Rot-Schwarz ist sich einig

Grünen-Fraktion lässt Sabine Nallinger fallen

+
Grüner Südenbock: Sabine Nallinger.

München - Tag der Entscheidungen im Rathaus: Die Ökodemokraten fetzen sich. Sabine Nallinger musste ihr Amt als stellvertretende Fraktionschefin der Grünen abgeben. Rot und Schwarz sind sich inzwischen einig.

Alles Nichts Oder?! Sabine Nallinger (50) ist die große Verliererin der Kommunalwahl und der folgenden Koalitionsverhandlungen. Erst Monate der Eigenwerbung bei den Mitgliedern, um 2012 zur OB-Kandidatin der Grünen aufgestellt zu werden. Dann zwei Jahre lang Wahlkampf mit beinahe allabendlichen Diskussionsveranstaltungen, eigenes Geld für Plakate – und jetzt steht sie nicht nur ohne Bürgermeister- geschweige denn OB-Posten da. Am Montag musste sie auch ihr Amt als stellvertretende Fraktionschefin abgeben. Ihr bläst ein eiskalter Wind aus den eigenen Reihen entgegen.

Die wählte ihren Vorstand für die nächsten zwei Jahre. Die bisherigen Vorsitzenden Florian Roth und Gülseren Demirel wurden ohne Widersacher bestätigt. Und zur Stellvertreterin wählte die Fraktion Sabine Krieger – ebenfalls ohne Gegenkandidatur und mit großer Mehrheit. Diesen Posten hatte bislang Nallinger. Sie trat diesmal gar nicht mehr an.

Dass das auch keinen Sinn gemacht hätte, zeichnete sich schon bei der Fraktionssitzung vor einer Woche ab: Da musste sich Nallinger gegen Vorwürfe erklären, die Münchens Grünen-Vorsitzende Katharina Schulze per Rund-Mails an Parteifreunde gegen die OB-Kandidatin erhob. Vor allem ging es darum, dass Nallinger „ohne Rücksprache mit dem Verhandlungsteam die Gespräche mit Schwarz-Rot wieder aufgenommen hat“, um einen Bürgermeisterposten für sie zu retten. Dabei hatten sich SPD und CSU am vorigen Montag längst geeinigt, das KVR doch nicht, wie bisher geplant, der CSU, sondern der SPD zuzusprechen. Nallinger habe um das Gespräch gebeten, weil sie der Meinung war, dass man beim Abbruch der Verhandlungen am Dienstag zuvor „überreizt und kaputt gewesen“ sei. Sie hätte noch dem Vorschlag im Gepäck gehabt, das Referat für Umwelt und Gesundheit aufzuteilen, doch dafür hatte es bei der grünen Verhandlungskommission keine Mehrheit gegeben.

Kritik kommt vor allem von Hep Monatzeder und Katharina Schulze.

Dass Nallinger dennoch nochmals das Gespräch gesucht hatte, quittierte Stadträtin Jutta Koller so: „Sabine Nallinger hat nie kapiert, dass sie ein Teil eines Teams ist und war.“ Sowohl im Wahlkampf als auch jetzt macht sie Dinge, die nicht einvernehmlich beschlossen sind oder sogar abgelehnt wurden.“ Schulze legte dann sogar noch einen drauf: „Nallinger hat die Verantwortung, dass alles zerbrochen ist.“

Ex-Bürgermeister und einstiger OB-Kandidaten-Kontrahent Hep Monatzeder fasste es so zusammen: „Sabines Fehleinschätzung und ihr bedingungsloser Wille, Bürgermeisterin werden zu wollen, hat uns in diese Situation gebracht“, heißt es wörtlich in einem Sitzungsprotokoll. Nallinger war gestern für die tz nicht erreichbar.

