Wirtschaftsplan

Geothermie Unterhaching: Grüne Energie schreibt schwarze Zahlen

Die Geothermie Unterhaching kalkuliert im gemeinsamen Wirtschaftsplan mit der Erdwärme Grünwald erstmals mit einem Gewinn. nicht alle sind überzeugt, dass das eine gute Nachricht ist.

Grünwald - Aus Zahlen kann man jede Menge ableiten. In jede nur erdenkliche Richtung. Diese Erkenntnis wurde jetzt im Grünwalder Gemeinderat bestätigt. Es ging um den vierjährigen Wirtschaftsplan der Erdwärme Grünwald und der Geothermie Unterhaching. In der Hochrechnung für Unterhaching ist erstmals ein Gewinn nach Abschreibung von 146.000 Euro zu verbuchen. Erdwärme-Geschäftsführer Andreas Lederle bezeichnet diese Nachricht im Gemeinderat als historisch. Das sei ein Signal für die Zukunft.

In den vergangenen Jahren musste Grünwald Millionenbeträge in die Hand nehmen, um die Anlagen in Unterhaching am Laufen zu halten. Aus Sicht des Erdwärme-Geschäftsführer haben sich die Abschaltung und der Abbruch des Kalina-Kraftwerks im vergangenen Jahr als richtig erwiesen. Laut Wirtschaftsplan wird es in den nächsten Jahren zwar nicht mehr so erfolgreich aussehen, der positive Trend aber werde anhalten.

4,5 Millionen Euro im Minus bei Erdwärme Grünwald

Bei der Erdwärme Grünwald sehen die Zahlen auf den ersten Blick nicht so rosig aus. 4,5 Millionen Euro im Minus, so lautet das Fazit für dieses Jahr. Sondereffekte wie der Zinsaufwand an die Gemeinde wirken sich aus. Sie fallen in den nächsten Jahren weg. Trotz der roten Zahlen: Die Gemeinde muss kein Geld mehr in das Unternehmen stecken. Die Erdwärme macht im Schnitt über vier Jahre hinweg rund 3,2 Millionen Euro operativen Gewinn. Andreas Lederle: „Im Wirtschaftsplan sind auch Positionen berücksichtigt, um die Anlagen, in die wir investiert haben, im Wert zu erhalten.“

Jeder Meter Rohr in der Anlage wird auch nach Abschreibung weiterbetrieben und hat laut Lederle eine Lebensdauer von weit über 50 Jahren. Er fügte an, dass die Erdwärme sorgsam mit dem Material umgehe, die Pumpen nicht auf Volllast fahre und sie über Jahre ohne Probleme laufen lassen könne.

Ordentliche Rendite für Grünwald und Unterhaching

Thomas Bühler spricht von einer erfreulichen Rendite.

Thomas Bühler (CSU) sah die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen als gegeben an und frohlockte. Er hatte im Vorfeld für Grünwald zwei Prozent Rendite, für Unterhaching sogar vier Prozent errechnet. Die Zahlen werden von der Erdwärme gestützt. Er ging vom eingesetzten Kapital aus und setzte dazu den Gewinn, den Cash-Flow, in Bezug.

Oliver Schmidt hält die Berechnungen zur Rendite für unseriös.

Allerdings bekam er in diesem Punkt Gegenwind von der PBG zu spüren. Oliver Schmidt (und auch Michael Ritz, FDP) warf ihm Schönrednerei vor. Von einer solchen Rendite könne keine Rede sein. Denn Bühler berücksichtige nicht den Werteverfall der Investitionen, wie es in jeder ordentlichen Bilanz nötig sei. In die betriebswirtschaftliche Fachdiskussion mischte sich Annabella Wünsche (CSU) ein. Sie befasst sich in ihrem Betriebswirtschaftsstudium mit solchen Fragen. Auch wenn viele investierte Güter in Bilanzen nur mit einem Euro verzeichnet würden, sei deren realer Wert höher. Man dürfe die Geothermie nicht nur buchhalterisch betrachten. Dietmar Jobst (PBG) stellte den Antrag auf Schluss der Debatte: „Mein Bedarf an wissenschaftlichen Referaten ist für heute gedeckt.“ Der Wirtschaftsplan wurde mit 18:4 Stimmen abgesegnet.

Eine Nachfrage Bühlers: Wie viel Kohlenstoffdioxid haben die beiden Energieproduzenten in ihrer Geschichte vermieden? Die Antwort lieferte die Erdwärme tags darauf: Rund 91.000 Tonnen sind es bei der Erdwärme Grünwald seit sieben Jahren, in Unterhaching sind es seit Beginn vor elf Jahren 166.000 Tonnen. Eine 80-jährige Buche, so Andreas Lederle, nehme pro Jahr 12,5 Kilogramm CO2 auf. Es wären also über eine Million Buchen nötig, um 91.000 Tonnen CO2 in einem Jahr zu speichern.

Rubriklistenbild: © Philipp Guelland / Philipp Guelland

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