Stadtbäche sollen wieder an die Oberfläche

Grüne wollen aus München ein Klein-Venedig machen

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Früher durchzogen Kanäle die Stadt wie in der Sparkassenstraße (l.). Nun soll auch der Glockenbach (r.) geöffnet werden.

München - Was nicht jeder weiß: München wird von zahlreichen Bächen durchzogen. Die sind leider nur in den seltensten Fällen sichtbar. Die Rathaus-Grünen wollen das nun ändern und die Landeshauptstadt zu einem kleinen Isar-Venedig umbauen.

In der Pestalozzistraße schlürfen Cafégäste ihren Latte Macchiato auf einem Podest über dem glitzernden Glockenbach. In der Sonnenstraße flanieren Passanten an einem vor sich hin plätschernden Canale entlang. Am Karlstor sieht man unter einer Glasscheibe den Stadtgrabenbach fließen. München soll wieder ein kleines Isar-Venedig werden, das es schon einmal war. Das fordern die Rathaus-Grünen in einem umfangreichen Antragspaket.

Der Auer Mühlbach wurde bereits am Nockherberg freigelegt.

Wer alte Stiche oder historische Fotografien der Altstadt studiert, wird feststellen, dass das alte München von Dutzenden Bächen durchzogen war. Erst das Industriezeitalter sorgte dafür, dass diese Gräben nach und nach überwölbt wurden, der U- und S-Bahnbau sorgte Ende der 1960er-Jahre dafür, dass ein Großteil der verbliebenen Bäche auch noch zugeschüttet oder abgemauert wurde. Doch an manchen Stellen gluckern die letzten Stadtbäche unter den Füßen der ahnungslosen Passanten vor sich hin: So fließt der Glockenbach unter der Pestalozzistraße, ohne dass jemand davon Notiz nimmt, als Stadtgrabenbach fließt das Wasser weiter unter der Herzog-Wilhelmstraße und dem Altstadtring bis zum Odeonsplatz vor sich hin.

Die Rathaus-Grünen sowie das der Stadtentwicklung verschriebene Münchner Forum sowie der Öko-Verein Green City wollen die Bäche wieder an die Oberfläche holen. Freitag reichte die Fraktion entsprechende Anträge im Rathaus ein. „Damit wollen wir das Stadtklima verbessern“, erklärt Stadträtin Sabine Krieger. „Wenn wir die geöffneten Bäche mit Kies anfüllen, können dort auch wieder Fische, Vögel und Libellen Einzug halten“, fügt ihre Kollegin Katrin Habenschaden hinzu. Schon 1977 forderten CSU-Stadträte, die Stadtbäche wieder öffnen. „Seitdem ist nicht viel passiert“, berichtet Grünen-Fraktionschef Florian Roth. So wurde ein kleines Stück des Auer Mühlbachs geöffnet – und das war es.

Problem: Die Stadtbäche fließen bis zu fünf Meter unter dem Straßenniveau. „Man könnte sie mit ihrer eigenen Energie nach oben pumpen, sodass sie nahe an der Oberfläche fließen“, so Kaus Bäumler vom Münchner Forum, übrigens ein CSU-Mitglied und Ex-Bezirkschef in der Maxvorstadt. Die Alternative: Die Ufer terrassieren. Wolfgang Heidenreich, Green City-Landschaftsarchitekt: „Man könnte morgen damit anfangen.“

Johannes Welte

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