Grünen-Chef Benker, können Sie Altenheim?

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Sigi Benker

MÜnchen - Noch ist Sigi Benker Chef der Grünen im Rathaus, bald soll er zwölf Altenheime mit 1600 Mitarbeitern und 2800 Bewohnern führen. Hat er das Zeug dazu? Das tz-Interview:

Sigi Benker (54) wurde in der jüngsten Aufsichtsratsitzung zum nächsten Chef der städtischen Münchenstift-Häuser gewählt. Die Oppo­sition wirft den Grünen Parteibuchwirtschaft vor. Jetzt spricht er in der tz.

Herr Benker, Sie sind ohne Ausschreibung gewählt worden. Können Sie denn auch Altenheim?

Sigi Benker: Ich habe die Gründung und die Entwicklung der städtischen Seniorenheime seit der Gründung vor 16 Jahren im Aufsichtsrat begleitet und kenne die Zusammenhänge sehr gut.

Kennen Sie sich in der Pflege aus?

Benker: Ich habe zwei Jahre als Zivildienstleistender in der Psychiatrie als Pfleger gearbeitet und später nebenbei jahrelang in der 24-Stunden-Betreuung von Schwerstbehinderten. Und ich habe an der Fachhochschule in München Sozialarbeit und Sozialpädagogik studiert, unter anderem mit dem Schwerpunkt Altenhilfe.

Wie sieht es mit der Wirtschaftskompetenz aus?

Benker: Ich habe meine Mittlere Reife an einer ­Realschule im wirtschaftlichen Zweig absolviert und auch die Fachoberschule mit Schwerpunkt Wirtschaft.

Wird Ihnen beim Jahresumsatz von 100 Millionen Euro nicht schwindelig?

Benker: Als Aufsichtsrat bin ich mit den Zahlen der Münchenstift sehr gut vertraut.

Die Opposition hätte ­lieber eine Ausschreibung gehabt …

Benker: Das waren vom Wahlkampf motivierte politische Manöver.

Es gab aber auch Kritik aus der eigenen Partei!

Benker: Die Kritik des Landtagsabgeordneten Runge ist unangebracht. Er kam ja noch nie in die Verlegenheit, einen Posten besetzen zu dürfen. Das sind Äußerungen von Menschen, die größte Aufmerksamkeit erzeugen wollen.

Ärger gab es auch um die Besetzung des Kommunalreferats durch ihren Kollegen Boris Schwartz, an dessen Qualifikation Opposition, Regierung von Oberbayern und selbst Teile der SPD zweifeln.

Benker: Die grüne Stadtratsfraktion ist fest davon überzeugt, dass Boris Schwartz die Voraussetzungen erfüllt. Dass es knapp ist, war uns bewusst.

Haben Sie damit nicht in Kauf genommen, dass das Kommunalreferat auf ­Monate ohne Führung bleibt, obwohl es hier viele Baustellen gibt?

Benker: Wir hoffen, dass die Entscheidung nicht durch sämtliche Wahlkampfapparate der CSU wie die Regierung von Oberbayern aufgehalten wird.

Der Regierungspräsident hat kein Parteibuch.

Benker: Er war aber bekanntermaßen lange im Innenministerium tätig und ist weisungsabhängig vom Innenminister, und der ist ja bekanntlich Mitglied der CSU.

Interview: Johannes Welte

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