Wer wird Funktionär?

Die Münchner Grünen suchen neuen Vorsitz - diese Kandidaten sind im Gespräch 

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Sucht einen Partner: Grünen-Vorsitzende Gudrun Lux.
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Im Gespräch: Peter Heilrath.
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Im Gespräch: Marcel Rohrlack.
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Im Gespräch: Sylvio Bohr.
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Im Gespräch: Henrike Hahn
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Abgetreten: Beppo Brem.
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Abgetreten: Heidi Schiller.
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Abgetreten: Katharina Schulze.

Die Münchner Grünen suchen mal wieder einen neuen Vorsitzenden. Es wird wohl eine Kampfkandidatur geben, denn es ist eine ganze Reihe von Namen in Umlauf. Generell war die Besetzung der Stadtführung in den vergangenen Jahren eher unstet. Doch dafür gibt es Gründe.

München - Sebastian Weisenburger wird heute noch gerne zitiert, wenn es um den Posten des Vorsitzenden der Münchner Grünen geht. Weisenburger, 34, war im Juli 2014 von eben jenem Amt zurückgetreten, über das er später sagte, es sei wie der „Job eines Top-Managers, jedoch zum Gehalt eines Praktikanten“. Mit diesem Gleichnis ist erfrischend ehrlich das Dilemma der Stadtpartei zusammengefasst: „Es ist ein Ehrenamt, der Zeitaufwand ist dennoch immens“, sagt Gudrun Lux, die amtierende Vorsitzende. Man muss noch wissen, dass die Grünen schon ideologisch genderneutral auf zwei gleichberechtigte Vorsitzende setzen. Arbeitsteilung. Dennoch: „Jede Woche sind es 30 bis 40 Stunden, in denen ich etwas für die Partei mache“, sagt Gudrun Lux.

Der damals frischgebackene Vater Weisenburger trat genau aus diesem Grund im Sommer 2014 zurück, die langjährige Vorsitzende Katharina Schulze 2015 nicht mehr an. Nachfolgerin Heidi Schiller packte im Sommer 2016 ihre Koffer, da sie als Projektentwicklerin für erneuerbare Energien und Umwelt berufsbedingt für einen längeren Aufenthalt in den Senegal musste. Und im Jahr 2017 gibt es wieder so etwas wie einen Grünen Sommer, denn vor kurzem hat Beppo Brem überraschend die Brocken hingeworfen. Der 55-Jährige gab offiziell ebenfalls berufliche Gründe an. Wenngleich im Hintergrund auch über atmosphärische Störungen mit dem Parteiumfeld gesprochen wird. Brem selbst räumte sodann auch ein, dass er die Freude an der Arbeit verloren habe, sprach von einem hohen Frustrationspegel. Dabei sei es aber nicht um einzelne Personen gegangen, vielmehr um die Art, wie Leute sich in Szene setzten. „Eine gewisse Traurigkeit und Resignation“ seien entstanden, so Brem.

Diese Kandidaten haben Interesse an dem Posten

Nun scheint das andere nicht abzuschrecken. Dem Vernehmen nach gibt es eine ganze Reihe von Menschen, denen zumindest ein Interesse nachgesagt wird. Einer davon ist Peter Heilrath. Der ist Bundestagskandidat der Grünen im Wahlkreis München-Süd, allerdings ohne realistische Aussicht auf einen Umzug nach Berlin. Dennoch werde er andere Themen derzeit nicht kommentieren, sagte Heilrath. Der Wahlkampf gehe vor, Störfeuer sind nicht erwünscht.

Für den 48-Jährigen könnte für seine Kandidatur zum Problem werden, dass er bislang keine Erfahrung in der Vorstandsarbeit hat. „Für den Vorsitz ist es natürlich besser, dass Leute nachrücken, die schon dabei waren, die wissen wie der Hase läuft“, sagt ein Grüner.

