Es grünt so Grün - stellt die Partei 2014 den OB?

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Theresa Schopper (l.) und Claudia Roth

München - Wäre am Sonntag Bundestagswahl, würden die Grünen im Freistaat 23 Prozent einfahren. Wenn es so weiter geht, könnten sie 2014 sogar den OB stellen, lässt ein Mitglied durchblicken.

Das zeigt das Ergebnis der jüngsten Forsa-Sonntagsfrage. Bayerns Sonnenblumen-Partei hat allen Grund zum Strahlen, und das tut Landesvorsitzende Theresa Schopper auch. „Wir freuen uns, weil diese Umfragewerte zeigen, was für die Grünen in Bayern möglich ist.“ Zunächst mal können die Ökos im früher einfarbig dunkelschwarzen Freistaat spektakulär punkten – was aus der Opposition heraus zugegeben leichter ist denn als Regierungspartner. Das schlägt sich auch in einem stetigen Mitgliederzuwachs nieder.

So viel verdienen Ude und Co.

So viel verdienen Münchens Bosse!

Bundesweit liegen die Grünen in der Umfrage bei 22 Prozent, auch nur zwei Prozent hinter der SPD. Und in München – wo die Grünen seit 20 Jahren mitregieren? Tja, da gibt’s keine Umfrageergebnisse, aber soviel lässt die grüne Spitzenfrau Schopper durchblicken – dass ihre Partei 2014 mit einer „überzeugenden personellen Entscheidung“ durchaus den – oder die – OB stellen könnte!

Die Landeschefin führt das verstärkte Ergrünen der politischen Landschaft auch auf die Atomkraftdebatte und den Atom-Kompromiss der schwarz-gelben Koalition in Berlin zurück. „Wir sind für die Wähler, die Atomkraft ablehnen, die glaubwürdigste Partei, Kontinuität wird honoriert.“ Trotzdem hätte die 49-Jährige angesichts der weiter ungelösten Entsorgungsfrage gern auf den Beschluss über längere AKW-Laufzeiten verzichtet.

Weil sich die Grünen allgemein beim Klimaschutz, aber auch in schwierigen sozialen oder Wirtschaftsfragen „nicht wegducken, sondern auch unbequeme Wahrheiten klar benennen“, stiegen Zustimmung und Mitgliederzahl. Am Dienstag waren in München 936 Grüne registriert, 2008 waren es 785 – ein Plus von 19 Prozent! Bayernweit lautet die aktuelle Zahl 6853, vor zwei Jahren waren es 6335. Eine schöne Bilanz für die Grünen, die auch schon Austrittswellen zu verkraften hatten, etwa zu Zeiten der Kosovo-Entscheidung.

Themenmäßig sieht Schopper ihre Partei gut aufgestellt, „man müsste sie nur gesellschaftlich mehr spielen, in Vereinen und Verbänden.“ Das heißt: „Gut wäre eine Art Graswurzelrevolution – der Bürger soll wissen, dass wir uns nicht nur theoretisch auskennen.“ Grüne Politik müsste vor Ort mit Gesichtern verbunden werden. Leuchtendes Beispiel dafür war Sepp Daxenberger.

Er schaffte es als erster bayerischer Grüner, Rathauschef zu werden. Darauf zielen 2014 auch die Münchner: Bei der Kandidatenaufstellung werde man sich strikt auf die Frage konzentrieren: „Wer hat die größten Chancen?“ Derzeit sieht Schopper drei mögliche Namen: Ihren eigenen, Bürgermeister Hep Monatzeder und Margarete Bause, Chefin der Landtags-Grünen. Schon 2008 erreichte die Partei in einigen Stadtteilen die Mehrheit.

Zur Zusammenarbeit mit der SPD erkennt Schopper keine Alternative: „Da gibt es doch die meisten Schnittmengen.“ Besser als Rot-Grün gefiele ihr aber Grün-Rot. Schwarz-grüne Farbenspiele seien kaum vorstellbar.

OB Christian Ude räumt ein, dass die Grünen von „der enormen Enttäuschung über Schwarz-Gelb in Berlin profitieren,“ während die SPD stagniere. Aber er glaubt keine Sekunde, dass ein Grüner oder eine Grüne die OB-Wahl gewinnen könnte. „Hep Monatzeder bekam letztes Mal 3,4 Prozent“, erinnert er. Ude warnt die Grünen davor, jetzt bei der Olympia-Bewerbung „einen Wackelkurs zu fahren“. Gerade eine Partei, die sich soviel auf ihre klare Linie zugute halte, „darf in dieser Frage nicht wort-, ja sogar vertragsbrüchig werden“. Am 4. Oktober entscheidet die grüne Basis über die Zustimmung zu den konkreten Bewerbungsunterlagen (Bid-Book).

Barbara Wimmer

Zählappell in den Parteien

Die Parteizentralen zählen regelmäßig die Häupter ihrer Lieben – die aber auch ebenso regelmäßig ihre Mitgliedsbeiträge einbezahlt haben müssen. Bei der Landes-CSU ist der Stand aktuell (Ende 2009) 159 000, vor zwei Jahren waren’s 162 000. Ebenfalls Ende 2009 haben die Münchner Schwarzen letztmals gezählt: genau 7318 Mitglieder. 2008 waren es noch 7618.

Gerupft wurde auch die Bayern SPD: Ca. 68 000 Sozis sind es derzeit im Freistaat, 2008 waren es 70 737. Der Verlust sei hauptsächlich der Überalterung geschuldet, heißt es. In München ist der Schwund weniger merklich: jetzt sind’s 5583 ­Mitglieder, gegenüber 5660 im Jahr 2008.

Hoch im Kurs stand 2008 und 2009 die FDP. Die Mitgliederzahl schnellte in Bayern von 5738 auf 6558 hoch. „Jetzt gibt’s eher Austritte als Eintritte“, gibt ein Parteisprecher zu. Das zeigt auch die Entwicklung in München: 1139 heute, 937 (2008) und 1166 (2009).

BW

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