Gunnar D.: Hieß sein Urlaubsziel Mord?

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Gunnar D. steht vor Gericht.

München - Der Urlaub diente laut Anklage nur einem Zweck: Mord! Seit Freitag muss sich der 44-jährige Münchner Gunnar D. vor dem Schwurgericht verantworten. Dem Techniker wird ein teuflisches Verbrechen vorgeworfen.

Am Traumstrand der Algarve ertränkte er seine Ex-Freundin Georgina Z. (30) und tötete dann die gemeinsame Tochter Alexandra (18 Monate). Gunnar D., der in der Autoindustrie arbeitet, führte ein Doppelleben. In England hatte er eine junge Frau kennengelernt, die er nach München holte. In Stuttgart hatte er Freundin Nummer zwei, die Angolanerin Georgina Z. Als sie Anfang 2008 von ihm schwanger wurde, wandte er sich von ihr ab. Er versuchte sich aus der Verantwortung zu stehlen.

Wegen Verletzung der Unterhaltspflicht wurde er im März 2010 vernommen. Er verweigerte die Aussage. Während das Verfahren lief, reifte in ihm offenbar der Plan, „Kindmutter und Kind baldmöglichst zu töten“, befand Staatsanwältin Elisabeth Ehrl. Vom 21. bis 23. Juni 2010 flog er alleine nach Lagos in Portugal, „um sich dort nach geeigneten Örtlichkeiten umzusehen und um die Taten mit der ihm eigenen Gründlichkeit vorzubereiten“.

Trotz erheblicher Bedenken, so Ehrl, habe sich Georgina Z. zu einer gemeinsamen Reise nach Portugal überreden lassen. Sie quartierten sich im Hotel Villa Galé ein. Am 10. Juli, dem letzten Urlaubstag, gingen sie zum einsamen Strand Praia do Canavial bei Lagos. Die tödliche Falle: Während die kleine Alexandra am Strand spielte, lockte Gunnar D. sein Opfer ins Meer. Plötzlich drückte er sie mit aller Kraft unter das Wasser. Die Staatsanwältin: „Die Geschädigte versuchte noch sich aus der für sie lebensbedrohenden Lage zu befreien, indem sie um sich schlug und den Angeklagten an den Armen und Beinen kratze sowie ihm in den linken Unterarm biss.“

Georgina Z. ertrank qualvoll. Zeugen beobachteten, wie er die leblose Frau zum Strand schleppte. Ein Mann bot ihm Hilfe an, doch diesen scheuchte Gunnar D. weg. Dann nahm er das Kind und schleppte es die Steilkippen hinauf, wo der Mietwagen parkte. Wie er Alexandra tötete, konnte nicht geklärt worden. Die Leiche des Mädchens wurde erst von Fischern am 8. März 2011 unter Steinen im Bereich der Klippen entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt saß Gunnar Z. längst in Haft.

Staatsanwältin Elisabeth Ehrl: „Der Angeklagte handelte aus rücksichtslosem Gewinnstreben um jeden Preis.“ Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. Der Prozess wird am 19. März fortgesetzt. Es kommen Zeugen aus Portugal zu Wort.

Mit einem Antrag will Verteidiger Sascha Petzold den Hauptbelastungszeugen zum Schweigen bringen. Dieser Mann, der sich am Strand vom Angeklagten wegscheuchen ließ, hatte sich möglicherweise einer unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht – eine Straftat. Ein Zeuge hat in einem solchen Fall das Recht, die Aussage zu verweigern. Darauf spekuliert der Angeklagte, es wäre ein Vorteil für ihn. Der Indizienprozess ist bis zum 16. Mai terminiert.

Eberhard Unfried

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