Diese Voraussetzung würde Heidi Schiller mitbringen. Auch deren Name fällt, wenn man sich bei den Münchner Grünen umhört. Denn die ehemalige Vorsitzende ist mittlerweile wieder aus dem Senegal zurück. Eine Kandidatur wird aber in Parteikreisen als schwierig angesehen. „Sie müsste schon sehr gut erklären können, warum sie sich, ein gutes Jahr nach ihrem Rücktritt, auf einmal wieder für den Vorsitz interessiert.“ Kolportiert wird ferner der Name von Henrike Hahn, die 2016 gegen Gudrun Lux um eben die Nachfolge Schillers angetreten war und unterlag.

Darum hat eine Frau kaum Chancen auf den Vorsitz

Zudem werden dem Grünen Nachwuchspolitiker Marcel Rohrlack Ambitionen nachgesagt. Der war als Sprecher der Grünen Jugend München aktiv, scheiterte aber unlängst bei der Wahl zum Sprecher des Öko-Nachwuchses im Land. Ebenso steht Sylvio Bohr auf der Interessentenliste, der bereits als Beisitzer im Vorstand aktiv ist. Das gilt auch für Christian Smolka, Helena Geißler und Julia Post. Einzig Letztgenannte hat wohl intern bereits eine Kandidatur aus beruflichen und privaten Grünen ausgeschlossen.

Aus dem Parteiumfeld heißt es weiter, dass eine Frau kaum Chancen haben wird, wenn es männliche Kandidaten für den freigewordenen Posten neben Lux gibt.

Dies sieht für eine mögliche Kandidatur als Oberbürgermeister ganz anders aus. Dem Vernehmen nach werden die Grünen 2020 eine Kandidatin ins Rennen gegen OB Dieter Reiter (SPD) schicken. Und: Sabine Nallinger, OB-Kandidatin 2014, wird es nicht erneut sein, wie aus Parteikreisen zu erfahren war. „Sie hat ihren Schwerpunkt nach Berlin verlegt und zeigt bei den Münchner Grünen und als Stadträtin kaum noch Präsenz.“

Ämterhäufung bei den Grünen untersagt

Dass bei den Münchner Grünen die Fluktuation an der Spitze in den vergangenen Jahren so hoch war, hat die Gründe im Ehrenamt, das meist neben einem fachfremden Beruf ausgeübt wird. Bei CSU und SPD sind die Vorsitzenden, Ludwig Spaenle und Claudia Tausend, beide voll mandatiert. Spaenle ist Kultusminister, Tausend Bundestagsabgeordnete. „Die arbeiten natürlich beruflich im selben Feld, in der Politik“, sagt Lux.

Dass in solch einer Konstellation auch bei den Grünen Konstanz möglich ist, zeigt der Blick in die Vergangenheit. Katharina Schulze war von 2010 bis 2015 Vorsitzende, allerdings studierte Schulze, war zudem als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Landtagsabgeordnete Theresa Schopper tätig und zog 2013 selbst in den Landtag ein. Schulze derweil kann nicht mehr antreten. Die 32-Jährige ist unlängst Vorsitzende der Landtagsfraktion geworden. Diese Ämterhäufung ist bei den Grünen qua Satzung untersagt.

Hohe Fluktuation heißt schneller Verantwortung übernehmen

Das Beispiel Schulze zeigt jedoch auch die aus Grünen-Sicht positive Seite der Medaille. Dadurch, dass die Fluktuation so hoch ist, „kann man bei uns relativ schnell Verantwortung übernehmen“, sagt Gudrun Lux. „Bei der CSU sitzen seit 25 Jahren die selben grauen Herren.“ Schulze war erst 2008 bei den Grünen eingetreten, zwei Jahre später war sie Vorsitzende.

Um einen ihrer Nachfolger wird es im September gehen. „Wir konzentrieren uns jetzt voll auf den Wahlkampf“, sagt Lux. „Danach komplettieren wir den Stadtvorstand.“ Bis dahin könnte noch der ein oder andere Name auftauchen. „Ich bin froh, wenn es so viele Interessenten gibt.“

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