatterien erschütterten sie ebenfalls, sagte Ulrike Boesser (SPD). „Im Karlshof gehen wir aber einen anderen Weg. Es handelt sich um einen vorbildlichen Betrieb in Sachen Tierschutz.“

Axel Markwardt, der Leiter des Münchner Kommunalreferats, warnte davor, die Ochsen im Freien herumlaufen zu lassen, denn mit der Bewegung ändere sich die Farbe des Fetts von weiß zu gelb. „Niemand kauft beim Metzger ein Stück Fleisch mit einer gelblichen Marmorierung.“

Niveau so hoch wie nirgends in Deutschland

„Vorbildlich in Sachen Tierschutz“: Auf Gut Karlshof zeigt Verwalter Stephan Lieberth den Stall für die jungen Ochsen. Sie dürfen sich bald auch im Freien aufhalten.

Alfons Bauschmid, zweiter Werkleiter bei den Stadtgütern München, verwahrte sich gegen Danners Behauptung, wonach die Tierhaltung in Bayern schlecht sei. „Bei der Rinderzucht ist das Niveau so hoch wie nirgends sonst in Deutschland.“ Das idyllische Bild der glücklichen Kuh auf einer Alm verwies er ins Reich der Phantasie. „Wenn Sie Kühe auf der Wiese sehen, dann in der Werbung. Rindermast findet im Stall statt.“ Herbert Danner betonte anschließend, er wolle keineswegs den Karlshof in Verbindung mit Tierhaltungs- oder Lebensmittelskandalen bringen. „Mir geht es schlicht um das Tierwohl, und dafür werden wir weiter arbeiten, auch wenn wir keine Mehrheiten bekommen.“

Mehrheit des Stadtrats gegen den Freilauf

Die Mehrheit des Stadtrats folgte der Position der Verwaltung, die von einer Freilauf-Möglichkeit für die 550 Ochsen abgeraten hatte - dies aus Platz- und Kostengründen, da das Gut dafür aufwändig umgebaut werden müsste. Den Duft der Freiheit dürfen aber zumindest die jungen Ochsen künftig schnuppern. Der Stadtrat beschloss, den Jungviehstall Richtung Hof zu öffnen, wo sich die Tiere auf einer kleinen Weide vergnügen dürfen.

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