"Guerilla Gärtner": Ihre Taten treiben Blüten

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Grabungen an der Daiserstraße (v. l.): Konrad, Ulli und Franziska mit Töchterchen. Rechts das Plakat, mit dem die Guerilla-Gärtner im Vorfeld Anwohner auf die Aktion aufmerksam machten

München - Eine andere Welt ist pflanzbar. So lautet das Credo der Guerilla Gärtner weltweit. Sie setzen alles daran, graue Großstädte bunter, blumiger, freundlicher zu machen.

„Bei unseren Aktionen schüttet es eigentlich immer“, lacht Felicitas. Die 32-Jährige hat Landschaftsarchitektur studiert und tritt nun in einer graslosen Fläche an der Ecke Daiser-/Alramstraße einen Spaten in die verkarstete Erde.

Es regnete auch letzten Sonntag, als die Guerilla Gärtner zum Einsatz nach Sendling riefen. Konrad, ebenfalls vom Fach, weist auf der gegenüberliegenden Straßenseite den Laienpflanzer Ulli an, wie man das China-Schilf eingraben muss. Regen tropft von seiner Hutkrempe. Falsche Bärte und Mützen, wie bei ihren ersten, damals immer nächtlichen Aktionen, tragen die Leute nicht mehr.

Zehn bis 15 Mitglieder der Gruppe erscheinen jeweils zu den wilden Pflanzaktionen mit Samenbomben oder widerstandsfähigen Gewächsen, die keine regelmäßige Pflege brauchen. Es ist allerdings ein Ziel der Guerilla Gardener, die Anwohnerschaft in ihr Unternehmen einzubeziehen. Sie sollen nach den Setzlingen schauen, an heißen Tagen im Sommer auch gießen.

Am Haidhauser Pariser Platz klappt das bereits super, berichtet Sebastién Godon. „Eine bunte Gemeinschaft von Ladenbesitzern und Anwohnern wässert das Beet, das wir Anfang Juni, im strömenden Regen natürlich, gepflanzt haben.“ 2011 soll dort weitergemacht werden.

In der Daiserstraße wohnt Franziska, die im Frühjahr schon Schwertlilien gepflanzt hat. Ein paar Nachbarn haben sich auch eingefunden. Selbst Hand anlegen wollen Wolfgang und Ulla Kusior zwar nicht, aber sie loben die Initiative.

Wenige Tage zuvor hatte eine Gruppe an der Rosenheimer Straße 3000 Krokus- und 800 Narzissenzwiebeln unter die Erde gebracht – für einen farbenfrohen Frühling am Gasteig. In Sendling wurden per Stadtauto-Transporter morgens winterharte ­Geranien, Taglilien, Fetthennen und Frauenmantel angefahren, die nun an der Hausmauer auf die Verpflanzung in ­ihren Bestimmungsort warten. Eigentlich sollten sie nach Plan verteilt werden, aber dann gehen die jungen Leute mit dem grünen Daumen doch wieder spontan vor.

Ganz anders also als die Beschäftigten der Stadtgärtnerei bei der Gestaltung der Blumencontainer. Gegen deren Blumentröge haben die Guerilla Gärtner nichts einzuwenden – sie kümmern sich ums vernachlässigte Straßenbegleitgrün und „Beete“, in denen triste Niedrigsträucher ihr Leben fristen. Für die fehlt behördlicherseits die Zeit. Ähnlich wie offenbar der Presseabteilung des zuständigen Baureferats: Sie fand zwei Tage lang keine Gelegenheit, die tz-Frage zu beantworten, ob sich die Stadt über die Blumen-Offensive der Freizeitgärtner freut.

Barbara Wimmer

tz-Stichwort: Guerilla-Gärtner

Der Begriff Guerilla Gardening entstand in den 70er Jahren in New York. Erst ein Jahrzehnt später pflanzte er sich nach Europa fort. Ursprünglich war die heimliche Aussaat von Pflanzen ein Mittel politischen Protests und zivilen Ungehorsams im öffentlichen Raum. Mittlerweile hat sich Guerilla-Gardening zum urbanen Gärtnern bzw. urbaner Landwirtschaft weiterentwickelt. In München gibt es die Gruppe seit drei Jahren, erst heuer fällt sie durch größere Aktionen auf. Informationen gibt es im Internet unter www.guerillagardeningmunich.weebly.com

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