Spar-Pläne für U-Bahn, Bus und Tram

Grüne wollen Jahresticket für 1 Euro am Tag

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Grüne wollen Jahresticket für 1 Euro am Tag

München - Wenn es nach den Grünen geht, soll der Nahverkehr in der Stadt künftig nur noch einen Euro pro Tag kosten! Dafür sollen die Parkgebühren massiv steigen. Eine Milchmädchenrechnung?

Diesen Mega-Spar-Tarif soll es in einem neuen Jahresticket zu 365 Euro geben und ab 9 Uhr gültig sein. „Das rechnet sich für die Passagiere schon ab drei Fahrten pro Woche“, sagt Stadtrat Paul Bickelbacher. „Damit gäbe es wirklich keinen Grund mehr, mit dem Auto zu fahren.“ Im Gegenzug sollen die Parkgebühren steigen und zwar um 50 Prozent! MVG und die schwarz-rote Mehrheit im Rathaus winken allerdings ab.

Stadträtin Sabine Nallinger fordert Verbesserungen bei der MVG.

Die Stadt wächst an Einwohnern und Pendlern in Nahverkehr und auf der Straße. „Wir sind an der Grenze angestoßen“, sagt Ex-OB-Kandidatin Sabine Nallinger. Statt sofort zu handeln, vertröste die Große Koalition im Rathaus mit U-Bahn-Erweiterungen, die frühestens in zehn Jahren kämen, und teuren Tunnels am Mittleren Ring auf den Sanktnimmerleinstag. „Mit dieser Auto-Ideologie ist die Stadt nicht zukunftsfähig!“ Darum legt die Fraktion aus Grünen/Rosa Liste ein Antragspaket vor, um den Nahverkehr schnell zu verbessern und die Luft sauberer zu halten. Selbst der Freistaat habe schon Brandbriefe an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) geschrieben.

Herzstück ist die „MobilCard 365“: Für 365 Euro sollen die Münchner in der Stadt, also in den Ringen 1 bis 4, ein ganzes Jahr unterwegs sein – so wie es Rot-Grün in Wien vor drei Jahren eingeführt hat. Mit einer Einschränkung: In München soll das Angebot erst ab 9 Uhr gelten, weil die Bahnen davor heute schon völlig überlastet sind. Bislang kostet die „Isarcard 9 Uhr“ im Jahresabo 528 Euro! In Kombination soll eine „MobilCard“ eingeführt werden, mit der die Münchner nicht nur den Nahverkehr, sondern auch Leih-autos und -radl sowie Taxis nutzen und bezahlen können.

Im Netz setzen die Grünen auf schnelle Maßnahmen: Die U-Bahn soll bis 21 Uhr immer alle fünf und bis 1 Uhr alle zehn Minuten fahren sowie am Wochenende die ganze Nacht alle 15 Minuten. Bei der Tram soll es mehr Direktverbindungen geben. Die Metrobusse mit zweistelliger Liniennummer sollen bis 22 Uhr alle zehn Minuten fahren. Das sei mit dem bestehenden Fuhrpark umzusetzen, allerdings müsste die MVG rund 50 Fahrer einstellen.

Bezahlt werden soll es durch höhere Parkgebühren

50 Prozent! So wollen die Grünen den Parktarif steigern.

In München müssen nach Vorstellung der Grünen künftig 150 bis 250 Millionen Euro pro Jahr in den Nahverkehr fließen – inklusive Zuschüssen von Bund und Freistaat. Bislang stecke die Stadt nur rund zehn Millionen Euro in den Betrieb der MVG, plus schwankenden Investitionen für neue Trassen. Ein zweistelliger Millionenbetrag könnte allein nötig sein, um die Preissenkung für das Jahresticket zu finanzieren. Zehn bis 15 Millionen, um die rund 50 neuen Fahrer zu bezahlen, damit die vorhandenen Fahrzeuge ständig unterwegs sind. Wo soll das herkommen?

Da bleiben die Grünen ziemlich vage. Am konkretesten werden sie noch bei den Parkgebühren: Die seien laut Stadtrat Herbert Danner seit ihrer Einführung vor 17 Jahren nicht ein einziges Mal erhöht worden – während die MVV-Kunden seitdem mit Tarifsteigerungen um ein bis zwei Drittel zur Kasse gebeten worden seien. „Das ist vollkommen ungerecht“, sagt Danner. Darum sei eine Erhöhung um 50 Prozent denkbar – also etwa von einem Euro auf 1,50 pro Stunde. Das allein könne die 365-Euro-Jahreskarte gegenfinanzieren. Darüber hinaus müsse die Stadt schlicht mehr Zuschüsse in die Hand nehmen.

Die Kritik

So scharf wie MVG und Schwarz-Rot antworten, wird der Spar-Tarif der Grünen wohl so schnell nicht kommen: Die MVG spricht von einer „Milchmädchenrechnung“ – so viele Passagiere könnten gar nicht auf den Nahverkehr umsteigen, um die Mindereinnahmen durch die Preissenkung zu finanzieren. Sinnvoller sei es, erst Nadelöre zu beseitigen und den Bestand zu erhalten. SPD-Stadtrat Jens Röver spricht von einer „Freibier-Politik“ der Grünen. Taktverdichtungen nach dem Gießkannenprinzip seien wenig zielführend. Die Verbesserungen müssten sich zielgenau am Bedarf orientieren.

Rekord bei Handy-Tickets

Apropos MVG-Ticket. Die Münchner Verkehrsgesellschaft vermeldet den Verkauf des 1 000 000 Handytickets! Seit gut 400 Tagen gibt es das Angebot. MVG-Chef Herbert König zieht ein positives Resümee: „Das Handyticket kommt bei den Kunden gut an und die Verkaufszahlen steigen kontinuierlich weiter.“

In Zahlen sind das im Schnitt 3500 Tickets am Tag, an guten steigt der Verkauf sogar auf 5000 Tickets an. Insgesamt macht das Handyticket 6 Prozent des Ticketabsatzes aus. Bislang sind nur Einzelfahrkarten und Tageskarten im Sortiment. Geplant ist aber in Kürze auch die Kurzstrecke. Kaufen kann man die Tickets in der MVG-App.

David Costanzo

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