Johannes Welte

Reissl bleibt SPD-Boss

Alexander Reissl (56)

Er gilt als Spitzenredner und harter Hund in Verhandlungen: Alexander Reissl (56) wurde mit großer Mehrheit wieder zum Fraktionschef der Rathaus-SPD gewählt. Er führt damit die rote Regierungsmannschaft an, die kleiner als die CSU ist. „Wir müssen wohl noch lernen, mit dieser Situation umzugehen“, sagte er der tz. „Ich will darauf achten, dass die SPD im Rathaus nicht zu kurz kommt.“ Seine neuen, alten Stellvertreter sind Mieterschützerin Beatrix Zurek (54) und Finanz-Experte Hans Dieter Kaplan (58). Ex-Vize Helmut Schmid (68) trat nicht mehr an.

Podiuk soll in CSU aufrücken

Hans Podiuk (67)

Auch in der CSU soll ein neues, aber längst bekanntes Schwergewicht die Rathausfraktion ins schwarz-rote Bündnis führen: Hans Podiuk (67) soll zum Nachfolger von Josef Schmid (44) gewählt werden, der zum Zweiten Bürgermeister avancierte – und dessen Vorgänger als Fraktionsvorsitzender Podiuk schon war. Die Wahl soll allerdings erst nach Pfingsten stattfinden. Podiuk sitzt seit 1978 ununterbrochen im Rathaus und war Ende April erneut zum Vize der Rathaus-CSU gewählt worden. Ebenfalls Stellvertreterin ist die Rechtsanwältin Evelyne Menges (55).

… und Dieter Reiter möbelt die Stadt auf

Alles neu macht der Mai: OB Dieter Reiter (SPD) hat Anfang des Monats das Amtszimmer von Christian Ude übernommen. „Alles in bester Ordnung“, sagte der Neu-OB. „Nur das Mobiliar ist etwas in die Jahre gekommen …“ Aber musste es gleich so viel sein? Morgen will sich der OB im Stadtrat die Erlaubis holen, mehr als 15.000 Möbel zu bestellen!

Der Schreibtisch muss raus, die Sitzecke hinten auch: Aber davor bestellt OB Dieter Reiter (SPD) erst einmal über 15.000 Möbel für die halbe Stadtverwaltung!

Das eine hat natürlich mit dem anderen nichts zu tun. Im Rathaus geht es um den Bedarf von Behörden, Schulen, Kitas und städtische Gesellschaften für die nächsten zwei Jahren. 150 Kleiderständer, 700 robuste Holzstühle, 1000 Tische, 3200 Bürostühle, 5000 Holzschalenstühle – und am meisten braucht es natürlich schön gepolsterte Stühle, nämlich genau 5200. Der Wert dürfte im sechs- bis siebenstelligen Bereich liegen. Reiter möbelt die Stadt auf!

Weil aber Stuhl nicht gleich Stuhl ist und Ver­gaberichtlinien verbindlich sind, vergibt die Stadt ganz streng Punkte nicht nur für Preis und Qualität, sondern auch für die Schönheit – und zwar mit den Unterpunkten „Formensprache, Farbgebung, Wirkung auf Kombination mit anderen Möbelstücken sowie Materialmix“. Schließlich verwaltet das Auge mit! OB Reiter warnt die Anbieter, die aus ganz Europa liefern können: „Gestalterische Unzulänglichkeiten führen zu Punktabzügen.“

Zur Bewertung gibt es übrigens einen eigenen „Beraterkreis Möbel“ mit Bossen aus Stadtdirektorium, Vergabestelle, Baureferat und des Personalrats.

In seinem eigenen Büro will Reiter bei Gelegenheit den alten Schreibtisch gegen ein ergonomisches Gerät austauschen. Und auch Udes ausgeleierte Sitzecke wird ersetzt.

dac

auch interessant

Meistgelesen

Großeinsatz in Flüchtlingsunterkunft am OEZ
Großeinsatz in Flüchtlingsunterkunft am OEZ
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
20 Jugendliche attackieren Männer am Flaucher mit Messer
20 Jugendliche attackieren Männer am Flaucher mit Messer

Kommentare