Münchens neue Sperrzone

Grüne Plakette: Worauf Sie achten müssen

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Innerhalb des Mittleren Ring sind nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette erlaubt.

München - Gelb muss draußen bleiben! Ab Montag dürfen nur noch Autofahrer mit einer grünen Plakette in die Innstadt. Darauf müssen Sie ab sofort achten.

Wer künftig mit gelbem, rotem oder gar keinem Pickerl in der Umweltzone innerhalb des Mittleren Rings erwischt wird, muss mit 40 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen!

Von der Verschärfung der Umweltzone sind mehr als 24 000 Müncher Autofahrer betroffen! 3,6 Prozent aller in der Landeshauptstadt zugelassenen Wagen haben noch die gelbe Schadstoff-Plakette hinter der Windschutzscheibe kleben. Hinzu kommen rund 7000 Lastwagen, die mit Gelb unterwegs sind. Sie alle dürfen ab Montag nicht mehr ins Zentrum fahren!

Bis Jahresende kommen Plakettensünder aber noch straffrei davon. Während der sogenannten Karenzzeit bekommen sie lediglich eine mündliche Verwarnung. Auf dem Mittleren Ring selbst sind nach wie vor alle Fahrzeuge erlaubt – egal ob mit roter, gelber, grüner oder gar keiner Plakette.

Seit Oktober 2008 gibt es in München die Umweltzone, sie ist ein Baustein des Luftreinhalteplans der Stadt. Bislang hatten dort Autofahrer mit gelbem und grünem Pickerl freie Fahrt. Rot oder unplakettiert war dort schon seit Längerem verboten. Wer trotzdem erwischt wurde, zahlte 40 Euro Bußgeld und bekam einen Punkt. 2011 zählte das Kreisverwaltungsreferat (KVR) rund 2700 Plakettensünder, 2012 waren es nur noch 1700.

Und was sollen die Münchner machen, die ein gelbes Pickerl haben, aber trotzdem in die Innenstadt mit dem Auto fahren wollen? Den Wagen entsprechend nachrüsten? „Das ist schwierig“, sagt Vicenzo Lucà vom TÜV Süd. „Es ist nicht damit getan, einfach nur einen Filter einzubauen, der Eingriff betrifft den ganzen Motor.“ Er rät den Autofahrern, genau zu überlegen, ob sich eine Umrüstung noch lohnt. Denn eine solche könne je nach Fahrzeugtyp schon mal an die 1000 Euro kosten. Wer sein Auto nachrüsten möchte, sollte schnell sein. Denn der Bund fördert das Vorhaben mit 330 Euro nur noch dieses Jahr! Die Mittel sind aufgebraucht. Und ob es 2013 ein neues Förderprogramm gibt, ist noch offen.

Ansonsten bleibt nur noch eines: „Verkaufen“, rät Lucà. Aber das sei ebenfalls schwierig. „In München sind Autos mit gelber Plakette mittlerweile nahezu unverkäuflich!“

Doch keine Regel ohne Ausnahme: Das gilt auch bei der Umweltzone. Nicht plakettenpflichtig sind Oldtimer, Motorräder, Traktoren und Autos von Polizei und Rettungsdiensten. Wer mit einem Nachweis eines Sachverständigen belegt, dass sein Fahrzeug nicht nachrüstbar ist, kann außerdem beim KVR eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Dafür muss er aber innerhalb der Umweltzone wohnen, sein Geschäft haben oder dort arbeiten, beispielsweise als Handwerker. Die Genehmigung gilt dann maximal ein Jahr, kann aber verlängert werden.

Welches Fahrzeug bekommt welche Plakette?

Rot, gelb oder grün: Die Zuordnung zu den einzelnen Gruppen hängt vom Schadstoffausstoß ab. Auch die Emissionsschlüssel-Nummer, die in den Fahrzeugpapieren steht, spielt eine Rolle. Die Plaketten im Überblick:

Rote Plakette: Diesel-Fahrzeuge mit Partikelemissionen nach der Abgasnorm Euro 2 oder Euro 1 mit Partikelfilter

Gelbe Plakette: Diesel-Fahrzeuge mit Partikelemissionen nach der Abgasnorm Euro 3 bzw. D3 oder Euro 2 mit Partikelfilter

Grüne Plakette:

Diesel-Pkw mit Partikelemissionen nach der Abgasnorm Euro 4, D4 oder Euro 3 mit Parikelfilter oder Euro 5 oder Euro 6

Pkw mit Ottomotor und geregeltem Katalysator, G-Kat(auch US-Kat)

Kfz ohne Verbrennungsmotor (z.B. Elektromotor, Brennstoffzelle)

Quelle: Stadt München

tz-Umfrage: Können Sie Ihr Auto mit gelber Plakette nachrüsten?

Setze auf Karenzzeit

Die neue Regelung finde ich schwachsinnig! Die Laster, die größten Luftverschmutzer, fahren ja trotzdem noch auf dem Mittleren Ring. Das Auto ist nicht meines, es gehört der Firma. Eigentlich benutzen es die Kollegen in Allach, doch die nächsten Wochen fahre ich damit in der Stadt. Da setze ich auf die Karenzzeit!

Christian Feilmeier (60), Requisiteur, München

Schon zwölf Jahre alt

Ich weiß noch gar nicht so genau, was ich tun soll. Wahrscheinlich nachrüsten, aber das kostet. Mein Auto ist zwar schon zwölf Jahre alt, aber ich möchte es schon noch drei, vier Jahre fahren. Es ist noch pfennigguat! Von daher lohnt sich das Nachrüsten schon. Und ich fahre ja auch öfter in die Innenstadt zum Shoppen.

Sieglinde, Söldner, 69, Rentnerin, Germering

Lasse Filter einbauen

Die Verschärfung der Umweltzone ist gut für die Umwelt, aber schlecht für meinen Geldbeutel! Erst vor vier Monaten habe ich das Auto gekauft – aber schon mit entsprechendem Partikelfilter. Über 500 Euro hat der gekostet, für mich ist das viel Geld. Ich bin aber nicht dazu gekommen, ihn einzubauen.

Tahir Demir, 65, Rentner, München

Ich beantrage Förderung

Oft fahre ich nicht in die Innenstadt. Wenn ich aber doch fahre, dann mache ich dort größere Einkäufe. Und da brauche ich einfach ein Auto! Wie soll ich sonst die Sachen transportieren? Deshalb lasse ich nachrüsten. Die staatliche Förderung werde ich auch beantragen. Denn das Nachrüsten ist teuer.

Mustafa Büyükerzuramlu, 63, Schlosser, München

Eva Dobler

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