Sie hatten ihn in Freising gnadenlos ausgepfiffen

Günther Beckstein beschimpft die Startbahn-Gegner

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Mit Pfeifkonzerten, Sprechchören und Protest-Plakaten wurde Beckstein in Freising empfangen.

Freising - Ministerpräsident Günther Beckstein hatte sich in die Höhle des Löwen gewagt.

Am Donnerstagabend stellte er sich in Freising rund 1000 Gegnern der 3. Startbahn am Flughafen. Die Demonstranten pfiffen ihn gnadenlos aus, der Ministerpräsident revanchierte sich mit wenig charmanten Worten.

Auf Einladung der Freisinger CSU war Beckstein zu seinem Wahlkampfauftritt in die Bischofsstadt gekommen. Zunächst traf er sich im Rathaus mit OB Dieter Thalhammer (SPD), um sich die Sorgen und Nöte der Freisinger anzuhören. „Ich hatte das Gefühl, dass ihm unsere Argumente gegen die dritte Startbahn wirklich nahe gingen“, so das Stadtoberhaupt zur tz. Nach dem Eintrag ins Goldene Buch traf sich Beckstein auch mit Vertretern des Bündnisses gegen die dritte Startbahn AufgeMUCkt.

Alles verlief nach Protokoll, bis der Ministerpräsident auf den Marienplatz trat, um seine Rede zu halten. Doch ob er nun über die Startbahn sprach oder über Rechtsextremismus, Ausländer-Integration oder Bildungspolitik, Beckstein sah sich einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert und „Aufhören“-Chören ausgesetzt, die kein Ende nahmen. Da platzte ihm der Kragen: „Da könnt ihr plärren, so lange ihr wollt“, so der Franke. Die Geräuschkulisse sei „ein Schauspiel, dass viele Menschen keine Toleranz üben“. Das Pfeifkonzert sei „eine undemokratische Störung einer Veranstaltung“. Über die, die „lautstark krakeelen“, sagte er: „Wer bestreite, dass „ein Standort von Weltgeltung“ internationale Flugverbindungen brauche, sei „ein Dummkopf oder ein böswilliger Mensch“. Beckstein sprach von „Einpeitschern“, die von außen hergekarrt worden seien. Und: „Die, die hier pfeifen, sind alle selber Pfeifen.“

Der Sprecher des Aktionsbündnisses AufgeMUCkt Hartmut Binner ist stolz auf das Pfeifkonzert: „Wir wollten dem Ministerpräsidenten näher bringen, wie es ist, wenn man nicht zu Wort kommt. Unsere Einwände gegen die dritte Startbahn werden ja nur angehört, aber nicht gehört.“ Im Gespräch im Rathaus habe Beckstein nur auf das laufende Planfeststellungsverfahren hingewiesen. „Die Behauptung, wir hätten Einpeitscher herangekarrt, ist beleidigend. Der Protest kommt aus der Bevölkerung,“ so Binner.

Freisings OB Thalhammer indes verteidigt den Ministerpräsdenten: „Es war ein schwieriges Unterfangen für ihn, nach Freising zu kommen, was ich ihm hoch anrechne. Wer geglaubt hat, er käme mit dem Versprechen, auf die Startbahn zu verzichten, war naiv. Die ganze Rede ohne Pause mit Pfeifkonzerten zu stören, hat mit Fairness nichts mehr zu tun.“ Dass Beckstein der Geduldsfaden riss, „dafür habe ich Verständnis“, so der OB. Er stecke mitten im Wahlkampf und habe ein schweres Erbe angetreten.

Der Freisinger CSU-Landtagsabgeordnete Florian Herrmann, selbst Gegner der Startbahn, hält die Proteste sogar für kontraproduktiv: „Das nützt der Sache überhaupt nichts.“

Flughafen-Plan: Die dritte Bahn soll bis 2011 fertig sein

Um die Zahl der möglichen Flugbewegungen von 90 auf 120 pro Stunde heben zu können, will die Flughafengesellschaft bis 2011 eine dritte Startbahn im Norden des Flughafens errichten. Das Raumordnungsverfahren bei der Regierung von Oberbayern verlief „insgesamt landesplanerisch positiv“, jetzt läuft das Planfeststellungsverfahren. Der Flächenverbrauch der dritten Startbahn wurde gegenüber dem Raumordnungsverfahren durch Verzicht auf den langen Westabrollweg um 300 Hektar reduziert. Die unter 25 Alternativen gewählte Variante 5b ergibt laut FMG die „geringste Belastung für Mensch und Umwelt“.

Die unter dem Bündnis AufgeMUCkt zusammengeschlossenen Startbahngegner fürchten noch mehr Lärm und Abgase rund um den Airport. Sie zweifeln zudem angesichts steigender Kerosinpreise an den Wachstumsprognosen und kritisieren den CO2-Ausstoß der Luftfahrt.

Quelle: tz

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